Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.
begründet 1700 als Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften
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28. Mai 2026

Bericht zur Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät am 19. Mai 2026

Hans-Christoph Hobohm Jahrestagungen

Am 19. Mai 2026 fand die Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin statt. Die Tagung fand in Zusammenarbeit mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und der Berliner Medizinischen Gesellschaft statt und stand unter dem Titel:

Aus Gesundheitskrisen lernen und gemeinsam besser werden

Vortragsort war das geschichtsträchtige Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin-Mitte in direkter Nachbarschaft zur Charité und zur Humboldt-Universität. Wie der Verlauf der Tagung zeigte, hätte sich für die Vorträge und die Diskussionen kaum ein geeigneterer Ort finden können.

Gerda Haßler begrüßt die Teilnehmer der Jahrestagung 2026
Gerda Haßler begrüßt die Teilnehmer der Jahrestagung 2026 (Foto: Gerhard Pfaff)

Zu Beginn der Jahrestagung begrüßte die Präsidentin der Leibniz-Sozietät Gerda Haßler etwa 50 Mitglieder und Freunde der Sozietät. In ihren Ausführungen verwies sie zunächst darauf, dass die Covid-19-Pandemie die Welt nicht nur in ihrer unmittelbaren Auswirkung erschütterte, sondern auch grundlegende Fragen zur globalen Gesundheitsvorsorge aufgeworfen hat. Insbesondere die Bedeutung der Grundlagenforschung in den Bereichen Impfstoffe, Diagnostik und Überwa­chung ist in den Fokus gerückt. Des Weiteren hat die Pandemie die Interdependenz zwischen mensch­licher Gesundheit, Tiergesundheit und Umwelt unter dem One-Health-Concept verdeutlicht, was insbesondere vor dem Hintergrund des fortschrei­tenden Klimawandels an Relevanz gewinnt. Gerda Haßler stellte fest, dass die Pandemie komplexe ethische und rechtliche Fragen berührt hat, etwa zu Grundrechtseingriffen, Risikobewertungen und staatlicher Verantwortung. Ebenso zeigte die Pandemie, wie entscheidend eine realistische Risikowahrnehmung und eine vertrau­enswürdige Wissenschaftskommunikation für das gesellschaftliche Krisenmanagement sind. Am Ende ihrer Ausführungen wünschte sie der Tagung einen guten und erfolgreichen Verlauf.

Martin Beer beim Vortrag
Martin Beer beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Im ersten Vortrag der Tagung sprach Martin Beer (Friedrich-Loeffler-Institut) zum Thema Von der Zoonose zur Pandemie: Pandemisches Potenzial und Mechanismen am Beispiel von Influenzaviren. Er stellte dar, dass Influenzaviren exemplarisch zeigen, wie aus einer Zoonose eine Pandemie entstehen kann. Der Vortrag beleuchtete zoonotische Influenza-A-Viren (IAV) und die Mechanismen, die ihr pandemisches Potenzial bestimmen. Hauptreservoir sind wilde Wasservögel (v. a. Enten, Gänse, Möwen), in denen eine große genetische Vielfalt zirkuliert und durch Reassortment neue Virusvarianten entstehen. Über Kontaktzonen zu Hausgeflügel können diese Viren in Nutztiersysteme eingetragen werden. Ein weiteres wichtiges Reservoir sind Pelztiere und Schweine, die als „Mischgefäß“ dienen können, weil sie sowohl aviäre als auch humane IAV aufnehmen und damit Anpassungsschritte an Säuger sowie genetische Neukombinationen begünstigen. Im Mittelpunkt stehen derzeit HPAI-Viren des Subtyps H5N1 mit unterschiedlichen Kladen, die sich regional etabliert haben und wiederholt Spillover in Säuger und auch den Menschen zeigen. Gleichzeitig werden niedrigpathogene aviäre IAV wie H7-, H9- und H10-Viren diskutiert, die insbesondere in Asien vereinzelt auf den Menschen übergehen und so ein Risiko darstellen können. Anhand zentraler Faktoren wie Wirtsbarrieren, Rezeptorbindung, Polymerase-Anpassungen, Transmission und Immunescape wurde im Vortrag das Risiko zoonotischer IAV bis hin zum prepandemischen Zustand herausgearbeitet. Abschließend wurden Konsequenzen für Überwachung und Risikobewertung im One-Health-Ansatz skizziert, um frühe Warnsignale zu erkennen und präventive Maßnahmen zu priorisieren.

