Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.
begründet 1700 als Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften
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12. Oktober 2026

Gründung des ersten Akademie-Industrie-Komplexes der DDR im Jahr 1976: „Arzneimittelforschung“. Prof. Dr. Erhard Göres, einer der Mitbegründer, verstarb am 27.9.2026

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Mitteilungen, Nekrologe Göres.E, Oehme.P, Scheler.W

Hauptlaborgebäude des IWF in Berlin Friedrichsfelde (Bild bearb. von Reinhard Ferdinand – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69674156)

Die Gründung des ersten Akademie-Industrie-Komplexes (AIK) hat eine Vorgeschichte. 1972 zogen die Peptidpharmalogen und Peptidchemiker vom „überfüllten“ Bucher Medizincampus auf das bessere Entwicklungsmöglichkeiten bietende Akademiegelände in Berlin-Friedrichsfelde. Das wurde Basis für das Anfang 1976 gebildete Akademieinstitut für Wirkstoffforschung (IWF) unter dem Direktorat von Prof. Dr. Peter Oehme. Gleichfalls ab 1972 wurden auf dem Akademiegelände Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der pharmazeutischen Industrie “angesiedelt“. Mit der damit verbundenen Erweiterung wurde Anfang 1976 daraus das Institut für pharmakologische Forschung (IPhF) des Kombinates Germed gebildet. Gründungsdirektor wurde Prof. Dr. Erhard Göres, der wie Oehme, gleichfalls aus der pharmakologischen „Jung-Schule“ entstammte (Friedrich Jung 1915-1997). Zuvor war Göres als Professor für Klinische Pharmakologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. Im März des gleichen Jahres wurden dann im IWF-Speisesaal die Gründungsdokumente für den ersten AIK der DDR unterzeichnet. Unterzeichner waren der Generaldirektor des Kombinates Germed, Werner Hohtanz sowie der damalige Direktor des Forschungszentrums für Molekularbiologie und Medizin und spätere Präsident der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW), Prof. Dr. Werner Scheler. WEITER

11. Oktober 2026

Neue Publikation unserer Mitglieder Wolfgang Hofkirchner, Hans-Jörg Kreowski, Gerhard Pfaff und Christian Stary

Hans-Christoph Hobohm Ehrungen, Mitglieder, Publikationen Fischbach.R, Fuchs-Kittowski.K, Fuchs.C, Hofkirchner.W, Kreowski.H-J, Niemann.H, Pfaff.G, Segert.D, Stary.Ch

Frank Fuchs-Kittowski / Wolfgang Hofkirchner / Hans-Jörg Kreowski / Gerhard Pfaff / Christian Stary (Hrsg.): Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden – Verantwortung für eine menschenwürdige Technik- und Gesellschaftsentwicklung. Berlin: trafo Wissenschaftsverlag, 2026. 286 S.; 28,80 EUR; ISBN 978-3-86464-292-0

In der Präambel der 1945 verabschiedeten UN Charta erklären die Unterzeichnerstaaten – inzwischen fast alle in der Welt – die Menschheit vor der Geißel des Krieges zu bewahren. Die Vereinten Nationen haben dieses Ziel bis heute nicht verwirklichen können. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es weit über 100 Kriege auf der Erde gegeben. Von den aktuell stattfindenden bewaffneten Konflikten mit teils hohen Opferzahlen sind der Krieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine und der Krieg Israels und der Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Iran besonders gefährlich, weil sie weltweit gravierende Auswirkungen haben und die Gefahr der Ausweitung in sich bergen. Beide Kriege zeigen zumal gegenüber früheren Kriegen einen gewaltigen Wandel in der bevorzugt eingesetzten Waffentechnologie. So werden von allen Kriegsparteien täglich Hunderte bewaffnete Drohnen abgefeuert – eine Waffe, die es ohne moderne Informationstechnik nicht gäbe. Auch spielen – weniger offensichtlich – digitalisierte Ausspähung, Überwachung und Kriegsplanung eine immer bedeutendere Rolle.

Der hier vorgelegte Band dokumentiert das Kolloquium „Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden – Verantwortung für eine menschenwürdige Technik- und Gesellschaftsentwicklung“, das am 14. März 2025 in Berlin stattfand und vom Arbeitskreis „Emergente Systeme, Information und Gesellschaft“ der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), von The Institute for a Global Sustainable Information Society (GSIS) und vom Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) anlässlich des 90. Geburtstages von Klaus Fuchs-Kittowski veranstaltet wurde. Die Beiträge diskutieren moderne Waffen- und Kriegstechnik sowie verschiedene Szenarien im Kontext von Krieg und Frieden, aber auch Auswege hin zum Frieden in der Welt, wie sie beispielsweise die Idee des Digitalen Humanismus weist.

Aus dem Inhaltsverzeichnis:

Frank Fuchs-Kittowski, Wolfgang Hofkirchner, Hans-Jörg Kreowski, Gerhard Pfaff, Christian Stary: Editorial

Hans-Jörg Kreowski: Die Digitalisierung des Kriegs

Rainer Rehak: Der Mythos der „gezielten Tötung” – Zur Verantwortung von KI-gestützten Zielsystemen am Beispiel „Lavender“

Wolfgang Hofkirchner: Imperative einer Friedenslogik für die Schicksalsgemeinschaft der Menschheit

Klaus Fuchs-Kittowski: Wider den Geist einer geistlosen Zeit, die Macht der Computer und die Zerstörung der Vernunft – Verantwortung für eine menschenwürdige Technik- und Gesellschaftsentwicklung

Christian Fuchs: Klaus Fuchs-Kittowskis Radikaler Digitaler Humanismus: Ein kritischer Ansatz im Forschungsbereich Informatik und Gesellschaft

Christian Stary: Das Wechselverhältnis von digitaler Transformation und Informations- und Wissensgenerierung

Dieter Segert: Protest gegen Aufrüstung und Krieg – Fragen zu seiner politischen Wirkung

Heinrich Niemann: Nach der Pandemie – Lehren und Fragen aus ärztlicher Sicht

Joachim Wernicke: NATO-Osterweiterung seit 1989: Äußerer Eingriff und Wirtschaftszerstörung – BRD gegen DDR sowie 2+4-Vertrag

Rainer Fischbach: Das Titanic-Syndrom:  Fehlsteuerung in Technik und Politik

Marianne Linke: Wie greifen Kriege in die Umwelt ein?

