Neue Publikation unserer Präsidentin Gerda Haßler

Gerda Haßler: Evidentiality in Romance Languages. Berlin, Bruxelles, etc.: Peter Lang, 2026. – (Linguistica Philologica; 3) – 462 S., ISBN (PDF) 9783631921890; ISBN (ePUB) 9783631921906; ISBN (Hardcover) 9783631778388; DOI: 10.3726/b23560. – 79,95 EUR

Evidentialität im Spanischen, Französischen, Italienischen und Portugiesischen

Alle Sprachen verfügen über Mittel, um das epistemische Bewusstsein darüber auszudrücken, wie der Inhalt einer Botschaft zustande gekommen ist. In den romanischen Sprachen und den meisten anderen europäischen Sprachen ist diese Information jedoch nicht obligatorisch. Franz Boas (1942: 182) stellte bereits fest, dass wir Zeitungen mit weitaus mehr Vertrauen lesen würden, wenn Journalisten angeben müssten, ob sie den Inhalt ihrer Berichte aus eigener Erfahrung, aus Hörensagen oder durch eigene Schlussfolgerungen gewonnen haben. Wir nehmen diese semantische Lücke in unseren Sprachen zwar nicht wahr, können sie aber jederzeit schließen, indem wir explizite Aussagen über die Herkunft unseres Wissens machen. Dies tun wir nicht, um die Herkunft unseres Wissens aus einer bestimmten Quelle genau zu dokumentieren, sondern um die Verantwortung für den kommunizierten Inhalt zu verringern.

Markierungen der Herkunft des Sprecherwissens wurden in den letzten dreißig Jahren in zahlreichen Arbeiten untersucht. Noch immer gibt es aber keine Einigkeit darüber, welche Mittel zu den Markern der Evidentialität gehören und welche Forschungsperspektive am ehesten Erfolg bei ihrer Untersuchung und Klassifizierung verspricht. In dem Buch wird eine vergleichende funktionale Perspektive eingenommen, die sowohl lexikalische (Adverbien, Adjektive, Verben) als auch grammatische Mittel (Futur, Konditional, Imperfekt) berücksichtigt, die zur Markierung der Herkunft des Sprecherwissens verwendet werden. Evidentialität wird dabei als Information betrachtet, die nicht Bestandteil der Prädikation ist, aber angibt, ob der mitgeteilte Inhalt aus eigener Anschauung, fremder Mitteilung oder Schlussfolgerung stammt. In der Kommunikation wird vielfach nicht zwischen diesen verschiedenen Quellen unterschieden, sondern lediglich eine allgemeine evidentiell-epistemische Markierung vorgenommen.

Ein Vergleich der vier romanischen Sprachen Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch mit dem Deutschen und weiteren Sprachen verdeutlicht Unterschiede in der Grammatikalisierung einzelner evidentieller Ausdrucksmittel und in den Präferenzen ihrer Verwendung. Es wird nachgewiesen, dass der Evidentialitätsbegriff Erklärungspotential für Sprachen ohne obligatorische Evidentials hat.

Auf den Webseiten des Verlags findet man neben dem Abstract unter „Excerpt“ weitere Informationen über das Buch, wie z.B. das Inhaltsverzeichnis und eine Leseprobe.