Der folgende Vortrag Pandemien verstehen: Erkenntnisse aus der Zeit vor Corona wurde von Klaus Stöhr (MLS) gehalten. Der Vortragende konnte nicht persönlich anwesend sein, so dass die Präsentation als Aufzeichnung eingespielt wurde. Der Vortrag zeigte auf, dass es Pandemien gibt seit Menschen existieren. Mehr als 70% der in den letzten Jahren neu auf den Menschen übertragenen Infektionserreger sind Zoonosen; stammen also vom Tier. Beim Auftreten neuer Atemwegserreger beim Menschen mit hoher Übertragungsrate und dem daraus resultierenden Versagen der Auslöschungsversuche kommt es zu Pandemien mit gesetzmäßiger, rascher weltweiter Ausbreitung und der schrittweiser, unausweichlichen Durchseuchung der Gesamtpopulation. Klaus Stöhr stellte fest, dass umfangreiches, für die Bekämpfung des SARS-CoV-2-Erreger wesentliches Wissen bereits in den ersten Monaten und auch vor dem Erstauftreten des SARS-CoV-2-Erreger vorlag. Vor dem Ausbruch des SARS-CoV-2 Virus war z.B. bekannt, dass parenterale Impfstoffe nicht zu einer vollständigen Unterbindung der Reinfektion und Virusausscheidung bei Atemwegsinfektionen führen können. Das wurde zwar bereits bei der Impfstoffentwicklung berücksichtigt; aber bei der Bekämpfung nicht beachtet. Die Entstehung von Virus-Varianten war genauso vorhersagbar wie, dass dieser Prozess bei Coronaviren gebremster verläuft als z.B. bei Influenza-Viren. Aus der Erregerevolution war es biologisch hochplausibel, dass sich neue Erreger an den neuen Wirt (Mensch) anpassen werden, was in der Regel zu einer Pathogenitätsreduktion führt. Mit diesem Wissen allein hätten sich wesentliche Ziel- und Strategiefehler vermeiden lassen: «generell» Infektionen verhüten in allen Altersgruppen ohne Berücksichtigung der Dynamik der Impfstoffverfügbarkeit und des zu erwartenden Wirksamkeitsspektrums sowie der (beinahe ausschließliche) Fokus auf die gesundheitlichen Auswirkungen der Infektion und der Maßnahmen ohne ausreichende Abschätzung von Nutzen und Risiken. Beim Krisenmanagement wurden die Grundprinzipien einer strukturierten, interdisziplinären Krisenberatung missachtet und die systematische Begleitevaluierung und -forschung vernachlässigt. Das sehr früh (Feb 2020) international generierte Wissen z.B. über den Umfang der altersabhängigen Sterblichkeit blieb u.a. bei der Alterstratifizierung der Bekämpfungsmaßnahmen wesentlich unberücksichtigt. Völlig unverständlich bleibt die Aufrechterhaltung der Kontaktnachverfolgung bis fast zum Pandemieende mit den u.a. dramatischen Einschränkungen der Fähigkeiten der Gesundheitsämter für die Betreuung der Alters- und Pflegeeinrichtungen.

Claudia Spies beim Vortrag auf der Jahrestagung
Claudia Spies beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Claudia Spies (Charité – Universitätsmedizin Berlin; Berliner Medizinische Gesellschaft) stellte in ihrem Vortrag „Telemedizinische intensivmedizinische Versorgung – Erfahrungen aus SAVE.Berlin@COVID-19“ die intensivmedizinische Ausgangslage vor der Pandemie und die Entwicklung telemedizinischer Netzwerkstrukturen dar. Deutschland verfügt zwar über einen guten Zugang zur intensivstationären Versorgung aber die Verteilung der Kapazitäten und die Qualität der Versorgung sind jedoch regional und strukturell heterogen.

Anhand des ERIC-Projekts erläuterte Claudia Spies, wie telemedizinische Intensivmedizin genutzt werden kann, um Krankenhäuser zu vernetzen, Evidenz in die Fläche zu übertragen und Qualitätsindikatoren der DIVI (Sedierung, Analgesie, Delirmanagement, Beatmung, Infektionsprävention, Ernährung und Angehörigenkommunikation) systematisch in den Behandlungsalltag einzubringen. Die vorgestellten Daten zeigten, dass Televisiten Qualitätsverbesserungen ermöglichen können und beispielhaft wurde der Qualitätsindikator „Delir, Analgesie, Sedierung“ mit einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung dargestellt. Für die erste COVID-19-Welle in Berlin erläuterte die Referentin das Konzept von SAVE.Berlin@COVID-19 mit zentraler Steuerung der Intensivkapazitäten, ARDS-/ECMO-Zentrum, ARDS-Hotline, Telemedizin-Hub, Covid-Koordination und einem gestuften Netzwerk von Level-1-, Level-2- und Level-3-Krankenhäusern. Ziele waren eine bessere Patientenallokation, die Vermeidung lokaler Überlastung und die Dissemination evidenzbasierter Behandlung durch Telemedizin. Die Kennzahlen der ersten Welle, darunter telemedizinische Konsultationen pro Tag, ein großes Kliniknetzwerk und mehrere Tausend Konsultationen in kurzer Zeit, illustrierten die Skalierbarkeit des Ansatzes.

Der Ausblick zeigte, dass telemedizinische Intensivnetzwerke auch jenseits akuter Pandemielagen Bedeutung haben: als Instrument regionaler und perspektivisch nationaler Vernetzung, für Fort- und Weiterbildung, Qualitätsmanagement, Fallkonferenzen, Leitlinienarbeit und Forschung.

Blick auf die Teilnehmenden der ersten Podiumsdiskussion (v.l.n.r. Martin Beer, Claudia Spies, Detlev Krüger, Jonas Schmidt-Chanasit) (Foto: Gerhard Pfaff)

Die Podiumsdiskussion des Vormittags wurde von Detlev Krüger (Mitglied der Leibniz-Sozietät) geleitet. Auf dem Podium diskutierten Martin Beer, Claudia Spies und Jonas Schmidt-Chanasit mit dem Auditorium. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie zoonotische Risiken frühzeitig erkannt werden können, welche Lehren aus der Influenza- und SARS-CoV-2-Forschung für künftige Krisen zu ziehen sind und wie klinische Versorgung, öffentliche Gesundheitsdienste und wissenschaftliche Beratung besser miteinander verzahnt werden können. Besonders hervorgehoben wurde die Notwendigkeit eines belastbaren One-Health-Monitorings, das virologische, veterinärmedizinische, ökologische und klinische Daten zusammenführt. Ebenso wurde diskutiert, wie begrenzte Ressourcen in Krisen sinnvoll priorisiert werden können: etwa zwischen Surveillance, Diagnostik, Schutz vulnerabler Gruppen, Versorgungssteuerung und wissenschaftlicher Begleitevaluation. Die Diskussion zeigte, dass Vorbereitung auf Gesundheitskrisen nicht nur technisches Wissen, sondern auch klare Verantwortlichkeiten, lernende Strukturen und verlässliche Kommunikation erfordert