Gerhard Pfaff: Wanderer zwischen Naturwissenschaft, Informatik und Philosophie – Laudatio für Klaus Fuchs-Kittowski

Christiane Floyd: „Inmitten der Brandung“ – Laudatio für Klaus Fuchs-Kittowski

Klaus Fuchs-Kittowski: Replik des Gewürdigten: Philosophie – Bio-Kybernetik – Informatik

10. Oktober 2026

Arbeitskreis Vormärz- und 1848er Revolutionsforschung diskutiert über Sándor Petöfi und Ferdinand Lassalle

Hans-Christoph Hobohm Arbeitskreise, Vormärz und 48er Revolutionsforschung Hofmann.J, Melis.F

Die Mitglieder und ständigen Gäste des Arbeitskreises Vormärz- und 1848er Revolutionsforschung trafen sich am 28. September 2026 zu einer Arbeitsberatung. Zunächst stand der Austausch über den Stand der Arbeiten an den geplanten und angekündigten Aufsätzen auf der Tagesordnung. Neben fünf bereits eingereichten Entwürfen liegen für den geplanten Band weitere 13 Zusagen und Absichtserklärungen vor.

Sándor Petőfi (1822-1880, Gemälde von Soma Orlai Petrich, Ung. Nationalgalerie)

Diskutiert wurde der Aufsatz von François Melis über den ungarischen Revolutionär und Nationaldichter Sándor Petöfi (1823-1849). Petöfi gehörte neben dem Rechtsanwalt und Politiker Lajos Kossuth (1802-1894) zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im Revolutionsgeschehen in Ungarn. Mit seinen Gedichten trug er wesentlich zur Förderung des ungarischen Nationalbewusstseins und der revolutionären Aufbruchsstimmung bei. Obwohl er unter den Zeitgenossen in Europa damals weithin bekannt war, ist die Erinnerung an ihn in Westeuropa später verblasst. In Ungarn hat sich hingegen sein Ruf als Nationalheld erhalten. Der Beitrag wird helfen, den vorwiegend westeuropäischen Blick auf die Revolution von 1848/49 nach Osten zu erweitern.

Zur Diskussion stand außerdem ein Aufsatz über Ferdinand Lassalle und die Neue Rheinische Zeitung sowie dessen teilweise konfliktbehaftetes Verhältnis zu Karl Marx und Friedrich Engels. Auf der Basis zahlreicher Quellen konnten bisherige einseitige Urteile der historischen Überlieferung korrigiert bzw. präzisiert werden. Die Teilnehmer der Beratung schlugen dem Autor F. Melis vor, diese neuen Erkenntnisse für einen auf die Revolutionszeit konzentrierten Beitrag für den neuen Band aufzubereiten.

Die nächste Arbeitsberatung ist für den Dezember 2026 vorgesehen.

Jürgen Hofmann

9. Oktober 2026

Band 169 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät jetzt verfügbar

Nina Hager Sitzungsberichte Behrendt.LD, Busch.U, Haßler.G, Hofmann.J, Keßler.M, Kocka.J, Segert.D, Thomas.M

Band 169/2026 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät ist jetzt verfügbar.

Band 169/2026 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät ist jetzt verfügbar.

Thema:

Wer und was bewegt Geschichte?

Kolloquium in Erinnerung an Wolfgang Küttler am 24. April 2026

Herausgegeben von Jürgen Hofmann, Mario Keßler und Dieter Segert

Mit Beiträgen von Ulrich Busch, Lutz-Dieter Behrendt, Gerda Haßler, Jürgen Hofmann, Mario Keßler, Jürgen Kocka, Dieter Segert, Michael Thomas

Mit Beiträgen von Ulrich Busch, Lutz-Dieter Behrendt, Gerda Haßler, Jürgen Hofmann, Mario Keßler, Jürgen Kocka, Dieter Segert, Michael Thomas

Sitzungsberichte Bd 169/2026

Sitzungsberichte Bd 169/2026

Mit Beiträgen von Ulrich Busch, Lutz-Dieter Behrendt, Gerda Haßler, Jürgen Hofmann,

Inhalt

Jürgen Hofmann, Mario Keßler, Dieter Segert: Vorwort

Gerda Haßler: Grußwort zum Erinnerungskolloquium für Wolfgang Küttler

Lutz-Dieter Behrendt: Wolfgang Küttler zum 90.

