Die Leibniz-Sozietät trauert um ihr Mitglied, den Lateinamerikanisten und Romanisten Hans-Otto Dill, der am 27. April 2026 verstorben ist.

Foto Dietmar Linke (MLS)                       Nachruf von Ottmar Ette (MLS)
Am 27. April 2026 ist der am 4.7.1935 in Berlin geborene und in Anklam aufgewachsene Hans-Otto Dill im Alter von 90 Jahren verstorben. Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, in die er 1995 gewählt wurde, ehrt ihn als langjährigen, von 2009 bis 2017 amtierenden Sekretar der Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften, als Mitglied des Präsidiums unserer Sozietät sowie als international renommierten Wissenschaftler.

Es war nach Dills eigenem Bekunden seine Lehrerin Rita Schober, die schillernde Grande Dame der ostdeutschen Romanistik und Gründungsmitglied der Leibniz-Sozietät, die ihren wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin – folgen wir Dills eigener autobiographischen Skizze aus dem Jahre 2007 – auf das Themenfeld »Lateinamerika« ansetzte (vgl. Dill 2007). Unter Schobers Leitung verfasste der spätere „ostwestliche Philologe“ (Schober) seine Examensarbeit über die Wallenstein-Übersetzung von Benjamin Constant (zur Verteidigung dieser Arbeit vgl. Dessau/Schober 1970) wie seine 1969 abgeschlossene Dissertation A mit dem Titel Das Problem der Aktualität der Agitation und des Publikumbezuges im Werk Nicolás Guilléns (Dill 2007). Damit wurde Dill laut Schober zum eigentlichen Begründer der Lateinamerikanistik an der Berliner Humboldt-Universität. Ihm gelang 1975 der internationale Durchbruch mit seinem Band El ideario literario y estético de José Martí (Dill 1975a), erhielt der damals knapp Vierzigjährige doch als erster nichtspanischsprachiger Autor für diese Untersuchung den renommierten kubanischen Premio Casa de las Américas in der Kategorie »Ensayo«.

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