Frauke Rostalski beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Nach der Mittagspause eröffnete Frauke Rostalski (Universität zu Köln) die Reihe der Präsentationen mit dem Vortrag Diskursvulnerabilität: Beeinträchtigungen der Meinungsfreiheit in und nach der Pandemie. Der Vortrag widmete sich dem Konzept der Diskursvulnerabilität – einer gesteigerten Verletzlichkeit in der öffentlichen Kommunikation, die sowohl individuelle Empfindlichkeiten als auch gesellschaftliche Reizlagen betrifft. Dieses Phänomen hat in den vergangenen Jahren, insbesondere während und nach der Pandemie, erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Corona‑Zeit war geprägt von einer Atmosphäre, in der kontroverse Positionen häufig nicht mehr als legitime Beiträge zur Debatte verstanden wurden, sondern als Angriff, Zumutung oder potenzielle Gefährdung. Dadurch verschoben sich Maßstäbe dessen, was als sagbar, diskutierbar und zumutbar galt. Der Vortrag zeigte auf, wie diese Entwicklung entstand und welche Dynamiken sie verstärkt haben: moralische Aufladung, Polarisierung, Schnellurteile, soziale Medien und ein wachsender gesellschaftlicher Druck, sensibel, rücksichtsvoll und verletzungsscheu zu kommunizieren. Gleichzeitig wurde dargestellt, wie sich diese Diskursvulnerabilität in den Jahren nach der Pandemie fortgesetzt und teilweise noch intensiviert hat – etwa in Debatten über Klima, Migration oder Identitätsfragen. Im Zentrum des Vortrags stand die Frage, wie diese kommunikative Verletzlichkeit den offenen Diskurs beeinträchtigt: Sie führt zu Vermeidung unbequemer Themen, zu einer Verengung akzeptierter Positionen und zu Konfliktscheu, die kritische Auseinandersetzung erschwert. Damit stellt sie nicht nur eine Herausforderung für die Qualität öffentlicher Gespräche dar, sondern auch für die Funktionsfähigkeit einer demokratischen Kultur, die auf kontroverse, auch reibungsvolle, aber offene Diskussionen angewiesen ist. Der Vortrag von Frauke Rostalski lud dazu ein, Überempfindlichkeit im Diskurs zu erkennen, zu verstehen und Wege aufzuzeigen, wie eine freiheitliche, streitbare demokratische Gesprächskultur wieder gestärkt werden kann.

Peter Wiedemann beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Im sich anschließenden Vortrag mit dem Titel Bruchstellen der Risikokommuni­kation in der Pandemiezeit analysierte Peter Wiedemann (Monash University, Melbourne) die Risikokommunikation während der COVID-19-Pandemie als eine regulative Normalform, die sich von der Befähigung zu informierten Entscheidungen hin zur gezielten Verhaltenssteuerung verschob. Adressaten wurden nicht länger primär als autonome Entscheider angesprochen, sondern als kognitiv überforderte und fehleranfällige Akteure, deren Verhalten politischer Lenkung bedarf. An die Stelle aufklärungsorientierter Kommunikation trat damit eine choice-architecture-basierte Risikokommunikation, die primär auf Compliance zielte. Anhand konkreter Kommunikations- und Diskurspraktiken wurde im Vortrag untersucht, wie diese persuasive Kommunikationsform strukturell aufgebaut, legitimiert und stabilisiert wurde. Im Fokus stand dabei das Zusammenspiel wissenschaftlicher Wissensproduktion – einschließlich der Rolle von Fachzeitschriften als Gatekeeper und der politischen Selbstpositionierung von Wissenschaftlern. Theoretisch wird diese Dynamik mit A. Kruglanskis Konzepten des seizing und freezing sowie der Forschung zu motivated reasoning gefasst: Unter Bedingungen von Unsicherheit, Zeitdruck und normativer Erwartung diente Risikokommunikation in der Zeit der COVID-19-Pandemie einer epistemischen Festlegung, die anschließend stabilisiert und gegenüber abweichender Evidenz abgeschirmt wurde. In diesem Sinne trat eine policy-based evidence an die Stelle einer evidence-based policy. Ergänzend wurde von Peter Wiedemann unter Aufgreifen von Hermann Lübbes Konzept der empirischen Apokalyptik gezeigt, wie modellbasierte Erwartungen kommunikativ aufgewertet und zu quasi-empirischen Gewissheiten verdichtet wurden, während differenzierte, beobachtungsbasierte Risikobewertungen in den Hintergrund traten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle medialer Akteure analysiert, insbesondere die Funktion von Faktenchecks und moralisch aufgeladenen Narrativen. Diese wirkten stabilisierend, indem sie festlegten, welche Deutungen als vernünftig, verantwortungsvoll und sozial geboten galten, und alternative Perspektiven diskursiv marginalisierten. Dem beschriebenen diskursiven Compliance-Komplex wurde der Beutelsbacher Konsens als produktives normatives Orientierungsangebot gegenübergestellt. Er steht für eine Form von Risikokommunikation, die auf die Stärkung eigenständiger Urteilsfähigkeit zielt, anstatt auf kognitive Schließung oder implizite Verhaltenslenkung. Das Überwältigungsverbot markiert dabei die Grenze legitimer Einflussnahme und sichert kommunikative Fairness. Das Kontroversitätsgebot gewährleistet, dass alternative Bewertungen und Unsicherheiten auch unter Krisenbedingungen sichtbar bleiben. Die Berücksichtigung unterschiedlicher Betroffenheiten trägt schließlich dazu bei, Risiken differenziert statt pauschal zu adressieren. Wo diese Prinzipien leitend sind, bleibt Risikokommunikation ein emanzipatorisches Verfahren demokratischer Meinungsbildung, das Orientierung ermöglicht, ohne Entscheidungsspielräume zu schließen.