Jürgen Kocka: Wolfgang Küttler und der deutsch-deutsche Geschichtsdiskurs. Persönliche Bemerkungen

Jürgen Hofmann: Wohin treibt die Geschichte? Formationstheoretische und methodologische Überlegungen bei Wolfgang Küttler

Mario Keßler: Was war die Sowjetunion und wohin trieb sie? Wolfgang Küttlers Formationsanalyse und Lenins Sowjetunion – im Wirbel historischer Ereignisse

Dieter Segert: Der Begriff des Revolutionszyklus, die historische Einordnung der russischen Revolution von 1917 und der Aufbruch in der DDR im Herbst 1989

Ulrich Busch: Die Entwürfe von Karl Marx für eine Antwort an Vera Sassulitsch aus dem Jahr 1881 und die aktuelle Diskussion über den Kommunismus

Michael Thomas: Wolfgang Küttler – Als dankbare Erinnerung an langjährige Zusammenarbeit und Aufnahme einer nicht mehr behandelten gemeinsamen Frage

5. Oktober 2026

Band 171 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät jetzt verfügbar

Nina Hager Sitzungsberichte Burkhardt.C, Greiling.R-O, Hasenstab-Riedel.S, Hilgers.Ch, Jeremias.E-P, Labusch.Ch, Mertzsch.N, Methling.W, Müller.A, Ölmez.J, Pfaff.G, Wenke.A, Yildrim Ayyildiz.M

Band 171/2026 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät ist jetzt verfügbar.

Band 171/2026 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät ist jetzt verfügbar.

Thema:

Rohstoffe und Energiebereitstellung:
Innovative Ansätze und Strategien für eine gesicherte und zukunftsfähige Energieversorgung

Kolloquium der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften am 18. März 2026

Herausgegeben von Reinhard O. Greiling, Christoph Hilgers, Axel Müller & Gerhard Pfaff

Mit Beiträgen von Carlo Burkhardt, Reinhard O. Greiling, Sebastian Hasenstab-Riedel, Christoph Hilgers, Ernst-Peter Jeremias, Christina Labusch, Norbert Mertzsch, Wolfgang Methling, Axel Müller, Jasemin A. Ölmez, Gerhard Pfaff, Axel A. O. Wenke, Melike Yildirim Ayyildiz

Sitzungsberichte Bd 171/2026

Sitzungsberichte

Inhalt

Reinhard O. Greiling, Christoph Hilgers, Axel Müller, Gerhard Pfaff: Vorwort

Wolfgang Methling: Rede zur Eröffnung 5. Rohstoffkolloquium der Leibniz-Sozietät

Christoph Hilgers, Melike Yildirim Ayyildiz, Jasemin A. Ölmez: Rohstoff- und Energiebereitstellung: Strategien im geopolitischen Kontext

Christina Labusch: Energetische Verwertung als Baustein einer nachhaltigen Abfallwirtschaft

Axel A. O. Wenke, Johannes Böcker, Christoph Boermann, Matthias Berling, Matthias Determann, Volker Köhler, Katja Krause, Jakub Kokinda, Silvio Lehmann, Thomas Mozer, Bianca D. Neumann, Folker Ruhe, Joachim Sluet, Dominik Soyk, Kerstin Todte, Maximilian Zindel: Altmark Lithium Extraktion – Neuentwicklung einer lithiumhaltigen Solelagerstätte im Altmark-Gasfeld, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Sebastian Hasenstab-Riedel: Reaktiv-ionische Flüssigkeiten für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen

Ernst-Peter Jeremias, Norbert Mertzsch, Gerhard Pfaff: Energie- und Mobilitätswende als Rohstoffwende: Warum eine reine 1:1-BEV-Elektrifizierung nicht ausreicht und Batterierecycling zur Systembedingung wird

Melike Yildirim Ayyildiz, Jasemin A. Ölmez, Christoph Hilgers: Rare Earths and European Supply Resilience: Lessons from Project Development Timelines and International Strategies

Carlo Burkhardt: Recycling von Seltene-Erden-Magneten des Nd-Fe-BTyps: Herausforderungen und Lösungen

Axel Müller: Vom Quarz zum Solarmodul: Momentane Herausforderungen und Zukunftsperspektiven dereuropäischen Silizium-Wertschöpfungskette

Axel Müller: Belebung der Uranwirtschaft

4. Oktober 2026

Band 170 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät jetzt verfügbar

Nina Hager Sitzungsberichte Busch.U, Haßler.G, Hobohm.H-Ch, Knopper.F, Luft.Ch., Röseberg.D, Thomas.M, Vatter.C

 

Band 170/2026 der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät ist jetzt verfügbar.

Thema:

Ökonomische Rationalitäten und kulturelle Ordnungen im Wandel gesellschaftlicher Prozesse

Beiträge aus dem Ehrenkolloquium für Dorothee Röseberg und Ulrich Busch vom 11. Juni 2026

Herausgegeben von Gerda Haßler und Hans-Christoph Hobohm

Mit Beiträgen von Ulrich Busch, Gerda Haßler, Françoise Knopper, Christa Luft, Dorothee Röseberg, Michael Thomas, Christoph Vatter

Mit Beiträgen von Ulrich Busch, Gerda Haßler, Françoise Knopper, Christa Luft, Dorothee Röseberg, Michael Thomas, Christoph Vatter
Sitzungsberichte Bd 170/2026

Sitzungsberichte Bd 170/2026

Inhalt

Gerda Haßler, Hans-Chrisoph Hobohm: Vorwort

Gerda Haßler: Grußwort zum Ehrenkolloquium für Ulrich Busch und Dorothee Röseberg

Christa Luft: Für Ulrich Busch zum 75. Geburtstag

Michael Thomas: Von Humboldt zu Leibniz – Selbstbewusst trotz Ausgrenzung: Eine Laudatio für Ulrich Busch anlässlich seines 75. Geburtstages

