Wahl des Sekretars der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften

Am 7. Mai wurde Hans Neumann zum Sekretar der Klasse Sozial und Geisteswissenschaften gewählt.
Prof. Dr. Hans Neumann ist emeritierter Professor für Altorientalische Philologie der Universität Münster. Er ist am 9. Mai 1953 in Erfurt geboren, legte das Abitur 1971 im altsprachlichen Zweig an der II. Erweiterten Oberschule Berlin-Mitte (vormals Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster) ab und studierte von 1971-1975 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg orientalische Archäologie und Philologie. In den letzten zwei Jahren seines Studiums wurde er mit einem Wilhelm-Pieck-Stipendium gefördert. 1980 promovierte er mit einer Dissertation zum Thema Untersuchungen zur Organisation des Handwerks in Mesopotamien zur Zeit der III. Dynastie von Ur (Prädikat „summa cum laude“, ausgezeichnet mit der „Sonderprämie des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften der DDR für hervorragende Leistungen junger Wissenschaftler der AdW“).
Hans Neumann begann seine berufliche Tätigkeit am Zentralinstitut für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR, wo er 1975-1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsgruppenleiter am Bereich Alter Orient war. Er nahm an archäologischen Untersuchungen im Haditha-Gebiet (Irak) und an einer Grabungssondierung im Gebiet von Hassake (Syrien) teil. Von 1987 bis 1990 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Rates für Archäologie und Alte Geschichte bei der Akademie der Wissenschaften der DDR.
1992-1993 wurden seine Forschungen im Rahmen des „Wissenschaftler-Integrations-Programms“ gefördert. 1994 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Altorientalischen Seminar der Freien Universität Berlin, wo er 1997 für zwei Jahre ein Habilitationsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhielt. Im Wintersemester 1997/98 vertrat er einen Lehrstuhl für Assyriologie an der Universität Heidelberg. 1998 erfolgte seine Habilitation für das Fach altorientalische Philologie an der FU Berlin.
Nach seiner Berufung auf einen Lehrstuhl der Universität Münster war er dort als Vorstandsmitglied und Projektleiter von 2000-2003 Mitglied des Sonderforschungsbereichs „Funktionen von Religion in antiken Gesellschaften des Vorderen Orient“. Von 2003-2021 war er Mitglied des Vorstands des Zentrums für Geschichte und Natur des östlichen Mittelmeerraums an der Universität Münster. Er war von 2003 bis 2009 Vorsitzender der Deutschen Orient-Gesellschaft. Von 2002 bis 2006 übte er die Funktion des Prodekans des Fachbereichs Philologie der Universität Münster aus.
Er war und ist Mitglied in verschiedenen Exzellenzclustern, so seit 2020 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Exzellenzprojekts „40.000 Years of Human Challenges: Perception, Conceptualization and Coping in Premodern Societies“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und von September 2020 bis August 2021 und Februar 2024 bis Juli 2024 Gastwissenschaftler im Rahmen des DFG-Forschungsvorhabens „Kolleg-Forschungsgruppe 2615 – Rethinking Oriental Despotism – Strategies of Governance and Modes of Participation in the Ancient Near East“ an der Freien Universität Berlin. Von 2014 bis 2018 war er Mitglied und Projektleiter im Exzellenzcluster „Religion und Politik“.
Neben seiner Lehre an der Universität Münster lehrte er im Erasmus-Programm auch an verschiedenen Universitäten im Ausland sowie 2017 an der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem.
Die Forschungen von Hans Neumann beziehen sich vor allem auf die Wirtschafts-, Rechts- und Sozialgeschichte des Alten Vorderasien mit folgenden Schwerpunkten: Recht in altakkadischer Zeit, Staatsverträge des alten Vorderasiens, Richter und Prozessrecht in der keilschriftlichen Überlieferung, zwischen Dirigismus und Recht- zu den juristischen Aspekten staatlichen Handelns in der mesopotamischen Provinzialadministration zur Zeit der III. Dynastie von Ur (21. Jh. v. Chr.).
Er befasst sich mit der Edition, Bearbeitung und philologisch-kulturhistorischen Auswertung sumerischer und akkadischer Keilschrifttexte aus dem Berliner Vorderasiatischen Museum sowie aus kleineren in- und ausländischen Sammlungen und hat somit einen ausdrücklichen Bezug seiner wissenschaftlichen Interessen zu Berlin. Außerdem arbeitet er an Keilschrift-Texten aus Assur-Grabungen und aus der Uruk- Grabung des Deutschen Archäologischen Instituts. Er gibt die jährliche Keilschriftbibliografie (Orientalia) heraus. Außerdem forscht Hans Neumann in unserem Arbeitskreis Wissenschaftsgeschichte zur Geschichte der Assyriologie/Altorientalistik in Deutschland im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert und in der DDR.
Hans Neumann ist seit 2025 Mitglied der Leibniz-Sozietät.