Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.
begründet 1700 als Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften
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G Haßler
14. Juni 2026

Ehrenkolloquium für Ulrich Busch und Dorothee Röseberg anlässlich beider 75. Geburtstag

Hans-Christoph Hobohm Ehrungen, Sozial- und Geisteswissenschaften Busch.U, Haßler.G, Knopper.F, Röseberg.D, Thomas.M, Vatter.C

Zum Auftakt würdigte die Präsidentin, Gerda Haßler, das langjährige Engagement der beiden Jubilare für die Leibniz Sozietät. Ulrich Busch sorgte als langjähriger Schatzmeister dafür, dass die Finanzen der Sozietät solide sind. Dorothee Röseberg förderte seit 2016 als Vizepräsidentin deren internationale Vernetzung und stärkte die Stellung der Kulturwissenschaften in ihr. Das Ehrenkolloquium fand im Alten Ratssaal des Historischen Ratshauses Friedrichshagen statt.

Die Struktur der Tagung, eine erweiterte Sitzung der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften, war folgende: Nach der einführenden Würdigung der Geehrten durch die Präsidentin sollten je eine Laudatio und ein wissenschaftlicher Vortrag für die Beiden stehen und zum Abschluss die Beiden noch selbst zu Wort kommen. Leider musste wegen eines Unfalls der wissenschaftliche Vortrag unseres langjährigen Mitglieds Christa Luft für Ulrich Busch ausfallen. Sie übermittelte den beiden Jubilaren telefonisch ihre herzlichen Glückwünsche.

Michael Thomas bei seiner Laudatio (Foto: D.Segert)

In der Laudatio für Ulrich Busch würdigte Michael Thomas dessen wissenschaftliche Tätigkeit in der DDR und nach 1990. Kollege Busch wurde nach Studium und Promotion auf dem Gebiet der Finanzökonomie zur Staatsbank der DDR delegiert und war dort einige Jahre einer ihrer Direktoren. Nach dem Ende dieser praktischen Tätigkeit kam er an die Humboldt-Universität zurück, habilitierte sich 1984, arbeitete als Dozent und wirkte in der Wendezeit als Direktor eines Instituts für Finanzökonomie an einer neuen Struktur der Wirtschaftswissenschaften mit. Danach erhielt er durch die vom Berliner Senator Ehrhard eingesetzte Struktur- und Berufungskommission eine auf fünf Jahre befristete Stelle. Trotz widriger Umstände setzte Ulrich Busch seine Lehr- und Forschungstätigkeit danach in vielfältigen Gastdozenturen, v.a. international, und als Mitglied der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (bekannt auch als Memo-Gruppe) sowie im Forschungsverbund Ostdeutschland fort. Im letztgenannten Projekt lernte der Laudator Kollegen Busch dann persönlich kennen. Seitdem arbeiten sie im Arbeitskreis Gesellschaftsanalyse der Leibniz-Sozietät zusammen. Michael Thomas würdigte die Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen des Geehrten, vor allem die zu wirtschaftswissenschaftlichen Themen wie die Analysen des Teilhabe- und Finanzmarktkapitalismus. Darüber hinaus publiziert er sachkundig zu einer Vielzahl weiterer Themen. Kollege Busch ist außerdem langjährig im Redaktionskollegium der 1990 gegründeten Zeitschrift „Berliner Debatte Initial“ und als Herausgeber von Schwerpunktheften und als Autor tätig. Auch in den Publikationen der Sozietät ist Ulrich Busch mehrfach mit wichtigen Beiträgen präsent, so etwa mit der 2020 publizierten Monografie „Geldkritik. Theorien – Motive – Irrtümer“.