Françoise Knopper: Laudatio: Frankreich und Dorothee Röseberg

Christoph Vatter: Le Franco-Allemand révisité. Deutsch-französische Kulturbeziehungen und soziales Imaginieren zwischen Versöhnungsnarrativ und Zukunftsentwurf

Ulrich Busch: Zur Interdependenz von Ökonomie und Kultur

Dorothee Röseberg: Kulturwissenschaft und Interdisziplinarität. Von Alteritätserfahrungen zu neuen Denkräumen

Gerda Haßler: Kulturelles Kapital, ökonomische Rationalität und kulturelles Übersetzen. Zur Dynamik eines verflochtenen gesellschaftlichen Gefüges

Rom
29. September 2026

Toon Van Hal (MLS) organisierte internationale wissenschaftsgeschichtliche Tagung in Rom

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Veranstaltungen Van Hal.T

Prof. Dr. Toon Van Hal (MLS) auf der Tagung des SGdS (stehend, Foto: Haßler)

Vom 16. bis 18. September 2026 fand im Norwegischen Institut in Rom das XXXV. Internationale Kolloquium des Studienkreises Geschichte der Sprachwissenschaft (SGdS, https://www.goto-sgds.eu) statt. Die Tagung wurde vom Mitglied der Leibniz-Sozietät Toon Van Hal in Kooperation mit den Universitäten Tromsø und Oslo ausgerichtet und versammelte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Belgien, Deutschland, China, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Norwegen, Polen und Tschechien, die sich mit historischen, theoretischen und empirischen Perspektiven auf sprachliche Universalität befassten. Eine Nachkonferenzveranstaltung am 19. September ergänzte das Programm.

Das Rahmenthema „Universalität und Universalien in der Geschichte der Sprachwissenschaft“ bot einen breiten Horizont für die Diskussion darüber, wie Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler seit der Antike versucht haben, Gemeinsamkeiten zwischen Sprachen zu bestimmen, zu klassifizieren und theoretisch zu begründen. Die Wahl des Tagungsortes verlieh dem Thema besondere historische Tiefe: Rom steht sowohl für die Wirkmacht des lateinischen Grammatikmodells als universales Bezugssystem als auch für die universalistischen Projekte der Propaganda Fide und der Gesellschaft Jesu, die über Jahrhunderte hinweg die Beschreibung und Systematisierung der Sprachen der Welt beeinflussten.

In den Vorträgen wurde deutlich, dass Universalität in der Geschichte der Sprachwissenschaft kein statisches Konzept ist, sondern ein wandelbares Erkenntnisideal, das sich je nach Epoche, theoretischem Hintergrund und empirischem Material unterschiedlich ausformt. Die Beiträge reichten von Untersuchungen frühneuzeitlicher Klassifikationsversuche über die Analyse allgemeingrammatischer Traditionen bis hin zu empirischen Studien, die die Frage nach universellen Strukturen mit modernen Methoden neu beleuchten. Immer wieder zeigte sich, dass Universalität sowohl als heuristisches Prinzip wie auch als methodischer Rahmen fungierte – sei es in genealogischen Modellen, in philosophischen Sprachtheorien, in typologischen Ansätzen oder in der Grammatikographie verschiedener Sprachräume.

Besondere Aufmerksamkeit galt der Spannung zwischen universalistischen Annahmen und der empirischen Vielfalt der Sprachen. Mehrere Beiträge verdeutlichten, wie die Begegnung mit nicht‑europäischen Sprachstrukturen – etwa polysynthetischen oder tonalen Sprachen – traditionelle Kategorien herausforderte und zu einer Revision universalistischer Modelle führte. Andere Untersuchungen zeigten, wie Grammatiktraditionen und Lehrwerke als transnationale Modelle wirkten und damit selbst zu Trägern universalisierender Praktiken wurden. Auch die Frage nach der Rolle philosophischer Systeme, nach der Bedeutung typologischer Plausibilität und nach der historischen Entwicklung zentraler linguistischer Begriffe wurde intensiv diskutiert.

Das Kolloquium machte insgesamt sichtbar, wie eng die Geschichte der Sprachwissenschaft mit dem Bemühen verknüpft ist, Einheit und Vielfalt der menschlichen Sprache zugleich zu denken. Universalität erscheint dabei nicht als Gegenpol zur sprachlichen Diversität, sondern als deren theoretische Rahmung: als Versuch, die gemeinsamen Grundlagen sprachlicher Ausdrucksfähigkeit zu bestimmen, ohne die historischen, kulturellen und strukturellen Unterschiede zu nivellieren. Die lebhaften Diskussionen und die Vielfalt der Perspektiven zeigten, wie fruchtbar dieser Zugang für die historische Forschung bleibt.

Das SGdS‑Kolloquium in Rom setzte damit die Tradition fort, zentrale Themen der Sprachwissenschaftsgeschichte im internationalen Austausch zu beleuchten und weiterzuentwickeln. Die Leibniz‑Sozietät, deren Mitglieder regelmäßig an diesen Tagungen beteiligt sind, sieht in solchen Veranstaltungen einen wichtigen Beitrag zur Pflege und Weiterentwicklung historischer Sprachforschung.

Das Programm und die Abstracts der Vorträge sind hier zu finden: Tagungen – Studienkreis ‚Geschichte der Sprachwissenschaft‘ (SGdS) — Studienkreis ‚Geschichte der Sprachwissenschaft‘ (SGdS)

29. September 2026

Neue Publikation unseres Mitglieds Andrea Komlosy

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Publikationen

Komlosy, Andrea: Globalisierung im Übergang. Zerfall, Teilung oder Erneuerung des Weltsystems
Wien: Promedia, 2026. 288 S. 14,8 x 21. brosch. Print: € 27,00. ISBN: 978-3-85371-562-8. – E-Book: € 21,99. ISBN: 978-3-85371-944-2.

