Bericht zur Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät am 19. Mai 2026

Am 19. Mai 2026 fand die Jahrestagung 2026 der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin statt. Die Tagung fand in Zusammenarbeit mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und der Berliner Medizinischen Gesellschaft statt und stand unter dem Titel:

Aus Gesundheitskrisen lernen und gemeinsam besser werden

Vortragsort war das geschichtsträchtige Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin-Mitte in direkter Nachbarschaft zur Charité und zur Humboldt-Universität. Wie der Verlauf der Tagung zeigte, hätte sich für die Vorträge und die Diskussionen kaum ein geeigneterer Ort finden können.

Gerda Haßler begrüßt die Teilnehmer der Jahrestagung 2026
Gerda Haßler begrüßt die Teilnehmer der Jahrestagung 2026 (Foto: Gerhard Pfaff)

Zu Beginn der Jahrestagung begrüßte die Präsidentin der Leibniz-Sozietät Gerda Haßler etwa 50 Mitglieder und Freunde der Sozietät. In ihren Ausführungen verwies sie zunächst darauf, dass die Covid-19-Pandemie die Welt nicht nur in ihrer unmittelbaren Auswirkung erschütterte, sondern auch grundlegende Fragen zur globalen Gesundheitsvorsorge aufgeworfen hat. Insbesondere die Bedeutung der Grundlagenforschung in den Bereichen Impfstoffe, Diagnostik und Überwa­chung ist in den Fokus gerückt. Des Weiteren hat die Pandemie die Interdependenz zwischen mensch­licher Gesundheit, Tiergesundheit und Umwelt unter dem One-Health-Concept verdeutlicht, was insbesondere vor dem Hintergrund des fortschrei­tenden Klimawandels an Relevanz gewinnt. Gerda Haßler stellte fest, dass die Pandemie komplexe ethische und rechtliche Fragen berührt hat, etwa zu Grundrechtseingriffen, Risikobewertungen und staatlicher Verantwortung. Ebenso zeigte die Pandemie, wie entscheidend eine realistische Risikowahrnehmung und eine vertrau­enswürdige Wissenschaftskommunikation für das gesellschaftliche Krisenmanagement sind. Am Ende ihrer Ausführungen wünschte sie der Tagung einen guten und erfolgreichen Verlauf.

Martin Beer beim Vortrag
Martin Beer beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Im ersten Vortrag der Tagung sprach Martin Beer (Friedrich-Loeffler-Institut) zum Thema Von der Zoonose zur Pandemie: Pandemisches Potenzial und Mechanismen am Beispiel von Influenzaviren. Er stellte dar, dass Influenzaviren exemplarisch zeigen, wie aus einer Zoonose eine Pandemie entstehen kann. Der Vortrag beleuchtete zoonotische Influenza-A-Viren (IAV) und die Mechanismen, die ihr pandemisches Potenzial bestimmen. Hauptreservoir sind wilde Wasservögel (v. a. Enten, Gänse, Möwen), in denen eine große genetische Vielfalt zirkuliert und durch Reassortment neue Virusvarianten entstehen. Über Kontaktzonen zu Hausgeflügel können diese Viren in Nutztiersysteme eingetragen werden. Ein weiteres wichtiges Reservoir sind Pelztiere und Schweine, die als „Mischgefäß“ dienen können, weil sie sowohl aviäre als auch humane IAV aufnehmen und damit Anpassungsschritte an Säuger sowie genetische Neukombinationen begünstigen. Im Mittelpunkt stehen derzeit HPAI-Viren des Subtyps H5N1 mit unterschiedlichen Kladen, die sich regional etabliert haben und wiederholt Spillover in Säuger und auch den Menschen zeigen. Gleichzeitig werden niedrigpathogene aviäre IAV wie H7-, H9- und H10-Viren diskutiert, die insbesondere in Asien vereinzelt auf den Menschen übergehen und so ein Risiko darstellen können. Anhand zentraler Faktoren wie Wirtsbarrieren, Rezeptorbindung, Polymerase-Anpassungen, Transmission und Immunescape wurde im Vortrag das Risiko zoonotischer IAV bis hin zum prepandemischen Zustand herausgearbeitet. Abschließend wurden Konsequenzen für Überwachung und Risikobewertung im One-Health-Ansatz skizziert, um frühe Warnsignale zu erkennen und präventive Maßnahmen zu priorisieren.