Françoise Knopper bei Ihrer Laudatio für Dorothee Röseberg (Foto: D.Segert)

Das wissenschaftliche Werk Dorothee Rösebergs wurde von der emeritierten Professorin der Universität Toulouse, Françoise Knopper, gewürdigt, welche auf Germanistik, Kulturwissenschaften, Reiseliteratur und Aufklärung spezialisiert ist. Sie verwies auf die erfolgreiche Tätigkeit von Kollegin Röseberg als Mittlerin zwischen den Kulturen Deutschlands und Frankreichs, die von Frankreich durch die Verleihung des Ordens „Palmes Académiques“ in der Offiziersklasse gewürdigt wurde. Die Laudatorin arbeitet mit der Geehrten in der deutsch-französischen Zeitschrift „Symposium Culture@Kultur“ zusammen. Françoise Kopper würdigte die wissenschaftliche Arbeit von Kollegin Röseberg, welche nach Studium, Promotion und Habilitation auf dem Gebiet der Romanistik als Professorin an den Universitäten Chemnitz und dann Halle-Wittenberg arbeitete. Sie strukturierte ihren Vortrag nach drei Schwerpunkten der wissenschaftlichen Arbeit von Dorothee Röseberg: Interkulturalität, eingeschlossen die Förderung interdisziplinärer Kooperation, ihren Einsatz für die Anerkennung der akademischen Disziplin Kulturwissenschaft in beiden Ländern sowie die Kooperation mit französischen Wissenschaftlern in der Analyse der Geschichte der DDR und deren kultureller Beziehungen mit Frankreich. Als Verdienst auf dem drittgenannten Gebiet hob die Laudatorin u.a. die Studien zu den Wirkungen der aus dem Exil in Frankreich nach 1945 in die DDR Zurückgekehrten. Die Spuren dieser Beziehung wurden auch im Film „Amour fou im Kalten Krieg“ gewürdigt, der 2025 bei Arte gezeigt wurde. Röseberg, so die Laudatorin, ist in deutsch-französischen Netzwerken sehr aktiv, so in binationalen Studiengängen oder als Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutsch-Französischen-Hochschule.

Christoph Vatter bei seinem Vortrag (Foto: D.Segert)

In seinem wissenschaftlichen Vortrag behandelte Christoph Vatter (Universität Jena) das Thema „Das ‚franco-allemand‘ revisited“, wobei er die Beiträge von Dorothee Röseberg dazu würdigte. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, werden nicht nur durch Institutionen wie zwischenstaatliche Verträge, sondern auch durch soziale Imaginationen, sowie Narrative, gestaltet. Als Beispiele nannte er die aus Sportereignissen in den nationalen Medien produzierten Narrative über den jeweils Anderen. Sein Vortrag war in die folgenden Abschnitte gegliedert: Zum Begriff des „franco-allemand“, soziales Imaginieren in ihm, über den Platz von Imagination in der interkulturellen Wirtschaftskommunikation sowie Herausforderungen und Perspektiven. Der wissenschaftliche Begriff der Imagination, der von Cornelius Castoriadis etabliert wurde, verweist auf den kulturellen Hintergrund des Funktionierens wie der Probleme von gesellschaftlichen Institutionen. Dabei unterstrich der Redner, das im – die deutsch-französischen Beziehungen prägenden – „Versöhnungsnarrativ“ durchaus vorhandene reale Konflikte in den Beziehungen beider Gesellschaften ausgeblendet werden. Zum Schluss kam er auf Krisen des „franco-allemand“, in den französisch-deutschen Beziehungen, zu sprechen, so auf die sinkende Attraktivität des Lernens der jeweils anderen Sprache bei Jugendlichen beider Staaten, die Wiederbelebung des Nationalismus in den an Gewicht gewinnenden rechtspopulistischen Parteien sowie die Herausforderungen durch die neue geopolitische Lage, deren Herausforderungen keineswegs schon bewältigt werden. Kulturelle Übersetzungstätigkeit bleibe eine wichtige Aufgabe.

Ulrich Busch antwortet auf die Laudatio (Foto: D. Segert)

In der abschließenden Runde des Ehrenkolloquiums kamen nun die Geehrten selbst zu Wort, alphabetisch gereiht, zuerst also Ulrich Busch. Er betonte in seinen Ausführungen die gemeinsamen Wurzeln der Begriffe „Ökonomie/Wirtschaft“ und „Kultur“ in der Wirtschaftspraxis früher Gesellschaften. Schließlich habe sich im Kapitalismus die Dominanz der Wirtschaft über die Kultur herausgebildet, was sich auch in Begrifflichkeiten wie „Kunstmarkt“ zeige. In der kulturellen Sphäre könne nur verbraucht werden, was vorher wirtschaftlich erarbeitet worden sei. Der Einfluss der Kultur auf die Wirtschaft lasse sich zwar nicht leugnen, aber sie sei dem Markt unterworfen, Kunst und Künstler müssten sich an einem Markt, dem Kunstmarkt, behaupten.