Aus dem Klappentext:

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert bildete die Welt eine ökonomische Einheit. Bestimmt durch die Erfordernisse der Kapitalakkumulation – Expansion, Wachstum, Verwandlung von Bedürfnissen in Waren –, brachte diese stets neue Formen von regionaler und sozialer Ungleichheit hervor.

Von einer Zunahme der globalen Verflechtung, die um die Jahrtausendwende ihren Höhepunkt erreichte, kann Mitte der 2020er-Jahre keine Rede mehr sein. Dieses Buch widmet sich daher der Frage, ob der Begriff des globalen Kapitalismus zur Beschreibung der Welt noch zutrifft.

Die Unterbrechung der globalen Beziehungen erreicht heute eine neue Qualität, die über zyklische Krisen hinausgeht. Protektionismen und Embargomaßnahmen bringen eine regelrechte Teilung der Welt hervor. Einem transatlantischen Block steht ein eurasisch-pazifischer Block gegenüber. Bemerkbar macht sich dies im Handel, im Kapitalverkehr, bei Reisen und Finanztransaktionen, aber auch im Kultur- und Wissenschaftsaustausch. Gleichzeitig kommt es zu neuen Zusammenschlüssen im nicht-westlichen Teil der Welt, der über die Institutionen des BRICS+ gemeinsame Interessen verfolgt.

Für die kommenden Jahrzehnte zeichnet sich ein „chinesisches Jahrhundert“ ab – in Anlehnung an die „Pax Britannica“ des 19. Jahrhunderts und das „amerikanische Jahrhundert“ nach dem Zweiten Weltkrieg.

Gegen eine Fortsetzung der globalen Systemintegration unter chinesischer Steuerung spricht der Bedeutungsgewinn der Geopolitik gegenüber den Regeln der Kapitalverwertung. Die ökonomische Rationalität muss sich in Zeiten der zerfallenden westlichen Welt zunehmend dem politischen Primat fügen. Aus dieser Perspektive könnte das kapitalistische Weltsystem tatsächlich sein Ende erreicht haben.

24. September 2026

Neue Publikation unseres Mitglieds Wolfgang Hofkirchner

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Publikationen Hofkirchner.W

Die konvivialistische Internationale: Das dritte konvivialistische Manifest. Konvivialismus oder Barbarei.
Herausgegeben, übersetzt aus dem Englischen und redigiert von ­Wolfgang Hofkirchner. Mit einem Nachwort von Werner Wintersteiner und Wilfried Graf. Bielefeld: transcript, 2026 (X-Texte zu Kultur und Gesellschaft). 147 S. – Print-ISBN: 978-3-8376-8268-7 (10,- EUR) – PDF-ISBN: 978-3-8394-7870-7 [Open Access] – EPUB-ISBN: 978-3-7328-0022-3 [Open Access] – DOI: 10.14361/9783839478707 [Open Access]

Klappentext des Verlages:

Wie die weltweiten Krisen zeigen, hat die Menschheit nur dann eine gemeinsame Zukunft, wenn sie sich ihren existenziellen Bedrohungen stellt. Der Konvivialismus – die politische Philosophie und Kunst des Zusammenlebens (con-vivere) im jetzigen Zeitalter der Menschheitsgeschichte – nennt die allgemeine gegenseitige Abhängigkeit von Mensch, Gesellschaft und Natur als Grundbedingung allen Lebens auf der Erde. Doch noch ist diese Einsicht nicht bis zu den herrschenden Lebensweisen vorgedrungen. Um ein Überleben, ein gutes Leben für alle und die Sorge für die Natur in Frieden zu sichern, schlägt das Manifest vor, ein Parlament der Weltbürgerschaft zu gründen. So könnte ein Abdriften in die Barbarei verhütet werden.

15. September 2026

Einladung zur Teilnahme am nächsten Arbeitszyklus des Arbeitskreises Gesellschaftsanalyse zum Thema Künstliche Intelligenz

Hans-Christoph Hobohm Gesellschaftsanalyse und Klassen Thomas.M

Der Arbeitskreis „Gesellschaftsanalyse“ trifft sich am 16.10. um 14.00 Uhr zu einer ersten Diskussions- und Abstimmungsrunde für den nächsten Arbeitszyklus.

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Straße der Pariser Kommune 8A (unmittelbar am Ostbahnhof), Seminarraum 1

Zeit: 14.00 Uhr bis ca. 16.30 Uhr

Interessierte aus der Sozietät an diesem Thema (kurz: KI und Gesellschaft) sind sowohl zu dieser ersten Sitzung wie evtl. weitere Teilnahme herzlich eingeladen! Das kann für den vorgesehenen Arbeitszyklus auch einzelne Themen bzw. Schwerpunkte betreffen. Solche wären längerfristig abzusprechen. Bei Interesse an der Teilnahme am 16.10 bitte ich um eine kurze Rückmeldung (an: Thomas.Micha@t-online.de).

Eine noch sehr allgemeine thematische Orientierung findet sich hier.