Jonas Schmidt-Chanasit beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Der Vortrag von Jonas Schmidt-Chanasit (MLS) mit dem Titel Ausblick: Klimawandel und vektorübertragene Infektionen schloss die Reihe der Präsentationen ab. Er zeigte auf, dass der Klimawandel die ökologische Dynamik vektorübertragener Infektionskrankheiten grundlegend verändert. Es ist evident, dass sich die Verbreitung, Dichte und saisonale Aktivität von Vektoren wie Stechmücken und Zecken unter dem Einfluss von steigenden Temperaturen, veränderten Niederschlagsmustern und zunehmenden Extremwetterereignissen verändern. In der Folge kommt es zu einer Verschiebung von Risikogebieten und Transmissionszeiträumen, auch in den gemäßigten Breiten Europas. Der Vortrag von Jonas Schmidt-Chanasit behandelte die komplexen Zusammenhänge zwischen klimatischen Faktoren, globaler Mobilität und lokalen ökologischen Bedingungen am Beispiel von West-Nil-Virus, Dengue- und Chikungunya-Virus. Deutschland ist längst kein „Nicht-Endemiegebiet“ mehr, wie die autochthone Übertragung des West-Nil-Virus belegt. Im Rahmen des Vortrags erfolgte eine Erörterung der Frage, welche Lehren aus der Pandemie des Coronavirus (SARS-CoV-2) für die Vorbereitung auf klimabedingte Gesundheitsrisiken abgeleitet werden können. Im Fokus standen robuste Surveillance-Systeme, integrierte One-Health-Ansätze, leistungsfähige Diagnostik sowie transparente Risikokommunikation. Nur durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Humanmedizin, Veterinärmedizin, Umweltwissenschaften, Politik und Öffentlichkeit kann eine nachhaltige Stärkung der Resilienz gegenüber zukünftigen Gesundheitskrisen erreicht werden.

Blick auf die Teilnehmenden der zweiten Podiumsdiskussion (v.l.n.r. Peter Wiedemann, Frauke Rostalski, Detlev Krüger, Jonas Schmidt-Chanasit) (Foto: Gerhard Pfaff)

Die zweite Podiumsdiskussion wurde erneut von Detlev Krüger geleitet. Gemeinsam mit Frauke Rostalski, Peter Wiedemann und Jonas Schmidt-Chanasit wurden die Vorträge des Nachmittags vertieft. Die Diskussion kreiste um die Frage, wie in Gesundheitskrisen zwischen notwendiger Vorsorge, Freiheitsrechten, gesellschaftlicher Polarisierung und wirksamer Risikokommunikation vermittelt werden kann. Aus dem Auditorium wurden insbesondere die Grenzen legitimer staatlicher Einflussnahme, die Rolle wissenschaftlicher Expertise in politischen Entscheidungsprozessen, der Umgang mit Unsicherheit sowie die Gefahr einer moralischen Verengung öffentlicher Debatten aufgegriffen. Deutlich wurde, dass Vertrauen nicht durch Vereinfachung oder Überwältigung entsteht, sondern durch Transparenz, Widerspruchsfähigkeit, offene Kontroverse und eine Kommunikation, die Bürgerinnen und Bürger als urteilsfähige Akteure ernst nimmt. Zugleich zeigte die Diskussion, dass naturwissenschaftliche Evidenz, rechtliche Maßstäbe und gesellschaftliche Akzeptanz in Krisen nicht getrennt voneinander behandelt werden können.

Das Schlusswort der Tagung hielt die Präsidentin der Leibniz-Sozietät, Gerda Haßler. Sie fasste die Ergebnisse der Veranstaltung zusammen und verwies auf das außerordentlich hohe Niveau der Vorträge und der Diskussionen. Sie konstatierte, dass die Tagung einen wichtigen Beitrag geleistet hat, um die Themen Aufarbeitung der Covid-19-Pandemie, Gesundheitsvorsorge, One-Health-Health-Concept, Einfluss des Klimawandels im Bereich von Pandemien, Grundrechtseingriffe, Risikobewertungen, realistische Risikowahrnehmung, vertrauenswürdige  Wissenschaftskommunikation und Krisenmanagement zu behandeln.

Es ist vorgesehen, die Vorträge in geeigneter Form zu publizieren

Gerhard Pfaff, Jonas Schmidt-Chanasit 

Fotos: Gerhard Pfaff

14. Mai 2026

Wahl des Sekretars der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften

Gerda Hassler Aus der Sozietaet, Mitteilungen, Personalia, Wahlen Neumann.H

Prof. Dr. Hans Neumann (MLS) (Foto: Universität Münster, Peter Grewer)

Am 7. Mai wurde Hans Neumann zum Sekretar der Klasse Sozial und Geisteswissenschaften gewählt.