Dorothee Röseberg antwortete nicht direkt auf diese Ausführungen, sondern formulierte in ihrem Vortrag Thesen über die Besonderheit der Kulturwissenschaft, womit sie gleichzeitig deren Stärken und ihren Beitrag zur Entwicklung von Gesellschaften hervorhob. Kulturwissenschaft sei „Grenzgängerwissenschaft“, kulturelles Übersetzen leiste einen wichtigen Beitrag zum Überschreiten von Grenzen zwischen Kulturen, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Wissensräumen und Disziplinen. Sie erlaube Passagen, wobei die Begegnungen stattfinden ohne die Differenz und das Fremde zu ignorieren.

Dorothee Röseberg antwortet auf die Laudatio (Foto: D. Segert)

Schließlich erläuterte die Referentin kulturwissenschaftliche Konzepte zum Umgang mit Differenz und Fremdheit, als Verstehen und Übersetzung, wobei das alles in einem sozialen Prozess stattfinde, in dem durch Interessen und Machtungleichgewichte ein Ringen um Deutungshoheit vor sich gehe. Letztlich könne so ein „Dritter Raum“ entstehen, in dem Neues aus der Kommunikation über die Differenz erwächst.

Die Präsidentin ergriff zum Schluss noch das Wort und betonte die Bedeutung einer gleichrangigen Kommunikation zwischen den beiden Disziplinen, der Wirtschaftswissenschaft und der Kulturwissenschaft, in der Leibniz Sozietät.

Der Nachmittag klang bei einem Empfang im Ratssaal aus, in dem die Anwesenden, es waren fast 40 Personen, sich bei Wein und Brötchen miteinander und mit den Geehrten über ihre Eindrücke und Reflexionen austauschen konnten.

Dieter Segert

 

Müller-Beitragsbild
14. Juni 2026

Bericht zum Vortrag von Prof. Dr. Claudia Müller „Digitale Transformation in alternden Gesellschaften – Praxisorientierung und Partizipation als Gestaltungsprinzipien“

Hans-Christoph Hobohm Plenum Müller.C

Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin veranstaltete ihre öffentliche Juni-Plenarveranstaltung am 11.06.2026 zum Thema „Digitale Transformation in alternden Gesellschaften – Praxisorientierung und Partizipation als Gestaltungsprinzipien“.

Prof. Dr. Claudia Müller, MLS, bei ihrem Vortrag im Plenum
(Foto: Gerhard Pfaff)

Referentin hierzu war Prof. Dr. Claudia Müller (Universität Siegen, MLS), deren Fokus in der Forschung auf den Gebieten Wirtschaftsinformatik und IT für die alternde Gesellschaft liegt. Die Veranstaltung fand im Ratssaal des Historischen Rathauses Berlin-Friedrichshagen statt.

Einleitend begrüßte Gerda Haßler, Präsidentin der Leibniz-Sozietät, die Teilnehmenden und stellte die Referentin vor. Claudia Müller ist Professorin an der Universität Siegen und leitet den Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt Informationstechnologie (IT) für die alternde Gesellschaft. Ihre sozio-informatische Forschung umfasst den Schwerpunkt der praxistheoretisch fundierten Technikentwicklung sowie Methoden- und Theoriebildung innerhalb der angewandten Informatik, der sich auf ihre Erfahrung in der Leitung von F&E-Projekten in mehreren Schwerpunktbereichen stützt, u.a. Demenzpflege, quartiersbasierte und ländliche Gesundheitsversorgung, Caring Communities, barrierefreie Arbeitsplätze, robotische Systeme in der Pflege, Künstliche Intelligenz in der Medizin und Digitalkompetenz. Claudia Müller war und ist beratend tätig als stellvertretende Vorsitzende der Sachverständigenkommission der Bundesregierung zum Achten Altersbericht „Ältere Menschen und Digitalisierung“, Sprecherin des Fachbereichs Human-Computer Interaction (HCI) bei der Gesellschaft für Informatik (GI) und Sprecherin des Fachausschusses „Bildung und Digitalisierung im Alter“ beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Seit 2025 ist Claudia Müller Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.

