Nekrolog für unser Mitglied Klaus Hennig

Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften trauert um ihr Mitglied, den Physiker und Mathematiker Prof. Dr. Klaus Hennig, der am 19.12.2020 im Alter von 86 Jahren verstorben ist.
Klaus Hennig wurde am 16. Dezember 1934 in Plauen geboren. Von 1956 bis 1962 studierte er Angewandte Mechanik an der Technischen Universität in Dresden, wo er auch promovierte und sich habilitierte. Danach arbeitete er am Zentralinstitut für Mathematik und Mechanik der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab 1972 Akademie der Wissenschaften der DDR. 1974 wurde er zum Abteilungsleiter ernannt, im Jahre 1976 zum Professor für Festkörpermechanik der Akademie und zugleich zum stellvertretenden Direktor des Zentralinstituts für Mathematik und Mechanik.
Nach der Aufspaltung des Zentralinstituts für Mathematik und Mechanik in zwei eigenständige Institute der Akademie wurde Klaus Hennig 1981 zum Direktor des Instituts für Mechanik in Karl-Marx-Stadt berufen. Diese Funktion hatte er bis 1986 inne. 1987 wechselte er in das Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung, 1991 in den vorzeitigen Ruhestand.
Hauptforschungsgebiete von Klaus Hennig während seiner wissenschaftlichen Laufbahn waren die Festkörpermechanik und die Zuverlässigkeit mechanischer Systeme. Die Ergebnisse seiner Forschungstätigkeit mit weitreichenden Anwendungen sind in verschiedenen Publikationen dokumentiert. In Vorlesungen und Seminarvorträgen trug er zur Verbreitung des Fachwissens auf seinen Arbeitsgebieten bei. Sehr bekannt wurden die Karl-Marx-Städter Seminare für Festkörpermechanik und Bruchmechanik des Institutes für Mechanik, die Klaus Hennig gemeinsam mit Bernd Michel organisierte.
1982 wählte das Plenum der Akademie der Wissenschaften der DDR Klaus Hennig zum korrespondierenden Mitglied der Akademie. 1993 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, wo er sich in der Klasse Naturwissenschaften engagierte.
Wir verlieren mit Klaus Hennig ein ehrenvolles Mitglied der Leibniz-Sozietät. Wir werden ihm ein würdiges Andenken bewahren. Den Hinterbliebenen bekunden wir unser tief empfundenes Beileid.
Gerhard Pfaff und Heinz Kautzleben


Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin verlieh an ihrem Leibniz-Tag am 26. November 2020 die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Medaille an den Leiter des Instituts für Molekulare Evolution der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Prof. Dr. William F. Martin, für seine bahnbrechenden Forschungen über die Evolution der Zellen und den Ursprung des Lebens auf der Erde.
1957 in Bethesda (Maryland/USA) geboren, besuchte William Martin die Richardson High School und das Richland College in Dallas (Texas) und studierte an der Texas A&M University in College Station Biologie. Hier weckte der Mikrobiologe Willard A. Taber (1925–2017) sein Interesse an der Evolution der Zellen, als er 1978 in einer Vorlesung auf einen möglichen symbiogenetischen Ursprung der Chloroplasten hinwies. Von 1981 bis 1985 setzte Martin sein Biologiestudium an der Universität Hannover fort, wo er sich Rüdiger Cerff (1940–2020) am Institut für Botanik anschloss, um schließlich bei Heinz Saedler (* 1941) am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln genetisch zu arbeiten. Nach der Promotion (Köln 1988) kehrte er zu Cerff zurück, der inzwischen am Institut für Genetik der TU Braunschweig forschte, und habilitierte sich 1992 für Botanik. 1999 folgte er einem Ruf auf die C4‑Professur für „Ökologische Pflanzenphysiologie“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die 2011 in „Molekulare Evolution“ umgewidmet wurde.
Im Rahmen des Leibniz-Tages 2020 verlieh die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin am 26. November 2020 die Daniel-Ernst-Jablonski-Medaille an den herausragenden schwedischen Festkörperphysiker Prof. Dr. Hermann Grimmeiss, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag begehen konnte.