Prof. Dr. Hans Neumann ist emeritierter Professor für Altorientalische Philologie der Universität Münster. Er ist am 9. Mai 1953 in Erfurt geboren, legte das Abitur 1971 im altsprachlichen Zweig an der II. Erweiterten Oberschule Berlin-Mitte (vormals Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster) ab und studierte von 1971-1975 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg orientalische Archäologie und Philologie. In den letzten zwei Jahren seines Studiums wurde er mit einem Wilhelm-Pieck-Stipendium gefördert. 1980 promovierte er mit einer Dissertation zum Thema Untersuchungen zur Organisation des Handwerks in Mesopotamien zur Zeit der III. Dynastie von Ur (Prädikat „summa cum laude“, ausgezeichnet mit der „Sonderprämie des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften der DDR für hervorragende Leistungen junger Wissenschaftler der AdW“).

Hans Neumann begann seine berufliche Tätigkeit am Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR, wo er 1975-1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsgruppenleiter am Bereich Alter Orient war. Er nahm an archäologischen Untersuchungen im Haditha-Gebiet (Irak) und an einer Grabungssondierung im Gebiet von Hassake (Syrien) teil. Von 1987 bis 1990 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Rates für Archäologie und Alte Geschichte bei der Akademie der Wissenschaften der DDR.

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10. Mai 2026

Die Leibniz-Sozietät trauert um ihr Mitglied, den Lateinamerikanisten und Romanisten Hans-Otto Dill, der am 27. April 2026 verstorben ist.

Gerda Hassler Mitteilungen Dill.H-O, Ette.O, Nekrologe

Prof.Dr. Hans-Otto Dill, MLS (1935-2026) Foto: Dietmar Linke (MLS) 
Am 27. April 2026 ist der am 4.7.1935 in Berlin geborene und in Anklam aufgewachsene Hans-Otto Dill im Alter von 90 Jahren verstorben. Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, in die er 1995 gewählt wurde, ehrt ihn als langjährigen, von 2009 bis 2017 amtierenden Sekretar der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften, als Mitglied des Präsidiums unserer Sozietät sowie als international renommierten Wissenschaftler.

Es war nach Dills eigenem Bekunden seine Lehrerin Rita Schober, die schillernde Grande Dame der ostdeutschen Romanistik und Gründungsmitglied der Leibniz-Sozietät, die ihren wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin – folgen wir Dills eigener autobiographischen Skizze aus dem Jahre 2007 – auf das Themenfeld »Lateinamerika« ansetzte (vgl. Dill 2007). Unter Schobers Leitung verfasste der spätere „ostwestliche Philologe“ (Schober) seine Examensarbeit über die Wallenstein-Übersetzung von Benjamin Constant (zur Verteidigung dieser Arbeit vgl. Dessau/Schober 1970) wie seine 1969 abgeschlossene Dissertation A mit dem Titel Das Problem der Aktualität der Agitation und des Publikumbezuges im Werk Nicolás Guilléns (Dill 2007). Damit wurde Dill laut Schober zum eigentlichen Begründer der Lateinamerikanistik an der Berliner Humboldt-Universität. Ihm gelang 1975 der internationale Durchbruch mit seinem Band El ideario literario y estético de José Martí (Dill 1975a), erhielt der damals knapp Vierzigjährige doch als erster nichtspanischsprachiger Autor für diese Untersuchung den renommierten kubanischen Premio Casa de las Américas in der Kategorie »Ensayo«.

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8. Mai 2026

Intellektuelle Aufgaben in der fragmentierten Öffentlichkeit

Gerda Hassler Mitteilungen Krüger. hp, Plenum, Segert.D

Bericht über die Plenarveranstaltung mit Prof. Hans-Peter Krüger am 7. Mai 2026

von Dieter Segert

Nach der Vorstellung des Referenten durch die Präsidentin ergriff dieser das Wort zum Vortrag zum Thema „Intellektuelle Aufgaben in der fragmentierten Öffentlichkeit. Zum Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens (ÖRF)“. Er erläuterte zunächst anhand von Umfrageergebnissen der soziologischen Medienforschung, was er unter fragmentierter Öffentlichkeit versteht. Es handelt sich darum, dass die Sendungen ÖRF immer weniger Zuschauer finden und diese dabei durchschnittlich schon das Rentenalter erreicht haben. Bei den privaten Sendern ist der durchschnittliche Zuschauer zwar jünger, aber doch auch 50 bis 55 Jahre alt. Nur noch die gute Hälfte der Bevölkerung schauen überhaupt Fernsehen, ein Drittel sind es bei den Sendungen des ÖRF. Bei der Bevölkerung unter 40 Jahren sehen nur noch 20 Prozent fern. Die erfolgreichsten Sendungen, u.a. die Krimis der Reihe „Tatort“, werden nur durch maximal 5-7 % der Erwachsenen geschaut. WEITER

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8. Mai 2026

Roman unseres Mitglieds Ottmar Ette

Gerda Hassler Mitteilungen Erpenbeck.J, Ette.O

Wunder Bunker

Zwischen Wunderwaffe und Wirtschaftswunder erzählt der Roman »Wunder Bunker« vom Bau des größten Bunkers Deutschlands mit seinen Konzentrations- und Arbeitslagern als Chiffre deutscher und europäischer Geschichte im Übergang von den vierziger zu den fünfziger Jahren. Als historischer Roman deckt er die Kontinuitäten in dieser Geschichte auf, als literarische Parabel und Tierfabel entfaltet er aus der Perspektive einer Silbermöwe humorvoll die Abgründe menschlichen Daseins, als biographische Skizze beleuchtet er unterschiedliche Figuren, von Lagerinsassen aus ganz Europa, von Architekten und Ingenieuren, von Wachmannschaften und scheinbar unbeteiligten Nachbarn als Psychogramm der Zeit, als Thriller entfaltet er die Spannungen zwischen brutaler Gewalt und ästhetischem Widerstand.