Der Vortrag von Claudia Müller beleuchtete aktuelle Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Aufbauend auf Forschungsarbeiten wurde gezeigt, wie digitale Technologien im Kontext von Gesundheit, Pflege und sozialer Teilhabe nicht nur technisch entwickelt, sondern gemeinsam mit den betroffenen Menschen gestaltet werden können.

Im Zentrum der Ausführungen standen praxisorientierte und partizipative Forschungsansätze der Sozio-Informatik, die ältere Menschen, Pflegekräfte, Angehörige und weitere gesellschaftliche Akteur:innen aktiv in Konzeptions-, Entwicklungs- und Aneignungsprozesse einbeziehen. Anhand ausgewählter Forschungsprojekte aus den Bereichen der Robotik für die Pflege, digitalen Lernräumen und gemeinschaftsbasierten Versorgungsmodellen wurde verdeutlicht, dass nachhaltige digitale Innovationen nur dann gelingen, wenn sie an den Lebenswelten, Bedürfnissen und sozialen Praktiken der Nutzenden orientiert sind.

Der Vortrag diskutierte darüber hinaus die Bedeutung von Co-Creation, interdisziplinären Lernräumen für die Forschenden und sozialen Innovationsprozessen für die Gestaltung einer inklusiven digitalen Gesellschaft. Praxisorientierung und Partizipation, so zeigten die Ausführungen der Referentin, werden dabei nicht als ergänzende Elemente verstanden, sondern als zentrale Gestaltungsprinzipien einer menschenzentrierten digitalen Transformation in alternden Gesellschaften.

Das starke Interesse der Teilnehmenden an den Ausführungen von Claudia Müller bestätigte sich durch die nachfolgende intensive Diskussion.

Gerhard Pfaff

AWI
12. Juni 2026

Bericht zum Neumayer-Kolloquium

Hans-Christoph Hobohm Konferenzen, Veranstaltungen Dethloff.K, Spänkuch.D

Am 1. Juni 2026 fand das vom Alfred-Wegener-Institut (AWI), Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und der Leibniz-Sozietät gemeinsam organisierte wissenschaftliche Kolloquium zum 200. Geburtstag von Georg von Neumayer (1826-1909) im Wissenschaftspark auf dem Potsdamer Telegraphenberg statt. Die Präsidentin der Leibniz-Sozietät Frau Prof. G. Haßler eröffnete die eintägige Veranstaltung mit einem Grußwort.

Die Vorträge von Frau Prof. C. Lüdecke und MLS Dr. D. Spänkuch reflektierten Neumayers Lebensweg und seine wissenschaftlichen Leistungen, zu denen auch die Vorbereitung des 1. Internationalen Polarjahres 1882-83 zählte. Frau Prof. Lüdeckes Vortrag beschäftigte sich mit Neumayer als Visionär, der nach seinem Ingenieurexamen 1849/50 ein Praktikum bei J. von Lamont auf der Sternwarte in Bogenhausen bei München absolvierte. Obwohl er dort nur wenige Monate verbrachte, prägte Lamonts Einfluss sein weiteres Leben als Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisator. Nach Lamonts Vorbild gründete er in Melbourne ein Observatorium für meteorologische und magnetische Messungen sowie für die Zeitbestimmung. Wieder nach Deutschland zurückgekehrt setzte er die Beobachtung des Venusdurchgangs 1874 auf den Kerguelen und 1882 auf Südgeorgien durch und propagierte jahrzehntelang die Aussendung einer Südpolarexpedition. Herr Dr. Spänkuchs Vortrag fokussierte sich auf Neumayer als Macher und behandelte das letzte Lebensdrittel Georg Neumayers, beginnend mit seiner Ernennung zum Leiter der Deutschen Seewarte. Dank seines Organisationstalents und seiner internationalen Verbindungen entwickelte er diese zu einer führenden nautischen und meteorologischen Institution, die seit dem 16. Februar 1876 tägliche Wetterkarten veröffentlichte, Segelschiffe und Dampfer bei der Routenplanung beriet und weitere nautische und meteorologische Dienstleistungen bereitstellte. Schließlich konnte er die erste deutsche Südpolarexpedition (1901-1903) auf den Weg bringen.