Der folgende Vortrag Pandemien verstehen: Erkenntnisse aus der Zeit vor Corona wurde von Klaus Stöhr (MLS) gehalten. Der Vortragende konnte nicht persönlich anwesend sein, so dass die Präsentation als Aufzeichnung eingespielt wurde. Der Vortrag zeigte auf, dass es Pandemien gibt seit Menschen existieren. Mehr als 70% der in den letzten Jahren neu auf den Menschen übertragenen Infektionserreger sind Zoonosen; stammen also vom Tier. Beim Auftreten neuer Atemwegserreger beim Menschen mit hoher Übertragungsrate und dem daraus resultierenden Versagen der Auslöschungsversuche kommt es zu Pandemien mit gesetzmäßiger, rascher weltweiter Ausbreitung und der schrittweiser, unausweichlichen Durchseuchung der Gesamtpopulation. Klaus Stöhr stellte fest, dass umfangreiches, für die Bekämpfung des SARS-CoV-2-Erreger wesentliches Wissen bereits in den ersten Monaten und auch vor dem Erstauftreten des SARS-CoV-2-Erreger vorlag. Vor dem Ausbruch des SARS-CoV-2 Virus war z.B. bekannt, dass parenterale Impfstoffe nicht zu einer vollständigen Unterbindung der Reinfektion und Virusausscheidung bei Atemwegsinfektionen führen können. Das wurde zwar bereits bei der Impfstoffentwicklung berücksichtigt; aber bei der Bekämpfung nicht beachtet. Die Entstehung von Virus-Varianten war genauso vorhersagbar wie, dass dieser Prozess bei Coronaviren gebremster verläuft als z.B. bei Influenza-Viren. Aus der Erregerevolution war es biologisch hochplausibel, dass sich neue Erreger an den neuen Wirt (Mensch) anpassen werden, was in der Regel zu einer Pathogenitätsreduktion führt. Mit diesem Wissen allein hätten sich wesentliche Ziel- und Strategiefehler vermeiden lassen: «generell» Infektionen verhüten in allen Altersgruppen ohne Berücksichtigung der Dynamik der Impfstoffverfügbarkeit und des zu erwartenden Wirksamkeitsspektrums sowie der (beinahe ausschließliche) Fokus auf die gesundheitlichen Auswirkungen der Infektion und der Maßnahmen ohne ausreichende Abschätzung von Nutzen und Risiken. Beim Krisenmanagement wurden die Grundprinzipien einer strukturierten, interdisziplinären Krisenberatung missachtet und die systematische Begleitevaluierung und -forschung vernachlässigt. Das sehr früh (Feb 2020) international generierte Wissen z.B. über den Umfang der altersabhängigen Sterblichkeit blieb u.a. bei der Alterstratifizierung der Bekämpfungsmaßnahmen wesentlich unberücksichtigt. Völlig unverständlich bleibt die Aufrechterhaltung der Kontaktnachverfolgung bis fast zum Pandemieende mit den u.a. dramatischen Einschränkungen der Fähigkeiten der Gesundheitsämter für die Betreuung der Alters- und Pflegeeinrichtungen.

Claudia Spies beim Vortrag auf der Jahrestagung
Claudia Spies beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Claudia Spies (Charité – Universitätsmedizin Berlin; Berliner Medizinische Gesellschaft) stellte in ihrem Vortrag „Telemedizinische intensivmedizinische Versorgung – Erfahrungen aus SAVE.Berlin@COVID-19“ die intensivmedizinische Ausgangslage vor der Pandemie und die Entwicklung telemedizinischer Netzwerkstrukturen dar. Deutschland verfügt zwar über einen guten Zugang zur intensivstationären Versorgung aber die Verteilung der Kapazitäten und die Qualität der Versorgung sind jedoch regional und strukturell heterogen.