Michael Thomas

 

15. September 2026

Bericht über das Ehrenkolloquium zum 80. Geburtstag von Gerhard Banse am 10. September 2026

Hans-Christoph Hobohm Allgemeine Technologie, Ehrungen Banse.G, Dienel.H-L, Egbert.B, Hartmann.E, Klinkmann.H, Meier.B, Methling.W, Pfaff.G, Thomas.M

Blick ins Auditorium des Kolloquiums (Foto: Björn Egbert)

Am 10. September 2026 fand ein Kolloquium zu Ehren des langjährigen früheren Präsidenten der Leibniz-Sozietät Gerhard Banse statt, der am 28. Juli 2026 seinen 80. Geburtstag beging. In einem Seminarraum der Universität Potsdam auf dem Campus Griebnitzsee begrüßte der Vizepräsident der Leibniz-Sozietät Wolfgang Methling etwa 60 Mitglieder und Freunde der Sozietät sowie Familienangehörige des Jubilars, die vor Ort teilnahmen oder sich per Zoom zugeschaltet hatten.

In seiner Eröffnung ging Wolfgang Methling auf die außergewöhnliche Lebensleistung von Gerhard Banse ein. Er spannte dabei den Bogen von den wissenschaftlichen Anfängen des Jubilars über dessen Wirken als Präsident der Leibniz-Sozietät bis hin zu den heutigen Aktivitäten. In seinen Ausführungen verwies er auf die hohe nationale und internationale Wertschätzung des Geehrten und auf dessen in die Sozietät eingebrachten Wissensfundus wie vielfältige Erfahrungen.  

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung, die von Michael Thomas moderiert wurde, folgten zwei Laudationes zu Ehren des Jubilars.

In einer ersten Laudatio mit dem Titel „Gerhard Banse – Wanderer zwischen Technikwissenschaften und Philosophie“ würdigte Gerhard Pfaff den wissenschaftlichen Werdegang von Gerhard Banse, der im Laufe seines Berufslebens auf dem Gebiet der Technikphilosophie, und hier speziell in der Allgemeinen Technologie und der Allgemeinen Technikwissenschaft sowie der Technikfolgenabschätzung, herausragende Leistungen vollbracht hat. Die Laudatio zeigte den Lebens- und Entwicklungsweg von Gerhard Banse auf, der vom Lehrer an einer achtklassigen Dorfschule zum Präsidenten der Leibniz-Sozietät führte. In der Laudatio wurde zudem hervorgehoben, in welch vorbildlicher Weise sich Gerhard Banse seit seiner Zuwahl in die Leibniz-Sozietät im Jahr 2000 als Mitglied, Vizepräsident, Präsident und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung der Freunde der Leibniz-Sozietät engagierte und noch engagiert. Im Jahr 2016 wurde der Jubilar für seinen unermüdlichen Einsatz in der Gelehrtengesellschaft mit der Ehrenurkunde der Leibniz-Sozietät ausgezeichnet.

In einer zweiten Laudatio mit dem Titel „Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Gerhard Banse“ ging Horst Klinkmann auf die gemeinsamen Jahre mit dem Jubilar ein. Er stellte unter anderem fest, dass Gerhard Banseals Technikphilosoph immer das Verhältnis von Mensch, Technik und Gesellschaft in den Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit gestellt hat und insbesondere danach fragte, wie technische Entwicklungen das menschliche Denken und Handeln verändern und welche Verantwortung daraus erwächst. Horst Klinkmannverwies auf etwa 400 Publikationen des Jubilars, von denen über 100 in den Zeitschriften der Leibniz-Sozietät erschienen sind (17 Bände der „Sitzungsberichte“ (mit)herausgegeben, 19 Bände der „Abhandlungen“ (mit)herausgegeben, 41 inhaltliche Beiträge für die „Sitzungsberichte“, 25 inhaltliche Beiträge für die „Abhandlungen“).

Den Laudationes folgten mehrere Fachvorträge mit Bezug zum wissenschaftlichen Wirken wie auch generell zu Person und Lebensleistung von Gerhard Banse.

Nina Hager: Die Entwicklung von Technik und Technologien – Risiken, Chancen und Gefahren (der Vortrag konnte während des Kolloquiums nicht gehalten werden, lag aber schriftlich vor und wird im Band der Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät zum Ehrenkolloquium enthalten sein)

Der Beitrag geht auf Ergebnisse der Forschungen von Gerhard Banse zur Risikoproblematik im Zusammenhang mit der Entwicklung von Technik und Technologien ein. Betrachtet wird vor allem auch, dass der Fortschritt in der Technik-/Technologieentwicklung, nicht nur im Kleinen, sondern auch zur Bewältigung anstehender globaler Probleme, neue Chancen aber auch Gefahren – bis zum Missbrauch – in sich trägt. Außerdem geht es in den Ausführungen um die Frage, inwieweit Aussagen zur Technik-/Technologieentwicklung auch für andere Bereiche verallgemeinerbar sind.

Björn Egbert: Das Internet, die Neuen Medien und deren Wechselwirkungen auf Kultur(en) und Gesellschaft im Fokus – The international Network on Cultural Diversity and New Media (CultMedia)

Menschliche Praktiken und Beziehungen unterliegen in einer sich zunehmend mediatisierenden Welt tiefgreifenden Veränderungen. Zugleich ist diese mediatisierte Welt durch veränderte menschliche Bedürfnisse, Praktiken und Beziehungen einem permanenten Wandel unterworfen. Ausgehend von dieser Prämisse und dem daraus resultierenden Bedarf an wissenschaftlichem Diskurs, wurde das CultMedia-Netzwerk insbesondere durch die Initiative Gerhard Banses im Jahr 2002 in Prag gegründet. Erfasst werden sollten Neue bzw. Digitale Medien als Form der Technik in ihrer Wechselwirkung mit Individuen und Gesellschaften sowie deren Bedürfnissen und kulturellen Gegebenheiten/Praxen. Das erfolgreiche Vorhaben über mehr als zwei Dekaden inhaltlicher und vornehmlich internationaler Auseinandersetzung ist durch zahlreiche Tagungen, Symposien, Arbeitstreffen und dazugehörige umfassende Publikationen dokumentiert. Der Beitrag von Björn Egbert stellte sowohl das Netzwerk als auch die besondere Rolle Gerhard Banses dabei vor und ging in einem Ausblick auf die aktuellen und künftigen Umwälzungen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz ein.

