Bericht zum Vortrag von Prof. Dr. Claudia Müller „Digitale Transformation in alternden Gesellschaften – Praxisorientierung und Partizipation als Gestaltungsprinzipien“
Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin veranstaltete ihre öffentliche Juni-Plenarveranstaltung am 11.06.2026 zum Thema „Digitale Transformation in alternden Gesellschaften – Praxisorientierung und Partizipation als Gestaltungsprinzipien“.

(Foto: Gerhard Pfaff)
Referentin hierzu war Prof. Dr. Claudia Müller (Universität Siegen, MLS), deren Fokus in der Forschung auf den Gebieten Wirtschaftsinformatik und IT für die alternde Gesellschaft liegt. Die Veranstaltung fand im Ratssaal des Historischen Rathauses Berlin-Friedrichshagen statt.
Einleitend begrüßte Gerda Haßler, Präsidentin der Leibniz-Sozietät, die Teilnehmenden und stellte die Referentin vor. Claudia Müller ist Professorin an der Universität Siegen und leitet den Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt Informationstechnologie (IT) für die alternde Gesellschaft. Ihre sozio-informatische Forschung umfasst den Schwerpunkt der praxistheoretisch fundierten Technikentwicklung sowie Methoden- und Theoriebildung innerhalb der angewandten Informatik, der sich auf ihre Erfahrung in der Leitung von F&E-Projekten in mehreren Schwerpunktbereichen stützt, u.a. Demenzpflege, quartiersbasierte und ländliche Gesundheitsversorgung, Caring Communities, barrierefreie Arbeitsplätze, robotische Systeme in der Pflege, Künstliche Intelligenz in der Medizin und Digitalkompetenz. Claudia Müller war und ist beratend tätig als stellvertretende Vorsitzende der Sachverständigenkommission der Bundesregierung zum Achten Altersbericht „Ältere Menschen und Digitalisierung“, Sprecherin des Fachbereichs Human-Computer Interaction (HCI) bei der Gesellschaft für Informatik (GI) und Sprecherin des Fachausschusses „Bildung und Digitalisierung im Alter“ beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Seit 2025 ist Claudia Müller Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.
Der Vortrag von Claudia Müller beleuchtete aktuelle Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Aufbauend auf Forschungsarbeiten wurde gezeigt, wie digitale Technologien im Kontext von Gesundheit, Pflege und sozialer Teilhabe nicht nur technisch entwickelt, sondern gemeinsam mit den betroffenen Menschen gestaltet werden können.
Im Zentrum der Ausführungen standen praxisorientierte und partizipative Forschungsansätze der Sozio-Informatik, die ältere Menschen, Pflegekräfte, Angehörige und weitere gesellschaftliche Akteur:innen aktiv in Konzeptions-, Entwicklungs- und Aneignungsprozesse einbeziehen. Anhand ausgewählter Forschungsprojekte aus den Bereichen der Robotik für die Pflege, digitalen Lernräumen und gemeinschaftsbasierten Versorgungsmodellen wurde verdeutlicht, dass nachhaltige digitale Innovationen nur dann gelingen, wenn sie an den Lebenswelten, Bedürfnissen und sozialen Praktiken der Nutzenden orientiert sind.
Der Vortrag diskutierte darüber hinaus die Bedeutung von Co-Creation, interdisziplinären Lernräumen für die Forschenden und sozialen Innovationsprozessen für die Gestaltung einer inklusiven digitalen Gesellschaft. Praxisorientierung und Partizipation, so zeigten die Ausführungen der Referentin, werden dabei nicht als ergänzende Elemente verstanden, sondern als zentrale Gestaltungsprinzipien einer menschenzentrierten digitalen Transformation in alternden Gesellschaften.
Das starke Interesse der Teilnehmenden an den Ausführungen von Claudia Müller bestätigte sich durch die nachfolgende intensive Diskussion.
Gerhard Pfaff
