Arbeitskreis Gesellschaftsanalyse; Jahresrückblick 2016

Jahresbericht 2016 für den Arbeitskreis „Gesellschaftsanalyse“

 Der Arbeitskreis „Gesellschaftsanalyse“ hatte mit seiner umfangreichen Publikation zu „Transformation im 21. Jahrhundert“ (hrsg. von Michael Thomas und Ulrich Busch, Band 39 (I/II) der Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften) 2015 sowohl eine beachtliche und beachtete Bilanz seiner Arbeit in den vergangenen Jahren gezogen wie zugleich Fragestellungen und Perspektiven für weitere Diskussionen abgesteckt. Transformation ist mittlerweile in den verschiedenen Sozial-, Wirtschafts- und Technikwissenschaften zu einem bestimmenden Thema geworden. Der Arbeitskreis hat es entsprechend für 2016 aufgenommen und in verschiedenen Facetten bearbeitet.

Insgesamt hat der Arbeitskreis sechs thematische Veranstaltungen durchgeführt. Die Veranstaltungen waren immer von 15 bis 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern besucht; ein großer Teil dieser Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommt nicht aus der Mitgliedschaft der Leibniz-Sozietät. Damit sind vielfach sehr produktive Inputs gegeben.

Neben den thematischen Workshops, die sich jeweils einer übergreifenden Problematik im Kontext der Transformationsdebatte zuwandten, wurden die Aktivitäten des Arbeitskreises von zwei übergreifenden Veranstaltungen geprägt.

Das ist einmal ein Ehrenkolloquium zum 80. Geburtstag unseres Arbeitskreismitgliedes (und Mitbegründers des Arbeitskreises) Wolfgang Küttler. Das Kolloquium fand am 22. April unter Beteiligung von ca. 50 Gästen statt. Vorbereitung und Moderation lagen beim Arbeitskreis (Ulrich Busch/Michael Thomas). Neben der Laudatio des Sekretars der Klasse für Sozial- und Geisteswissenschaften, Hans-Otto Dill, wurden Beiträge gehalten von Michael Brie, Raj Kollmorgen, Wolfgang Küttler und Walter Schmidt (alle Leibniz-Sozietät) sowie Wolfgang Bialas (Berlin) und Wladislaw Hedeler (Potsdam). Die Materialien zum Ehrenkolloquium sind veröffentlich: Reform – Revolution – Transformation. Zur Theoriegeschichte des sozialen Wandels. Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 45 (hrsg. von Ulrich Busch).

Eine weitere übergreifende Unternehmung, mit dem der Arbeitskreis sich mit einem interdisziplinären Zugang in einen zentralen Bereich gesellschaftlicher Umbrüche oder Transformationen begeben hat, ist der Workshop zu „Informatisierung und Digitalisierung“, der als ganztägige Veranstaltung am 11. November durchgeführt wurde. Neben Beiträgen aus dem Arbeitskreis (Ulrich Busch; Michael Thomas) und dem Präsidenten der Sozietät, Gerhard Banse, konnten ausgewiesene Expertinnen und Experten für die einzelnen Themenfelder gewonnen werden: Stephan Lingner (European Academy); Daniel Schönfeld/Anna Schwarz (Europa-Universität Frankfurt/Oder); Ingo Matuschek (Hochschule der Bundesagentur für Arbeit) und Philipp Staab (Institut für Geschichte und Zukunft der Arbeit). 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten eine intensive Diskussion. Für 2017 sind die Publikation der Beiträge und eine Folgedebatte geplant.

Neben diesen aufgeführten ganztägigen Veranstaltungen waren wiederum die regelmäßigen Arbeitstreffen (jeweils Freitag von 14.00 bis 17.00) ein wichtiges Arbeitsprinzip des Arbeitskreises. 2016 wurden vier Treffen durchgeführt.

Am 5. Februar verständigte sich der Arbeitskreis zu Stand und vor allem offenen Fragen der Transformationsdebatte. Einführend machte Irene Dölling (MLS) auf Stärken und auch Schwächen (bzw. offenen Fragen) der angeführten Publikation „Transformation im 21. Jahrhundert“ aufmerksam. Der Fokus wurde insbesondere auf praktische Gestaltungsansätze gelegt.

Am 10. Juni war der Architekturkritiker Wolfgang Kil Gast des Arbeitskreises. Seine Erfahrungen insbesondere aus der Uckermark waren thematische Einführung zum Thema  „Transformationslandschaften? Erfahrungen aus peripheren Räumen Ostdeutschlands“. Ergänzt wurden diese durch einen Beitrag von Michael Thomas zum Problem ländlicher Regionen im Transformationsprozess.

Mit dem Workshop am 16. September (Einführung Günter Krause) sollten einige Leerstellen der der Transformationsdebatte stärker in den Blick genommen werden:  „Transformation disziplinär: Zum Platz wirtschaftstheoretischer Perspektiven im kritischen Transformationsdiskurs“. Die Diskussion konnte Wege zu einer produktiven Diskussion zwischen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften mit Blick auf die Transformationsdebatte öffnen.

Der das Jahr 2016 beschließende Workshop am 2. Dezember „Wie der Kapitalismus unnötig werden kann“ ging noch einmal sehr direkt auf einige der offenen Fragen vom Jahresauftakt ein, konnte zu diesen interessante Antworten oder Anregungen geben und zugleich die erforderliche weitere Debatte sinnvoll fokussieren. Meinhard Creydt führte, ausgehend von seinem thematisch leitenden Buch, ausführlich in die Arbeitskreisdiskussion ein. Zumindest einige der konstitutiven Formen und Inhalte von „Praxis“ konnten als Suchbewegungen im Kapitalismus aufgezeigt werden, mit denen Umgestaltung in der Tat möglich wird. Insofern lassen sich konkrete Ansatzpunkte gesellschaftlicher Transformation identifizieren – auch wenn hier Forschungs- und Praxis-Arbeit noch zu leisten sind –, die häufig denunziatorischen Vorwürfe gegenüber einem solchen Konzept widerlegen.

Die Materialien des Arbeitskreises sind weitgehend publiziert oder/und dokumentiert. Bereits laufende Vorhaben sind aufgeführt. Zu erwähnen ist eine umfangreiche Publikation zur Transformationsthematik (Transformation. Suchprozesse in Zeiten des Umbruchs. Hrsg. von Michael Brie, Rolf Reißig und Michael Thomas. LIT Verlag 2016), an der aus dem Arbeitskreis Michael Brie, Irene Dölling, Rolf Reißig, Michael Thomas und Irene Zierke mitgewirkt haben. Weitere Informationen zur bisherigen und künftigen Tätigkeit des Arbeitskreises können eingeholt werden unter thomas@biss-online.de.

Michael Thomas

 

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