Bericht zum Plenums-Vortrag von Frau PD Dr. Franziska Tanneberger „Verbreitung und Zustand der Moore in Deutschland, Europa und weltweit“
Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin veranstaltete ihre öffentliche April-Plenarveranstaltung am 09.04.2024 zum Thema „Verbreitung und Zustand der Moore in Deutschland, Europa und weltweit“.
Referentin hierzu war Frau PD Dr. Franziska Tanneberger (Universität Greifswald), deren Fokus in der Forschung auf dem Gebiet Landschaftsökologie liegt. Die Veranstaltung fand im Ratssaal des Historischen Rathauses Berlin-Friedrichshagen statt.
Einleitend begrüßte Gerda Haßler, Präsidentin der Leibniz-Sozietät, die Teilnehmenden und stellte die Referentin vor. Franziska Tanneberger ist habilitierte Landschaftsökologin an der Universität Greifswald und Leiterin des Greifswald Moor Centrum (GMC). Ihr Forschungsschwerpunkt sind Niedermoore in Mittel- und Osteuropa sowie Sibirien, insbesondere Brutvögel, Torfbildung und Effekte der landwirtschaftlichen Nutzung. Sie ist Autorin zahlreicher Fachpublikationen, Herausgeberin von Standardwerken wie dem „Europäischen Moorbuch“ und Hauptautorin des Global Peatlands Assessment. Das Greifswald Moor Centrum ist Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis für alle moorbezogenen Fragen mit etwa 150 Moorfachleuten und einer Partnerschaft von Universität Greifswald, Michael Succow Stiftung, DUENE e.V. und Stiftung Moorbibliothek.

Der Vortrag von Franziska Tanneberger stellte die Verbreitung und den Zustand der Moore in Deutschland, Europa und in der Welt dar. Dabei wurden aktuelle Zahlen und Karten, insbesondere aus dem 2022 herausgegebenen Global Peatland Assessment, vorgestellt. Für Europa wurde dabei auf das 2017 gemeinsam von über 140 Moorkundler*innen aus allen Ländern Europas publizierte „European Mires Book“ zurückgegriffen. Trotz der weltweit größten anteiligen Verluste an Mooren ist Europa ein Kontinent mit bedeutender Moorvielfalt. Die zehn europäischen Haupt-Moorregionen repräsentieren die regionale Vielfalt und die biologische Vielfalt der Ökosysteme. Das Ausmaß der Degradation nimmt von Norden nach Süden deutlich zu. In mehr als der Hälfte der europäischen Moorregionen wird das Ziel von mindestens 17% der Fläche in Schutzgebieten nicht erreicht. Weltweit entweichen 4% der gesamten Treibhausgasemissionen aus entwässerten Mooren. In Deutschland sind es 7%, und in einigen moorrreichen Regionen mehr als 30%. Eine von Franziska Tanneberger während der Ausführungen vorgestellte aktuelle Hotspot-Karte der EU zeigte, wo die Emissionen am größten sind. Wesentliche Landnutzungsoptionen auf wiedervernässten Mooren sind Wildnis, Paludikultur (nasse Landwirtschaft) und Photovoltaik. Diese wurden mit ihren Effekten auf Klima und Biodiversität im zweiten Teil des Vortrags ebenfalls vorgestellt.
Das starke Interesse der Teilnehmenden an den Ausführungen von Franziska Tanneberger bestätigte sich durch die nachfolgende intensive Diskussion.
Gerhard Pfaff
(Beitragsfoto: Christian Schröder)