»Die Romanfiguren in Ottmar Ettes Roman […] brechen das Schweigen.«
Gerd Brendel, Deutschlandfunk Kultur

Kulturverlag Kadmos Berlin 2026

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8. Mai 2026

Roman unseres Mitglieds John Erpenbeck

Gerda Hassler Mitteilungen

Aufschwung

Edgar Rothenburg ist Philosophieprofessor, sein Spezialgebiet der Historische Materialismus. Nach der Wiedervereinigung werden die alten Eliten abgewickelt. »Den Untergang seines Staates sah er, ironisch genug, durch historisch materielle Befunde gesetzmäßig erklärt. Er ließ sich leider nicht vorher-, aber eindeutig nachhersagen.« Während bei den einen Goldgräberstimmung um sich greift, verfallen andere in Verzagtheit oder Ostalgie. Rothenburg bleibt gelassen. Doch dann zwingen ihn Unterhaltsforderungen seiner Ex-Frau zum Handeln. Unfreiwilllig wird er zum Unternehmer. Seine Geschäftsidee, ein Institut für Handlinienlesen, wird zum sensationellen Erfolg. Und nicht nur verunsicherte Ostler suchen Hilfe auf okkulten Wegen, bald stellen sich Kunden und auch Partner und Förderer aus dem Westen ein. Es geht aufwärts, immer nur aufwärts. Oder doch nicht? – John Erpenbecks Geschichte bleibt nicht bei Gewinnern oder Verlierern der Einheit stehen. Sie handelt von alten und neuen Werten und dem Verlangen nach Zukunftsgewissheit.

Eulenspiegel Verlagsgruppe, November 2025

29. April 2026

Bericht zum Kolloquium in Erinnerung an Wolfgang Küttler: „Wer und was bewegt Geschichte?“

Hans-Christoph Hobohm Ehrungen, Klassen, Sozial- und Geisteswissenschaften, Veranstaltungen Behrendt.LD, Busch.U, Haßler.G, Hofmann.J, Keßler.M, Kocka.J, Küttler.W, Segert.D, Thomas.M

Kolloquium in Erinnerung an Wolfgang Küttler. (von links nach rechts: Lutz-Dieter Behrend, Gerda Haßler, Jürgen Kocka) – Foto Jürgen Hofmann

Die Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften hatte am 24. April 2026 zu einem Kolloquium in Erinnerung an das Gründungsmitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V. in das alte Rathaus nach Berlin-Friedrichshagen eingeladen. Die Präsidentin Gerda Haßler eröffnete die Veranstaltung, begrüßte die Witwe und anwesende Vertreter der Familie sowie die Referenten und die zahlreich erschienen Teilnehmer. Sie hob noch einmal die Verdienste Wolfgang Küttlers um die Entwicklung der Leibniz-Sozietät hervor.

Den Reigen der Referenten eröffnete Lutz-Dieter Behrendt (Deggendorf), langjähriger Arbeitskollege und Freund Wolfgang Küttlers. Anhand verschiedener Episoden zeichnete er das Bild eines gebildeten, gewissenhaften, kenntnisreichen und zuverlässigen Kollegen mit Eigenheiten, aber auch mit Raum für Freundschaften und Privates. Beide waren Absolventen der Friedrich-Schiller-Universität Jena und setzen ihre wissenschaftliche Laufbahn an der Karl-Marx-Universität Leipzig fort. Die wissenschaftlichen und privaten Kontakte hatten Bestand, nachdem Wolfgang Küttler seine Arbeit an der Akademie der Wissenschaften in Berlin aufnahm.

Über seine Erinnerungen an Wolfgang Küttler im Rahmen des deutsch-deutschen Geschichtsdiskurses sprach Jürgen Kocka (BBAW). Er verwies darauf, dass dieser Diskurs, lange Zeit von politischen Gegebenheiten beeinflusst, stark eingeschränkt war. Wolfgang Küttler habe, anders als viele seine Kollegen, nach 1990 die Möglichkeit gehabt weiter in Institutionen und Projekten zu arbeiten. Er sei ein Beispiel, dass trotz unterschiedlicher Ausgangspositionen und Denkschulen ein konstruktiver Dialog möglich und bereichernd ist. Küttler habe seine Herkunft aus der marxistischen Denkschule nicht verleugnet, habe aber ehemalige Positionen durchaus infrage stellen können. WEITER

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15. April 2026

Jahrestagung der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.

Gerda Hassler Mitteilungen Jahrestagung

Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. lädt in Kooperation mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und der Berliner Medizinischen Gesellschaft am Dienstag, 19. Mai 2026, von 10.00 bis 16.00 Uhr im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin (Luisenstraße 58/59,10117 Berlin-Mitte) zu einer Fachtagung zum Thema

 Aus Gesundheitskrisen lernen und gemeinsam besser werden

ein. Die Tagung ist gleichzeitig die Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät.

