Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, Band 148, Jahrgang 2021
Bericht über das Kolloquium der Leibniz- Sozietät „Zur Kopplung von Erd- und Weltraumwetter“ anlässlich des 100. Geburtstags von Akademiemitglied Ernst-August Lauter
(Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, Band 148, Jahrgang 2021)
Zur Kopplung von Erd- und Weltraumwetter
Herausgegeben von
Klaus Dethloff & Dietrich Spänkuch
ISSN 0947-5850 / ISBN 978-3-86464-225-8
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trafo Wissenschaftsverlag Dr. Wolfgang Weist
Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. veranstaltete am 12.02.2021 im Alfred-Wegener-Institut (AWI), Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Potsdam, das Kolloquium „Zur Kopplung von Erd- und Weltraumwetter“ zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Akademiemitglied (AkM) Ernst August Lauter (1920-1984). E. A. Lauter war ein Visionär, der das von Günter Falckenberg im Jahre 1951 in Kühlungsborn gegründete Observatorium für Ionosphärenforschung zusammen mit einer jungen und enthusiastischen Wissenschaftlergeneration unter DDR-Bedingungen zu einem weltweit anerkannten Forschungsinstitut entwickelte. Entzian (2019) hat die Geschichte des Observatoriums und E. A. Lauter‘s Rolle bei der Entwicklung des internationalen Middle Atmosphere Programms MAP detailgetreu beschrieben. Auch Lauter selbst hat eine Darstellung der frühen Entwicklung dieses Programms gegeben (Lauter 1974). Das 1992 auf Empfehlung des Wissenschaftsrates gegründete Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik e.V. an der Universität Rostock (IAP) ist aus diesem Observatorium hervorgegangen und reflektiert in seinem Forschungsprofil wesentliche Ideen E. A. Lauter‘s zur Solar-Terrestrischen Physik. Von 1968 bis 1972 war E. A. Lauter Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften der DDR, wurde aber 1976 auf Druck der Staatssicherheit demontiert und gezwungen, die Rücktritte von hochrangigen internationalen Funktionen als persönliche Entscheidungen zu begründen. Die herausragende visionäre Rolle E. A. Lauter‘s und seine Lebensleistung (Bernhardt und Taubenheim 1985, COSPAR 1985) finden weder auf der Homepage des IAP noch im Wikipedia-Artikel über Kühlungsborn die gebührende Wertschätzung. Die genannte Veranstaltung zur Würdigung des 100. Geburtstages von E. A. Lauter wurde von Klaus Dethloff und Dietrich Spänkuch, beide MLS organisiert und durch Holger Deckelmann (AWI) technisch betreut und infolge der Coronapandemie als virtuelle Veranstaltung mit 20 Teilnehmer*innen durchgeführt. Das Vortragsprogramm umfasste den Bereich der Geosphäre über die Atmosphäre, Ionosphäre und Magnetosphäre bis zur Sonnenphysik und spiegelte damit das von E. A. Lauter entwickelte visionäre Konzept eines Instituts für Solar-Terrestrische Physik (ZISTP) wider.
Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin verlieh an ihrem Leibniz-Tag am 26. November 2020 die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille an den Leiter des Instituts für Molekulare Evolution der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Prof. Dr. William F. Martin, für seine bahnbrechenden Forschungen über die Evolution der Zellen und den Ursprung des Lebens auf der Erde.
1957 in Bethesda (Maryland/USA) geboren, besuchte William Martin die Richardson High School und das Richland College in Dallas (Texas) und studierte an der Texas A&M University in College Station Biologie. Hier weckte der Mikrobiologe Willard A. Taber (1925–2017) sein Interesse an der Evolution der Zellen, als er 1978 in einer Vorlesung auf einen möglichen symbiogenetischen Ursprung der Chloroplasten hinwies. Von 1981 bis 1985 setzte Martin sein Biologiestudium an der Universität Hannover fort, wo er sich Rüdiger Cerff (1940–2020) am Institut für Botanik anschloss, um schließlich bei Heinz Saedler (* 1941) am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln genetisch zu arbeiten. Nach der Promotion (Köln 1988) kehrte er zu Cerff zurück, der inzwischen am Institut für Genetik der TU Braunschweig forschte, und habilitierte sich 1992 für Botanik. 1999 folgte er einem Ruf auf die C4‑Professur für „Ökologische Pflanzenphysiologie“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die 2011 in „Molekulare Evolution“ umgewidmet wurde.
Im Rahmen des Leibniz-Tages 2020 verlieh die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin am 26. November 2020 die Daniel-Ernst-Jablonski-Medaille an den herausragenden schwedischen Festkörperphysiker Prof. Dr. Hermann Grimmeiss, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag begehen konnte.