Kolloquium zu Ehren des 80. Geburtstages von MLS Prof. Dr. Peter Oehme zu Thema „Historisches und aktuelles zur Arzneimittelforschung“

 

„Die Handlungen der Menschen leben fort in den Wirkungen

                                                                                                                       G..W.  Leibniz

Am 12. Oktober 2017 fanden im Schloss Biesdorf – im Rahmen der „Biesdorfer Begegnung mit der Wissenschaft“  – zwei Veranstaltungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V (LS) in Kooperation mit der Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e. V. statt.

In der Plenarveranstaltung am Vormittag ging es um Wirken und Wirkung Martin Luthers 500 Jahre nach Beginn der Reformation.

Das Nachmittagskolloquium – aus Anlass des 80. Geburtstages des Mitgliedes der Leibniz Sozietät Prof. Peter Oehme – stand unter dem Thema „Historisches und Aktuelles zur Arzneimittelforschung“. Der Präsident der Leibniz-Sozietät eröffnete das Kolloquium und würdigte eingehend die wissenschaftlichen Leistungen des Jubilars. Prof. Banse hob das Peter Oehme stetig leitende und verpflichtende Credo hervor, die pharmakologische Grundlagenforschung mit der Klinikorientierung und der Arzneimittelforschung organisch und bleibend zu verbinden. Diese Triade konturierte auch alle nachfolgenden Vorträge. Der Eingangsvortrag von Prof. Erhard Göres und Prof. Werner Scheler (MLS) zu „Erfahrungen aus dem Akademie-Industrie-Komplex Arzneimittelforschung (AIK)“ berichtete über die Pionierarbeit des 1976 gegründeten ersten Akademie-Industrie-Komplexes der DDR. Neben der historischen Betrachtung wurden mehrfach Analogien zu heutigen Problemen im Translationsprozess erörtert.

Der nachfolgende Vortrag des Moskauer Biochemikers Prof. Oleg Gomazkov aus dem Institut für Biomedizinische Chemie der Russischen Akademie der Wissenschaften reflektierte den Weg gemeinsamer Forschungen „Von der Substanz P zu den Reguliden der adulten Neurogenese im Gehirn“. Ein Gebiet, das  bis heute u.a. für die Demenzproblematik, andere kognitive Beeinträchtigungen sowie  verschiedene Mechanismen und ambivalente  Wirkungen von  Peptidregulatoren herausfordernd  und wertvoll bleibt. Peter Oehmes umfangreiche wissenschaftliche Leistungen auf dem Feld der Neuropharmakologie und der Peptidforschung überdauerten nicht nur die Wende, sondern sind konzeptionell, stofflich, methodisch und hinsichtlich ihres therapeutischen  Potentials  hoch aktuell. Mit  seinen „Reminiszenzen aus 2x 25 Jahren“ vermittelte der Jubilar einen Einblick in seine erfolgreiche diesbezügliche pharmakologische Denkweise, die eigenen Strategien, die Bedingungen seines unermüdlichen Wirkens und das beharrliche wissenschaftliche sowie gesellschaftliche Engagement.

Der Grundsatzvortrag von Prof Wolf-Dieter Ludwig, seit 2007 Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, bildete einen Höhepunkt des Kolloquiums. In seinem Vortrag „Entwicklung von Arzneimitteln: Wie definieren wir Innovationen und erkennen den therapeutischen Fortschritt?“ wurde ein Schlüsselproblem der gegenwärtigen Entwicklung tiefgründig kritisch analytisch dargestellt, dabei signifikante Defizite und einige Lösungsansätzen aufgezeigt. Prof. Ludwig begründete überzeugend sein Bekenntnis, dass die   Einschätzung eines neuen Arzneimittels nur auf der Grundlage guter Evidenz aus wissenschaftlich fundierten klinischen Studien  geschehen kann. Nicht zuletzt wegen der zunehmenden Anzahl „verkürzter“ Zulassungsverfahren, seien nach der Zulassung verstärkt unabhängige Studien unverzichtbar, um  den therapeutischen Wert eines Arzneimittels bestimmen zu können.  Besonders deutlich wurde, dass dabei vielfältige Interessenkonflikte wirken, die nicht selten weitere Entwicklungen behindern. Mit dem hierzu von der Leibniz-Sozietät initiierten Diskussionsbeitrag von Dr. Norbert Gerbsch vom Bundesverband der pharmazeutischen Industrie mit dem Thema „Arzneimittel und Innovationen: Vielfältiger als gedacht“ wurde versucht, den hierzu notwendigen Dialog zu unterstützen. Eine Fortführung dieses Diskurses in der Leibniz Sozietät entspräche unseres Erachtens durchaus ihrem programmatischen Anliegen und den objektiven gesellschaftlichen Erfordernissen.

Im – unter ihren persönlichen Aspekten bereits zitierten – Beitrag des Jubilars zu „Reminiszenzen aus 2×25 Jahren“ wurden zudem institutionelle Wege und Ergebnisse des von ihm 1976 gegründeten Institutes für Wirkstoffforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften der DDR bis zum 25-jährigen Jubiläum des daraus hervorgegangenen Leibniz-Forschungsinstitutes  für Molekulare Pharmakologie (FMP) dargestellt. An den vier Postern von jetzigen  Mitarbeitern des FMP und frühere Mitarbeiter des IWF, wurde beim anschließenden get together hierzu ausführlich diskutiert.

Die Veranstaltung bestätigt in ermutigender Weise den – beide Veranstaltungen  verbindenden  – Aphorismus unseres Gründers und Namensgebers G.W. Leibniz:

Die Handlungen der Menschen leben fort in den Wirkungen“

 

Lutz-Günther Fleischer, Sekretar der Klasse Naturwissenschaften und Technikwissenschaften
Heinz- Jürgen Rothe, Sekretar des Plenums.