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7. Juni 2026

Jubiläum „50 Jahre Georg-Forster-Station“

Hans-Christoph Hobohm Veranstaltungen Dethloff.K, Kautzleben.H, Schuh.H

Bericht von der Jubliäumsveranstaltung „50 Jahre Georg-Forster-Station“

„Durch Mühsal zu den Sternen“ (Seneca)

Am 3. Juni 2026 fand im Bildungsforum Potsdam die vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung organisierte feierliche Veranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der Georg-Forster-Station in der Antarktis statt. Dr. H. Gernandt und Dr. D. Fritzsche hatten im AWI-Auftrag die noch lebenden Überwinterer eingeladen und das Bundesministerium der Finanzen dieses goldene Jubiläum mit einer Sonderbriefmarke gewürdigt. Die Veranstaltung wurde von Prof. B. Diekmann, Leiter der AWI Forschungsstelle Potsdam eröffnet, der das Grußwort des erkrankten Verwaltungsdirektors Dr. K. Wurr vortrug.

Dr. H. Gernandt während seines Vortrages mit Ergebnissen der 1985 gestarteten Ozonmessungen an der Georg-Forster-Station. Foto K. Dethloff.

In seinem Festvortrag reflektierte Dr. H. Gernandt den Aufbau und die Leistungen der ersten ganzjährig betriebenen deutschen Forschungsstation in der Antarktis in der DDR-Zeit von 1976 bis 1990. Die Forschungsschwerpunkte lagen auf Messungen der Funkwellenabsorption in der Ionosphäre, Erdmagnetfeldmessungen und CO2 Messungen und waren durch die wissenschaftlichen Interessen und Weitsicht des Direktors des Zentralinstituts für Solar-Terrestrische Physik Prof. Dr. E. A. Lauter getrieben, der auch Gernandts Doktorvater war. Die 1985 unter Leitung von H. Gernandt an der Forster-Station begonnenen Messungen des vertikalen Ozonprofils mit Radiosonden führten zur international erstmaligen Identifizierung des Ozonabbaus in der antarktischen Stratosphäre zwischen 16 und 22 km.

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5. Juni 2026

Materialien der Klinkmann-Ehrung verfügbar

Hans-Christoph Hobohm Ehrungen, Publikationen, Sitzungsberichte Banse.G, Klinkmann.H, Methling.W, Pfaff.G

Die Leibniz-Sozietät hatte aus Anlass des 90. Geburtstages ihres Gründungsmitglieds Horst Klinkmann, letzter Präsident der Akademie der Wissenschaften (der DDR) und langjähriger Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung der Freunde der „Leibniz-Sozietät der Wissenschaften e.V.“, am 20. Juni 2025 ein Ehrenkolloquium unter dem Motto

„DER UNERMÜDLICHE: Arzt, Mediziner, Wissenschaftler, Gelehrter, Visionär, Präsident, Kurator, Initiator, Kultivierender, Menschenfreund, Hoffnungsträger, Netzwerker, Moderator, Weltbürger“

durchgeführt (s. Bericht auf der Website hier).

Die Beiträge dieses Kolloquiums liegen nun als Sonderband D04 der „Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät“ vor (Inhaltsverzeichnis).

Der Band kann direkt beim trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist bestellt werden (info@trafoberlin.de). Online wird der Band nach dem Leibniz-Tag 2026 verfügbar sein.

Der dem Jubilar im Rahmen des Kolloquiums übergebene Sonderband D03 der „Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät“ mit dem Titel „Der Unermüdliche. Horst Klinkmann zum 90. Geburtstag“, der Texte vom und zum Jubilar in Publikationen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften enthält (Inhaltsverzeichnis), ist nun hier auch online abrufbar.

Gerhard Banse, Wolfgang Methling, Gerhard Pfaff

28. Mai 2026

Bericht zur Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät am 19. Mai 2026

Hans-Christoph Hobohm Jahrestagungen

Am 19. Mai 2026 fand die Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin statt. Die Tagung fand in Zusammenarbeit mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und der Berliner Medizinischen Gesellschaft statt und stand unter dem Titel:

Aus Gesundheitskrisen lernen und gemeinsam besser werden

Vortragsort war das geschichtsträchtige Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin-Mitte in direkter Nachbarschaft zur Charité und zur Humboldt-Universität. Wie der Verlauf der Tagung zeigte, hätte sich für die Vorträge und die Diskussionen kaum ein geeigneterer Ort finden können.