Hans-Liudger Dienel: Bürgerbeteiligung und Citizen Science als Innovationsmotoren?

Der Beitrag hob die gewachsenen Erwartungen an Bürgerbeteiligung und Citizen Science als Innovationsförderer hervor. Bürgerbeteiligung ist inzwischen ein integraler Bestandteil des Innovationssystems, und zwar sowohl bei der Entwicklung von Innovationen, bei der Beteiligung an Innovationsstrategien und der Innovationspolitik als auch bei der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Implementierung von Innovationen. In allen drei Themenfeldern ist die bürgerschaftliche Mitwirkung ein gewichtiges Thema.  Der Beitrag arbeitete den Wandel der Erwartungshaltung an Bürgerbeteiligung und Citizen Science in den letzten Jahren und die sich daraus ergebenden Chancen für die Stärkung des Innovationssystems durch Bürgerbeteiligung heraus. Eine besondere Frage war die nach der Beschleunigung bzw. Verzögerung von Innovationsprozessen durch Bürgerbeteiligung und Citizen Science. Der geforderte transdisziplinäre, problemgetriebene Praxisbezug von Innovationsprozessen durch Bürgerbeteiligung und Citizen Science werde zwar oft als Königsweg bezeichnet oder auch inszeniert, kaum aber mit dem Thema Beschleunigung verbunden; sie erscheinen als Verzögerer von Innovationsprozessen, also eher „technology arrestment“ statt „technology assessment“. Hans-Liudger Dienel stellte außerdem Beispiele erfolgreicher Beschleunigungsprozesse vor.

Elke Hartmann: Johann Beckmann und Gerhard Banse – Protagonisten einer allgemeinen technischen Bildung

Nach einer vorangestellten persönlichen Erinnerung an den Jubilar verwies der Beitrag zunächst darauf, dass die wissenschaftlichen Grundlagen einer Technikmündigkeit auf Johann Beckmann mit seiner Allgemeinen Technologie im 19. Jh. zurückgehen. Er sah dieses Wissen für Staatsbeamte bei den Gewerken, die Steuern eintreiben sollten, als essentiell an. Wolfgang Klafki forderte dann im 20. Jh. ebenfalls eine Technikmündigkeit („Neue Theorie zur Allgemeinbildung – die epochaltypischen Schlüsselprobleme“). Dazwischen liegen grundlegende Arbeiten zur Allgemeinen Technologie von Karl Karmarsch, Johann Heinrich Moritz von Poppe,Horst Wolffgramm, Günter Ropohl und anderen, die Modelle zum Beschreiben und Ordnen von Wissen und Gesetzmäßigkeiten auch im Verständnis einer Metatheorie der Technik geschaffen haben. Der Einfluss, den die Arbeiten von Gerhard Banse auf die wissenschaftliche Grundlegung einer technischen Allgemeinbildung hatten und noch haben, wurde im Beitrag ebenso herausgestellt wie dessen wichtige Rolle als Impulsgeber für „vernetzte“ relevante Diskurse.

Bernd Meier: Gestaltete Technikphilosophie in der akademischen Lehre zur Ausbildung von Lehrkräften für den Technikunterricht

Der Beitrag bot einen Rückblick auf frühere Veranstaltungen der Leibniz-Sozietät zu Ehren von „runden“ und „halbrunden“ Geburtstagen von Gerhard Banse. Die über 20 Jahre reichende Rückschau verdeutlichte, dass bei diesen Ereignissen vor allem Bezüge auf die wissenschaftlichen Leistungen des Jubilars genommen wurden. Der Beitrag von Bernd Meier widmete sich im Hauptteil speziell der akademischen Lehre des Jubilars. An Beispielen wurden vor allem die besonderen Fähigkeiten von Gerhard Banse zur lehrkonzeptionellen Arbeit, zur Hinführung auf das Thema, zur Konzentration auf das Wesentliche und zur didaktischen Reduktion belegt. Ein Überblick zur studentischen Veranstaltungskritik rundete den Beitrag über einen allseits angesehenen Wissenschaftsmethodiker und -didaktiker ab.

Dirk Laßner: Der „Leibnizianer“ Gerhard Banse: Naturwissenschaftler, Präsident und Protagonist

Der Beitrag unterstrich, dass Gerhard Banse zu den wichtigen Stimmen der Technikphilosophie in Deutschland gehört. Ausgehend vom Begriff „Leibnizianer“ versuchte er, einen Bezug zum Wirken des Jubilars herzustellen. Diesen sah der Vortragende unter anderem in der kritischen Auseinandersetzung von Gerhard Banse mit den Folgen von Technikentwicklungen. Zudem hob Dirk Laßner die sachliche Objektivität des Jubilars, die Suche nach optimalen Lösungen und den wissenschaftlich fundierten Rationalismus hervor. Er würdigte das Engagement von Gerhard Banse als Mitglied und Präsident der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, als Vorsitzender der Stiftung der Freunde der Leibniz-Sozietät, als Gründungsmitglied des Leibniz-Instituts für Interdisziplinäre Studien e.V. (LIFIS) und als Wissenschaftler, der die praktische Anwendung neuer Erkenntnisse immer gefördert und umgesetzt hat.

