Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. trauert um ihr Mitglied, den Kunsthistoriker Prof. Dr. Peter Betthausen, der schon am 24. Juli 2025 verstorben ist

Prof. Dr. Peter Betthausen (1941-2025, MLS) (Foto 2016: Peter Arlt)

Peter Betthausen, geboren am 27. Juni 1941 in Harzgerode, war ein deutscher Kunsthistoriker, der an der Humboldt-Universität zu Berlin Kunstgeschichte, Geschichte und Ästhetik studierte und dort von 1966 bis 1986 und auch an der Universität Leipzig tätig war (seit 2004 Mitglied der Leibniz-Sozietät). An der Berliner Universität promovierte er 1971 über Hypothesen zu einer kunstwissenschaftlichen Stiltheorie und habilitierte 1986 über Künstlergemeinschaften der deutschen Romantik.

Als Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften der DDR wirkte er vielfach mit dem Kollegen Prof. Dr. Peter H. Feist (seit 1993 MLS) zusammen, insbesondere gab er mit ihm und Christiane Fork das Metzler-Kunsthistoriker-Lexikon, zweihundert Porträts deutschsprachiger Autoren aus vier Jahrhunderten, 1999 und 2007 heraus.

In seiner Amtszeit von 1986 bis 1991 als Direktor der Nationalgalerie (DDR) zeigte er eine Reihe von Ausstellungen zu Künstlern des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter Wolfgang Mattheuer, Wilhelm Lehmbruck, Werner Tübke, Gerhard Altenbourg und Bernhard Heisig und organisierte aus Beständen der Nationalgalerie Ausstellungen in Wien und verschiedenen Orten der Vereinigten Staaten.

In seinen zahlreichen Veröffentlichungen widmete er sich überwiegend der Kunst des 19. Jahrhunderts (Adolph Menzel, Friedrich Schinkel, Philipp Otto Runge und andere Romantiker) und der Geschichte der Kunstgeschichtsschreibung. In seiner Arbeit als freier Kunsthistoriker war er vielfach Herausgeber, so „Ronald Paris. Lob des Realismus“ (Faber & Faber 2008), und engagierte sich in der Leibniz-Sozietät mit Vorträgen und Diskussionen, wie bei der Gedenkveranstaltung für Peter H. Feist 2016, und auch in der Winckelmann-Gesellschaft in Stendal, deren Arbeitskreis für Theorie und Geschichte der Kunstgeschichtsschreibung er angehörte.

Mir ist noch bewusst, wie er im 6. Arbeitskreis den Grund für das Vergessen mancher Künstler im Normdenken feststellte und zwar dank seines Nachdenkens über Georg Dehio (München 2004) und dessen Gegensatz zur klassischen Norm. Wenn er den theoretischen Standort der Referenten im Wissenschaftsgefüge herausschälte, machte er die unterschiedlichen Urteile über Kunstwerke bewusst, wie sie sich zwar ablösten, aber wie jedes neue Erklären bestimmte ältere Erklärungsvorschläge zur Voraussetzung haben, wie sich bestimmte kultur- und geistesgeschichtliche Situationen wiederaufleben können und folglich kunsttheoretische Grundsätze und Methoden erneut bedürfen. Eine besondere Rolle spielte seine Forschung zur Methodologie der Kunstgeschichte, wo er die in der DDR spärlich erhältliche Fachliteratur durch den Beitrag „Zur kunsthistorischen Erklärung“ als Beilage zur „Bildenden Kunst“, 6/81, enorm bereicherte. Mit den Punkten Erklärung als Interpretation, Genetische „Erklärung“, Funktionale „Erklärung“, Motivationale „Erklärung“, Nomologische Erklärungund Komplexität der kunstgeschichtlichen Erkenntnis fasste er alle wesentlichen Theorien in einer großartigen Überblicksschau zusammen und hob ihre besondere Bedeutung für eine komplexe Synthese hervor. Mit Peter Betthausen verliert unsere Gelehrtengesellschaft einen geschätzten Kollegen, der in der Kunstgeschichte bedeutende wissenschaftliche Beiträge geleistet hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Peter Arlt