Gerda Haßler begrüßt die Teilnehmer der Jahrestagung 2026
Gerda Haßler begrüßt die Teilnehmer der Jahrestagung 2026 (Foto: Gerhard Pfaff)

Zu Beginn der Jahrestagung begrüßte die Präsidentin der Leibniz-Sozietät Gerda Haßler etwa 50 Mitglieder und Freunde der Sozietät. In ihren Ausführungen verwies sie zunächst darauf, dass die Covid-19-Pandemie die Welt nicht nur in ihrer unmittelbaren Auswirkung erschütterte, sondern auch grundlegende Fragen zur globalen Gesundheitsvorsorge aufgeworfen hat. Insbesondere die Bedeutung der Grundlagenforschung in den Bereichen Impfstoffe, Diagnostik und Überwa­chung ist in den Fokus gerückt. Des Weiteren hat die Pandemie die Interdependenz zwischen mensch­licher Gesundheit, Tiergesundheit und Umwelt unter dem One-Health-Concept verdeutlicht, was insbesondere vor dem Hintergrund des fortschrei­tenden Klimawandels an Relevanz gewinnt. Gerda Haßler stellte fest, dass die Pandemie komplexe ethische und rechtliche Fragen berührt hat, etwa zu Grundrechtseingriffen, Risikobewertungen und staatlicher Verantwortung. Ebenso zeigte die Pandemie, wie entscheidend eine realistische Risikowahrnehmung und eine vertrau­enswürdige Wissenschaftskommunikation für das gesellschaftliche Krisenmanagement sind. Am Ende ihrer Ausführungen wünschte sie der Tagung einen guten und erfolgreichen Verlauf. WEITER

14. Mai 2026

Wahl des Sekretars der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften

Gerda Hassler Aus der Sozietaet, Mitteilungen, Personalia, Wahlen Neumann.H

Prof. Dr. Hans Neumann (MLS) (Foto: Universität Münster, Peter Grewer)

Am 7. Mai wurde Hans Neumann zum Sekretar der Klasse Sozial und Geisteswissenschaften gewählt.

Prof. Dr. Hans Neumann ist emeritierter Professor für Altorientalische Philologie der Universität Münster. Er ist am 9. Mai 1953 in Erfurt geboren, legte das Abitur 1971 im altsprachlichen Zweig an der II. Erweiterten Oberschule Berlin-Mitte (vormals Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster) ab und studierte von 1971-1975 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg orientalische Archäologie und Philologie. In den letzten zwei Jahren seines Studiums wurde er mit einem Wilhelm-Pieck-Stipendium gefördert. 1980 promovierte er mit einer Dissertation zum Thema Untersuchungen zur Organisation des Handwerks in Mesopotamien zur Zeit der III. Dynastie von Ur (Prädikat „summa cum laude“, ausgezeichnet mit der „Sonderprämie des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften der DDR für hervorragende Leistungen junger Wissenschaftler der AdW“).

Hans Neumann begann seine berufliche Tätigkeit am Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR, wo er 1975-1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsgruppenleiter am Bereich Alter Orient war. Er nahm an archäologischen Untersuchungen im Haditha-Gebiet (Irak) und an einer Grabungssondierung im Gebiet von Hassake (Syrien) teil. Von 1987 bis 1990 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Rates für Archäologie und Alte Geschichte bei der Akademie der Wissenschaften der DDR.

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10. Mai 2026

Die Leibniz-Sozietät trauert um ihr Mitglied, den Lateinamerikanisten und Romanisten Hans-Otto Dill, der am 27. April 2026 verstorben ist.

Gerda Hassler Mitteilungen Dill.H-O, Ette.O, Nekrologe

Prof.Dr. Hans-Otto Dill, MLS (1935-2026) Foto: Dietmar Linke (MLS) 
Am 27. April 2026 ist der am 4.7.1935 in Berlin geborene und in Anklam aufgewachsene Hans-Otto Dill im Alter von 90 Jahren verstorben. Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, in die er 1995 gewählt wurde, ehrt ihn als langjährigen, von 2009 bis 2017 amtierenden Sekretar der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften, als Mitglied des Präsidiums unserer Sozietät sowie als international renommierten Wissenschaftler.

