Jubiläum „50 Jahre Georg-Forster-Station“
Bericht von der Jubliäumsveranstaltung „50 Jahre Georg-Forster-Station“
„Durch Mühsal zu den Sternen“ (Seneca)
Am 3. Juni 2026 fand im Bildungsforum Potsdam die vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung organisierte feierliche Veranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum der Georg-Forster-Station in der Antarktis statt. Dr. H. Gernandt und Dr. D. Fritzsche hatten im AWI-Auftrag die noch lebenden Überwinterer eingeladen und das Bundesministerium der Finanzen dieses goldene Jubiläum mit einer Sonderbriefmarke gewürdigt. Die Veranstaltung wurde von Prof. B. Diekmann, Leiter der AWI Forschungsstelle Potsdam eröffnet, der das Grußwort des erkrankten Verwaltungsdirektors Dr. K. Wurr vortrug.

In seinem Festvortrag reflektierte Dr. H. Gernandt den Aufbau und die Leistungen der ersten ganzjährig betriebenen deutschen Forschungsstation in der Antarktis in der DDR-Zeit von 1976 bis 1990. Die Forschungsschwerpunkte lagen auf Messungen der Funkwellenabsorption in der Ionosphäre, Erdmagnetfeldmessungen und CO2 Messungen und waren durch die wissenschaftlichen Interessen und Weitsicht des Direktors des Zentralinstituts für Solar-Terrestrische Physik Prof. Dr. E. A. Lauter getrieben, der auch Gernandts Doktorvater war. Die 1985 unter Leitung von H. Gernandt an der Forster-Station begonnenen Messungen des vertikalen Ozonprofils mit Radiosonden führten zur international erstmaligen Identifizierung des Ozonabbaus in der antarktischen Stratosphäre zwischen 16 und 22 km.
Die Forster-Station war das Zentrum der ostdeutschen Polarforschung und wurde logistisch durch Ingenieur B. Tripphahn aus dem Zentralinstitut für Physik der Erde (ZIPE) Potsdam betreut. Bis 1993 überwinterten dort fast 100 Wissenschaftler und Techniker. Von 1993 bis 1996 wurde die Forster-Station den Richtlinien des Umweltschutzprotokolls des Antarktisvertrages folgend zurückgebaut. Eine auf Überwinterer Günter Stoof zurückgehende Bronzetafel, der nur einen Tag nach der gestrigen Veranstaltung mit 73 Jahren an Krebs verstarb, am ehemaligen Standort erinnert an diesen Meilenstein deutscher Geschichte.
Die Ozonmessungen werden an der Neumayer-Station des AWI fortgeführt und sind die längsten verfügbaren Messungen. H. Gernandt war ab 1997 Leiter der Logistik des AWI Bremerhaven und für die Konzeption und den Aufbau der Neumayer-III Station verantwortlich. Das goldene Jubiläum der Georg-Forster-Station reflektiert somit seine eigene bleibende Lebensleistung und die aller daran beteiligten Kollegen.
Prof. F. Wilhelms, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung überbrachte ein Grußwort. Den Aufbau eines geomagnetischen Observatoriums an der Forster-Station mit kontinuierlichen Magnetfeldmessungen beschrieb Ingenieur C. Kopsch vom Adolf-Schmidt-Observatorium Niemegk. Dr. W. Stackebrandt schilderte in seinem Vortrag die geologische Kartierung und Geländeuntersuchungen der Schirmacher-Oase durch das Ausrichterinstitut ZIPE. Gert Lange las aus seiner in der Antarktis spielenden Erzählung und Prof. H. J. Paech sprach über die Wendezeit im ZIPE ab Mai 1989 und den legendären Besuch der ostdeutschen Delegation im AWI Bremerhaven. Die Leibniz-Sozietät wurde bei dieser Veranstaltung durch MLS Prof. H. Kautzleben, MLS Prof. K. Dethloff und MLS Prof. H. Schuh vertreten.
Die Ausstellung „50 Jahre Georg-Forster-Station“ im Bildungsforum Potsdam ist bis zum 31. Juli 2026 zu besichtigen. https://eintrittfrei-potsdam.de/veranstaltung/50-jahre-georg-forster-station_ausstellung-in-der-wissenschaftsetage/2026-06-03/
Klaus Dethloff