Anhand des ERIC-Projekts erläuterte Claudia Spies, wie telemedizinische Intensivmedizin genutzt werden kann, um Krankenhäuser zu vernetzen, Evidenz in die Fläche zu übertragen und Qualitätsindikatoren der DIVI (Sedierung, Analgesie, Delirmanagement, Beatmung, Infektionsprävention, Ernährung und Angehörigenkommunikation) systematisch in den Behandlungsalltag einzubringen. Die vorgestellten Daten zeigten, dass Televisiten Qualitätsverbesserungen ermöglichen können und beispielhaft wurde der Qualitätsindikator „Delir, Analgesie, Sedierung“ mit einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung dargestellt. Für die erste COVID-19-Welle in Berlin erläuterte die Referentin das Konzept von SAVE.Berlin@COVID-19 mit zentraler Steuerung der Intensivkapazitäten, ARDS-/ECMO-Zentrum, ARDS-Hotline, Telemedizin-Hub, Covid-Koordination und einem gestuften Netzwerk von Level-1-, Level-2- und Level-3-Krankenhäusern. Ziele waren eine bessere Patientenallokation, die Vermeidung lokaler Überlastung und die Dissemination evidenzbasierter Behandlung durch Telemedizin. Die Kennzahlen der ersten Welle, darunter telemedizinische Konsultationen pro Tag, ein großes Kliniknetzwerk und mehrere Tausend Konsultationen in kurzer Zeit, illustrierten die Skalierbarkeit des Ansatzes.

Der Ausblick zeigte, dass telemedizinische Intensivnetzwerke auch jenseits akuter Pandemielagen Bedeutung haben: als Instrument regionaler und perspektivisch nationaler Vernetzung, für Fort- und Weiterbildung, Qualitätsmanagement, Fallkonferenzen, Leitlinienarbeit und Forschung.

Blick auf die Teilnehmenden der ersten Podiumsdiskussion (v.l.n.r. Martin Beer, Claudia Spies, Detlev Krüger, Jonas Schmidt-Chanasit) (Foto: Gerhard Pfaff)

Die Podiumsdiskussion des Vormittags wurde von Detlev Krüger (Mitglied der Leibniz-Sozietät) geleitet. Auf dem Podium diskutierten Martin Beer, Claudia Spies und Jonas Schmidt-Chanasit mit dem Auditorium. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie zoonotische Risiken frühzeitig erkannt werden können, welche Lehren aus der Influenza- und SARS-CoV-2-Forschung für künftige Krisen zu ziehen sind und wie klinische Versorgung, öffentliche Gesundheitsdienste und wissenschaftliche Beratung besser miteinander verzahnt werden können. Besonders hervorgehoben wurde die Notwendigkeit eines belastbaren One-Health-Monitorings, das virologische, veterinärmedizinische, ökologische und klinische Daten zusammenführt. Ebenso wurde diskutiert, wie begrenzte Ressourcen in Krisen sinnvoll priorisiert werden können: etwa zwischen Surveillance, Diagnostik, Schutz vulnerabler Gruppen, Versorgungssteuerung und wissenschaftlicher Begleitevaluation. Die Diskussion zeigte, dass Vorbereitung auf Gesundheitskrisen nicht nur technisches Wissen, sondern auch klare Verantwortlichkeiten, lernende Strukturen und verlässliche Kommunikation erfordert

Frauke Rostalski beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Nach der Mittagspause eröffnete Frauke Rostalski (Universität zu Köln) die Reihe der Präsentationen mit dem Vortrag Diskursvulnerabilität: Beeinträchtigungen der Meinungsfreiheit in und nach der Pandemie. Der Vortrag widmete sich dem Konzept der Diskursvulnerabilität – einer gesteigerten Verletzlichkeit in der öffentlichen Kommunikation, die sowohl individuelle Empfindlichkeiten als auch gesellschaftliche Reizlagen betrifft. Dieses Phänomen hat in den vergangenen Jahren, insbesondere während und nach der Pandemie, erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Corona‑Zeit war geprägt von einer Atmosphäre, in der kontroverse Positionen häufig nicht mehr als legitime Beiträge zur Debatte verstanden wurden, sondern als Angriff, Zumutung oder potenzielle Gefährdung. Dadurch verschoben sich Maßstäbe dessen, was als sagbar, diskutierbar und zumutbar galt. Der Vortrag zeigte auf, wie diese Entwicklung entstand und welche Dynamiken sie verstärkt haben: moralische Aufladung, Polarisierung, Schnellurteile, soziale Medien und ein wachsender gesellschaftlicher Druck, sensibel, rücksichtsvoll und verletzungsscheu zu kommunizieren. Gleichzeitig wurde dargestellt, wie sich diese Diskursvulnerabilität in den Jahren nach der Pandemie fortgesetzt und teilweise noch intensiviert hat – etwa in Debatten über Klima, Migration oder Identitätsfragen. Im Zentrum des Vortrags stand die Frage, wie diese kommunikative Verletzlichkeit den offenen Diskurs beeinträchtigt: Sie führt zu Vermeidung unbequemer Themen, zu einer Verengung akzeptierter Positionen und zu Konfliktscheu, die kritische Auseinandersetzung erschwert. Damit stellt sie nicht nur eine Herausforderung für die Qualität öffentlicher Gespräche dar, sondern auch für die Funktionsfähigkeit einer demokratischen Kultur, die auf kontroverse, auch reibungsvolle, aber offene Diskussionen angewiesen ist. Der Vortrag von Frauke Rostalski lud dazu ein, Überempfindlichkeit im Diskurs zu erkennen, zu verstehen und Wege aufzuzeigen, wie eine freiheitliche, streitbare demokratische Gesprächskultur wieder gestärkt werden kann.