Programm

10.00-10.15 Eröffnung und Begrüßung

Gerda Haßler, Präsidentin der Leibniz-Sozietät

10.15-10.45 Von der Zoonose zur Pandemie: Pandemisches Potenzial und Mechanismen am Beispiel von Influenzaviren

Martin Beer, Friedrich-Loeffler-Institut

10.45-11.15 Pandemien verstehen: Erkenntnisse aus der Zeit vor Corona

Klaus Stöhr, Mitglied der Leibniz-Sozietät

11.15-11.45 Telemedizinische intensivmedizinische Versorgung – Erfahrungen aus SAVE.Berlin@COVID-19

Claudia Spies, Charité

11.45-12.30 Podiumsdiskussion

Martin Beer, Klaus Stöhr, Claudia Spies, Detlev Krüger

12.30-13.30 Mittagspause

 13.30-14.00 Diskursvulnerabilität: Beeinträchtigungen der Meinungsfreiheit in
und nach der Pandemie

Frauke Rostalski, Universität zu Köln

14.00-14.30 Bruchstellen der Risikokommuni­kation in der Pandemiezeit

Peter Wiedemann, Monash University, Melbourne

14.30-15.00 Ausblick: Klimawandel und Vektorübertragene Infektionen

Jonas Schmidt-Chanasit, Mitglied der Leibniz-Sozietät

15.00-16.00 Podiumsdiskussion

Frauke Rostalski, Peter Wiedemann, Jonas Schmidt-Chanasit, Detlev Krüger

16.00 Verabschiedung

Gerda Haßler, Präsidentin der Leibniz-Sozietät

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14. April 2026

Bericht zum Plenums-Vortrag von Frau PD Dr. Franziska Tanneberger „Verbreitung und Zustand der Moore in Deutschland, Europa und weltweit“

Hans-Christoph Hobohm Plenum

Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin veranstaltete ihre öffentliche April-Plenarveranstaltung am 09.04.2024 zum Thema „Verbreitung und Zustand der Moore in Deutschland, Europa und weltweit“.

Referentin hierzu war Frau PD Dr. Franziska Tanneberger (Universität Greifswald), deren Fokus in der Forschung auf dem Gebiet Landschaftsökologie liegt. Die Veranstaltung fand im Ratssaal des Historischen Rathauses Berlin-Friedrichshagen statt.

Einleitend begrüßte Gerda Haßler, Präsidentin der Leibniz-Sozietät, die Teilnehmenden und stellte die Referentin vor. Franziska Tanneberger ist habilitierte Landschaftsökologin an der Universität Greifswald und Leiterin des Greifswald Moor Centrum (GMC). Ihr Forschungsschwerpunkt sind Niedermoore in Mittel- und Osteuropa sowie Sibirien, insbesondere Brutvögel, Torfbildung und Effekte der landwirtschaftlichen Nutzung. Sie ist Autorin zahlreicher Fachpublikationen, Herausgeberin von Standardwerken wie dem „Europäischen Moorbuch“ und Hauptautorin des Global Peatlands Assessment. Das Greifswald Moor Centrum ist Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis für alle moorbezogenen Fragen mit etwa 150 Moorfachleuten und einer Partnerschaft von Universität Greifswald, Michael Succow Stiftung, DUENE e.V. und Stiftung Moorbibliothek.

Frau PD Dr. Franziska Tanneberger beim Vortrag im Plenum der Leibniz-Sozietät (Foto: Gerhard Pfaff)

Der Vortrag von Franziska Tanneberger stellte die Verbreitung und den Zustand der Moore in Deutschland, Europa und in der Welt dar. Dabei wurden aktuelle Zahlen und Karten, insbesondere aus dem 2022 herausgegebenen Global Peatland Assessment, vorgestellt. Für Europa wurde dabei auf das 2017 gemeinsam von über 140 Moorkundler*innen aus allen Ländern Europas publizierte „European Mires Book“ zurückgegriffen. Trotz der weltweit größten anteiligen Verluste an Mooren ist Europa ein Kontinent mit bedeutender Moorvielfalt. Die zehn europäischen Haupt-Moorregionen repräsentieren die regionale Vielfalt und die biologische Vielfalt der Ökosysteme. Das Ausmaß der Degradation nimmt von Norden nach Süden deutlich zu. In mehr als der Hälfte der europäischen Moorregionen wird das Ziel von mindestens 17% der Fläche in Schutzgebieten nicht erreicht. Weltweit entweichen 4% der gesamten Treibhausgasemissionen aus entwässerten Mooren. In Deutschland sind es 7%, und in einigen moorrreichen Regionen mehr als 30%. Eine von Franziska Tanneberger während der Ausführungen vorgestellte aktuelle Hotspot-Karte der EU zeigte, wo die Emissionen am größten sind. Wesentliche Landnutzungsoptionen auf wiedervernässten Mooren sind Wildnis, Paludikultur (nasse Landwirtschaft) und Photovoltaik. Diese wurden mit ihren Effekten auf Klima und Biodiversität im zweiten Teil des Vortrags ebenfalls vorgestellt.

Das starke Interesse der Teilnehmenden an den Ausführungen von Franziska Tanneberger bestätigte sich durch die nachfolgende intensive Diskussion.

Gerhard Pfaff

(Beitragsfoto: Christian Schröder)

9. April 2026

Band 168 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät jetzt verfügbar

Hans-Christoph Hobohm Sitzungsberichte Adler.F, Brie.M, Busch.U, Candeias.M, Dellheim.J, Endreß.M, Gebauer.J, Haßler.G, Hobohm.H-Ch, Komlosy.A, Segert.D, Störl.K, Thomas.M, Wissen.M

Sitzungsberichte Bd 168/2026

Band 168/2026 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät ist jetzt verfügbar.

 

Thema:

Kapitalismus am Limit? –
Transformation im Stau:
Suche nach Auswegen!