Es war nach Dills eigenem Bekunden seine Lehrerin Rita Schober, die schillernde Grande Dame der ostdeutschen Romanistik und Gründungsmitglied der Leibniz-Sozietät, die ihren wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin – folgen wir Dills eigener autobiographischen Skizze aus dem Jahre 2007 – auf das Themenfeld »Lateinamerika« ansetzte (vgl. Dill 2007). Unter Schobers Leitung verfasste der spätere „ostwestliche Philologe“ (Schober) seine Examensarbeit über die Wallenstein-Übersetzung von Benjamin Constant (zur Verteidigung dieser Arbeit vgl. Dessau/Schober 1970) wie seine 1969 abgeschlossene Dissertation A mit dem Titel Das Problem der Aktualität der Agitation und des Publikumbezuges im Werk Nicolás Guilléns (Dill 2007). Damit wurde Dill laut Schober zum eigentlichen Begründer der Lateinamerikanistik an der Berliner Humboldt-Universität. Ihm gelang 1975 der internationale Durchbruch mit seinem Band El ideario literario y estético de José Martí (Dill 1975a), erhielt der damals knapp Vierzigjährige doch als erster nichtspanischsprachiger Autor für diese Untersuchung den renommierten kubanischen Premio Casa de las Américas in der Kategorie »Ensayo«.

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8. Mai 2026

Intellektuelle Aufgaben in der fragmentierten Öffentlichkeit

Gerda Hassler Mitteilungen Krüger. hp, Plenum, Segert.D

Bericht über die Plenarveranstaltung mit Prof. Hans-Peter Krüger am 7. Mai 2026

von Dieter Segert

Nach der Vorstellung des Referenten durch die Präsidentin ergriff dieser das Wort zum Vortrag zum Thema „Intellektuelle Aufgaben in der fragmentierten Öffentlichkeit. Zum Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens (ÖRF)“. Er erläuterte zunächst anhand von Umfrageergebnissen der soziologischen Medienforschung, was er unter fragmentierter Öffentlichkeit versteht. Es handelt sich darum, dass die Sendungen ÖRF immer weniger Zuschauer finden und diese dabei durchschnittlich schon das Rentenalter erreicht haben. Bei den privaten Sendern ist der durchschnittliche Zuschauer zwar jünger, aber doch auch 50 bis 55 Jahre alt. Nur noch die gute Hälfte der Bevölkerung schauen überhaupt Fernsehen, ein Drittel sind es bei den Sendungen des ÖRF. Bei der Bevölkerung unter 40 Jahren sehen nur noch 20 Prozent fern. Die erfolgreichsten Sendungen, u.a. die Krimis der Reihe „Tatort“, werden nur durch maximal 5-7 % der Erwachsenen geschaut. WEITER

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8. Mai 2026

Roman unseres Mitglieds Ottmar Ette

Gerda Hassler Mitteilungen Erpenbeck.J, Ette.O

Wunder Bunker

Zwischen Wunderwaffe und Wirtschaftswunder erzählt der Roman »Wunder Bunker« vom Bau des größten Bunkers Deutschlands mit seinen Konzentrations- und Arbeitslagern als Chiffre deutscher und europäischer Geschichte im Übergang von den vierziger zu den fünfziger Jahren. Als historischer Roman deckt er die Kontinuitäten in dieser Geschichte auf, als literarische Parabel und Tierfabel entfaltet er aus der Perspektive einer Silbermöwe humorvoll die Abgründe menschlichen Daseins, als biographische Skizze beleuchtet er unterschiedliche Figuren, von Lagerinsassen aus ganz Europa, von Architekten und Ingenieuren, von Wachmannschaften und scheinbar unbeteiligten Nachbarn als Psychogramm der Zeit, als Thriller entfaltet er die Spannungen zwischen brutaler Gewalt und ästhetischem Widerstand.