Dankesworte und Erinnerungen von Gerhard Banse anlässlich des Kolloquiums zu seinem 80. Geburtstag (Foto: Hobohm)

Abschließend bedankte sich Gerhard Banse mit dem Beitrag „Technikphilosophie als Beruf(ung)“ für die ihm mit dem Kolloquium erwiesene Ehrung. Er ging in seinen Ausführungen auf seine wichtigsten Lebensstationen, auf wissenschaftliche Lehrer in Technologie, Philosophie und Pädagogik sowie auf seine Wirkungsstätten und Publikationen ein. Außerdem bedankte er sich bei seiner Familie, bei Wegbegleitern und Freunden. Er endete mit einem Zitat von Max Weber:

„Die wissenschaftliche Arbeit ist eingespannt in den Ablauf des Fortschritts. […] Jeder von uns […] in der Wissenschaft weiß, daß das, was er gearbeitet hat, in 10, 20, 50 Jahren veraltet ist. Das ist das Schicksal, ja: das ist der Sinn der Arbeit der Wissenschaft […] jede wissenschaftliche ‚Erfüllung‘ bedeutet neue ‚Fragen‘ und will überboten werden und veralten. Damit hat sich jeder abzufinden, der der Wissenschaft dienen will. […] Wir können nicht arbeiten, ohne zu hoffen, daß andere weiterkommen werden als wir.“ (Max Weber: Wissenschaft als Beruf [1919]. Stuttgart 1991, S. 248-249). Damit fand das Kolloquium einen würdigen, nach vorn weisenden Abschluss.

Publikation der Beiträge

Es ist vorgesehen, die Laudationes und Vorträge in einem Band der „Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften“ zu publizieren.

Gerhard Pfaff

Die Vortragenden des Kolloquiums von links: Michael Thomas, Björn Egbert, Wolfgang Methling, Hans-Liudger Dienel, Elke Hartmann, Horst Klinkmann, Gerhard Banse, Bernd Meier, Gerhard Pfaff (Foto: Hans-Christoph Hobohm)
2. September 2026

Neue Publikation unter Mitwirkung unseres Mitglieds Viktor Jakupec

Hans-Christoph Hobohm Mitglieder, Publikationen Jakupec.V

Cover Kelly, Jakupec, McKay 2026

KELLY, Max, Viktor JAKUPEC und John MCKAY, 2026. BRICS and the Changing World Order: Power Shifts, Multipolarity, and Global Governance. 1st ed. 2026. (Global Power Shift; 41). Cham: Springer Nature Switzerland; Imprint: Springer (2026). 207 S.; 96,29 € (eBook ISBN 978-3-032-30032-4) bzw. 128,39 € (Hardcover Book ISBN 978-3-032-30030-0); DOI: 10.1007/978-3-032-30030-0; Inhaltsübersicht

Nach seinen drei Monographien zu Problemen des Ukrainekriegs

Viktor Jakupec: Dynamics of the Ukraine War. Diplomatic Challenges and Geopolitical Uncertainties. Springer International Publishing 2024 (siehe >> https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-031-52444-8<<)

Viktor Jakupec (2024): The West’s Response to the Ukraine War – Military Struggles, NATO Challenges, and the Reimagining of Global Politics. Springer International Publishing 2024 (siehe >> https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-031-83428-8<<).

Viktor Jakupec: The EU’s Strategic Dilemma in the Ukraine War: Sanctions, Military Aid, and the Struggle for Coherence in Foreign Policy. Springer International Publishing 2025 (siehe >> https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-032-01595-2<<).

die inzwischen alle auch als KI-Übersetzung in deutscher Sprache erschienen sind, widmet sich der australische Wissenschaftler nun in einem Gemeinschaftswerk in Kooperation mit seinen Kollegen Max Kelly und John McKay (alle Deakin University) der informellen Vereinigung der Gründerstaaten (2009) Brasilien, Russland, Indien und der Volksrepublik China. Die Vereinigung wurde 2010 um Südafrika, die 2024 um Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie 2025 Indonesien erweitert.

Die Autoren stellen in ihrer wissenschaftlichen Analyse BRICS nicht nur, als Zusammenschluss aufstrebender Volkswirtschaften dar, sondern kennzeichnen die Vereinigung BRICS als analytischer Ausgangspunkt für die Untersuchung eines grundlegenden Wandels der internationalen Ordnung. BRICS dient als Fall und zugleich als Fokus, um die gegenwärtige Transformation der Weltordnung, der Machtverteilung und der globalen Welt zu erfassen.

Viktor Jakupec, Max Kelly und John McKay gehen in ihrem Werk „BRICS and the Changing World Order – Power Shifts, Multipolarity, and Global Governanceder“ zielgerichtet der Frage nach, inwieweit sich das internationale System gegenwärtig von einer überwiegend westlich geprägten Ordnung zu einer stärker multipolaren Struktur entwickelt. Hierzu verbinden sie Perspektiven der internationalen Beziehungen und der politischen Ökonomie und untersuchen das Wechselverhältnis zwischen Machtverschiebungen, wirtschaftlicher Staatskunst, geopolitischer Konkurrenz und globaler Steuerung von Systemen.

Das Buch wendet sich für alle an der Debatte über die Zukunft der regelbasierten internationalen Ordnung, die wachsende Bedeutung des Globalen Südens sowie die Möglichkeiten und Grenzen einer Reform bestehender internationaler Institutionen Interessierten.

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