Herausgegeben von Michael Thomas, Ulrich Buch und Hans-Christoph Hobohm 

Mit Beiträgen von Frank Adler, Michael Brie, Ulrich Busch, Mario Candeias, Judith Dellheim; Martin Endreß, Janas Gebauer, Gerda Haßler, Hans-Christoph Hobohm, Andrea Komlosy, Dieter Segert, Kerstin Störl; Michael Thomas; Markus Wissen

 

 

 

Inhalt:

Michael Thomas, Ulrich Busch, Hans-Christoph Hobohm: Einleitung zu diesem Band

Michael Thomas: Transformationsanspruch im Spiegel der Zeitanalyse: Ein thematischer Essay

Markus Wissen: Transformation: Vielfachkrise und sozial-ökologische Transformation

Mario Candeias: Hightech und Kollaps im Katastrophenkapitalismus

Andrea Komlosy: Das Konzept der säkularen Transformation neu betrachtet. Wie können wir die Zeitenwende erfassen? Theoretische Ansätze, Methoden und Implikationen

Hans-Christoph Hobohm: Künstliche Intelligenz als Apotheose des Kapitalismus

Michael Brie: Die Kommunistische Partei Chinas als transformatorischer Akteur im 21. Jahrhundert

Judith Dellheim: Die Ideologie von der „geopolitischen Sandwich-Position“. Eine Kritik

Dieter Segert: Russland – mehr als nur eine Regionalmacht

Martin Endreß: Transformationsperspektive „Resilienzen“

Frank Adler: Klimakrise in der „Diskurswende“ der 2020er Jahre: Düstere Aussichten – neuer „Realismus“?

Janas Gebauer: Utopisieren als transformative Praxis

Gerda Haßler: Transformation verstehen heißt, Sprache, Ökonomie und Sinn gemeinsam denken

 

APPENDIX

Kerstin Störl: Andrea Komlosy: Zeitenwende. Corona, Big Data und die kybernetische Zukunft. Ein Kommentar

Ulrich Busch: Julian-Nida Rümelin. Der Epochenbruch. Eine Rezension

Hans-Christoph Hobohm: Ist das Kapital tot? Ist das schlimm? Kommentar zu McKenzie Wark

1. April 2026

Band 167 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät jetzt verfügbar

Nina Hager Sitzungsberichte Haßler.G, Klenner.H, Klinkmann.H, Rößler.Ch, Schöneburg.V, Segert.D

Publikationen – Sitzungsberichte

Band 167/2026 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät ist jetzt verfügbar.

 

Thema:

Hermann Klenner zum
100. Geburtstag

Ehrenkolloquium der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. am 29. Januar 2026

 

Herausgegeben von Dieter Segert

Mit Beiträgen von Gerda Haßler, Hermann Klenner, Horst Klinkmann, Christiane Rößler, Volkmar Schöneburg

 

 

Inhalt:

Gerda Haßler: Grußwort zum 100. Geburtstag von Hermann Klenner

Horst Klinkmann: Laudatio

Volkmar Schöneburg: Der Rechtsstaat – ein Mythos? Oder: Was lässt die Politik vom rechtsstaatlichen Strafrecht übrig? Hermann Klenner zum 100. Geburtstag

Christiane Rößler: Ansprache der Bildhauerin

Hermann Klenner: Schlusswort

31. März 2026

Bericht zum 5. Rohstoff-Kolloquium der Leibniz-Sozietät

Hans-Christoph Hobohm Energie, Mensch und Zivilisation, Geo-, Montan-, Umwelt-, Weltraum-, Astrowissenschaften, Sitzungsberichte, Veranstaltungen

„Rohstoffe und Energiebereitstellung: Innovative Ansätze und Strategien für eine gesicherte und zukunftsfähige Energieversorgung“

Die Referentinnen und Referenten der Tagung (v.l.n.r.): Reinhard O. Greiling, Ernst-Peter Jeremias, Axel Müller, Gerhard Pfaff, Christoph Hilgers, Sebastian Hasenstab-Riedel, Christina Labusch, Axel Wenke, Melike Yildirim Ayyildiz, Sebastian Tappe, Carlo Burkhardt
(Foto: Wolfgang Methling)

Am 18. März 2026 veranstaltete die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin ihr 5. Rohstoffkolloquium. Thema in diesem Jahr war „Rohstoffe und Energiebereitstellung: Innovative Ansätze und Strategien für eine gesicherte und zukunftsfähige Energieversorgung“. Das Kolloquium stellte die Fortsetzung der in den Jahren 2022 bis 2025 durchgeführten Veranstaltungen „Kritische Rohstoffe, Gewinnung bis Entsorgung: Die Geowissenschaften als Problemlöser“ (Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät Band 154/2022), „Kritische Rohstoffe: Auswirkungen wachsender geo- und klimapolitischer Herausforderungen auf die Rohstoffversorgung Deutschlands und Europas“ (Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät Band 159/2023), „Kritische Rohstoffe – große Bedeutung und geringes öffentliches Bewusstsein – was ist zu tun?“ (Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät Band 163/2024) und „Das neue europäische Gesetz zu kritischen Rohstoffen – The Critical Raw Materials Act: Herausforderungen und Maßnahmen“ (Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät 166/2025) dar. Das Kolloquium wurde gemeinsam von den beiden Arbeitskreisen der Leibniz-Sozietät „GeoMUWA“ (Geo-, Montan-, Umwelt-, Astrowissenschaften) sowie „Energie, Mensch und Zivilisation“ durchgeführt. WEITER

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