»Die Romanfiguren in Ottmar Ettes Roman […] brechen das Schweigen.«
Gerd Brendel, Deutschlandfunk Kultur

Kulturverlag Kadmos Berlin 2026

aufschwung-taschenbuch-john-erpenbeck
8. Mai 2026

Roman unseres Mitglieds John Erpenbeck

Gerda Hassler Mitteilungen

Aufschwung

Edgar Rothenburg ist Philosophieprofessor, sein Spezialgebiet der Historische Materialismus. Nach der Wiedervereinigung werden die alten Eliten abgewickelt. »Den Untergang seines Staates sah er, ironisch genug, durch historisch materielle Befunde gesetzmäßig erklärt. Er ließ sich leider nicht vorher-, aber eindeutig nachhersagen.« Während bei den einen Goldgräberstimmung um sich greift, verfallen andere in Verzagtheit oder Ostalgie. Rothenburg bleibt gelassen. Doch dann zwingen ihn Unterhaltsforderungen seiner Ex-Frau zum Handeln. Unfreiwilllig wird er zum Unternehmer. Seine Geschäftsidee, ein Institut für Handlinienlesen, wird zum sensationellen Erfolg. Und nicht nur verunsicherte Ostler suchen Hilfe auf okkulten Wegen, bald stellen sich Kunden und auch Partner und Förderer aus dem Westen ein. Es geht aufwärts, immer nur aufwärts. Oder doch nicht? – John Erpenbecks Geschichte bleibt nicht bei Gewinnern oder Verlierern der Einheit stehen. Sie handelt von alten und neuen Werten und dem Verlangen nach Zukunftsgewissheit.

Eulenspiegel Verlagsgruppe, November 2025

29. April 2026

Bericht zum Kolloquium in Erinnerung an Wolfgang Küttler: „Wer und was bewegt Geschichte?“

Hans-Christoph Hobohm Ehrungen, Klassen, Sozial- und Geisteswissenschaften, Veranstaltungen Behrendt.LD, Busch.U, Haßler.G, Hofmann.J, Keßler.M, Kocka.J, Küttler.W, Segert.D, Thomas.M

Kolloquium in Erinnerung an Wolfgang Küttler. (von links nach rechts: Lutz-Dieter Behrend, Gerda Haßler, Jürgen Kocka) – Foto Jürgen Hofmann

Die Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften hatte am 24. April 2026 zu einem Kolloquium in Erinnerung an das Gründungsmitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V. in das alte Rathaus nach Berlin-Friedrichshagen eingeladen. Die Präsidentin Gerda Haßler eröffnete die Veranstaltung, begrüßte die Witwe und anwesende Vertreter der Familie sowie die Referenten und die zahlreich erschienen Teilnehmer. Sie hob noch einmal die Verdienste Wolfgang Küttlers um die Entwicklung der Leibniz-Sozietät hervor.

Den Reigen der Referenten eröffnete Lutz-Dieter Behrendt (Deggendorf), langjähriger Arbeitskollege und Freund Wolfgang Küttlers. Anhand verschiedener Episoden zeichnete er das Bild eines gebildeten, gewissenhaften, kenntnisreichen und zuverlässigen Kollegen mit Eigenheiten, aber auch mit Raum für Freundschaften und Privates. Beide waren Absolventen der Friedrich-Schiller-Universität Jena und setzen ihre wissenschaftliche Laufbahn an der Karl-Marx-Universität Leipzig fort. Die wissenschaftlichen und privaten Kontakte hatten Bestand, nachdem Wolfgang Küttler seine Arbeit an der Akademie der Wissenschaften in Berlin aufnahm.

Über seine Erinnerungen an Wolfgang Küttler im Rahmen des deutsch-deutschen Geschichtsdiskurses sprach Jürgen Kocka (BBAW). Er verwies darauf, dass dieser Diskurs, lange Zeit von politischen Gegebenheiten beeinflusst, stark eingeschränkt war. Wolfgang Küttler habe, anders als viele seine Kollegen, nach 1990 die Möglichkeit gehabt weiter in Institutionen und Projekten zu arbeiten. Er sei ein Beispiel, dass trotz unterschiedlicher Ausgangspositionen und Denkschulen ein konstruktiver Dialog möglich und bereichernd ist. Küttler habe seine Herkunft aus der marxistischen Denkschule nicht verleugnet, habe aber ehemalige Positionen durchaus infrage stellen können. WEITER

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