Peter Wiedemann beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Im sich anschließenden Vortrag mit dem Titel Bruchstellen der Risikokommuni­kation in der Pandemiezeit analysierte Peter Wiedemann (Monash University, Melbourne) die Risikokommunikation während der COVID-19-Pandemie als eine regulative Normalform, die sich von der Befähigung zu informierten Entscheidungen hin zur gezielten Verhaltenssteuerung verschob. Adressaten wurden nicht länger primär als autonome Entscheider angesprochen, sondern als kognitiv überforderte und fehleranfällige Akteure, deren Verhalten politischer Lenkung bedarf. An die Stelle aufklärungsorientierter Kommunikation trat damit eine choice-architecture-basierte Risikokommunikation, die primär auf Compliance zielte. Anhand konkreter Kommunikations- und Diskurspraktiken wurde im Vortrag untersucht, wie diese persuasive Kommunikationsform strukturell aufgebaut, legitimiert und stabilisiert wurde. Im Fokus stand dabei das Zusammenspiel wissenschaftlicher Wissensproduktion – einschließlich der Rolle von Fachzeitschriften als Gatekeeper und der politischen Selbstpositionierung von Wissenschaftlern. Theoretisch wird diese Dynamik mit A. Kruglanskis Konzepten des seizing und freezing sowie der Forschung zu motivated reasoning gefasst: Unter Bedingungen von Unsicherheit, Zeitdruck und normativer Erwartung diente Risikokommunikation in der Zeit der COVID-19-Pandemie einer epistemischen Festlegung, die anschließend stabilisiert und gegenüber abweichender Evidenz abgeschirmt wurde. In diesem Sinne trat eine policy-based evidence an die Stelle einer evidence-based policy. Ergänzend wurde von Peter Wiedemann unter Aufgreifen von Hermann Lübbes Konzept der empirischen Apokalyptik gezeigt, wie modellbasierte Erwartungen kommunikativ aufgewertet und zu quasi-empirischen Gewissheiten verdichtet wurden, während differenzierte, beobachtungsbasierte Risikobewertungen in den Hintergrund traten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle medialer Akteure analysiert, insbesondere die Funktion von Faktenchecks und moralisch aufgeladenen Narrativen. Diese wirkten stabilisierend, indem sie festlegten, welche Deutungen als vernünftig, verantwortungsvoll und sozial geboten galten, und alternative Perspektiven diskursiv marginalisierten. Dem beschriebenen diskursiven Compliance-Komplex wurde der Beutelsbacher Konsens als produktives normatives Orientierungsangebot gegenübergestellt. Er steht für eine Form von Risikokommunikation, die auf die Stärkung eigenständiger Urteilsfähigkeit zielt, anstatt auf kognitive Schließung oder implizite Verhaltenslenkung. Das Überwältigungsverbot markiert dabei die Grenze legitimer Einflussnahme und sichert kommunikative Fairness. Das Kontroversitätsgebot gewährleistet, dass alternative Bewertungen und Unsicherheiten auch unter Krisenbedingungen sichtbar bleiben. Die Berücksichtigung unterschiedlicher Betroffenheiten trägt schließlich dazu bei, Risiken differenziert statt pauschal zu adressieren. Wo diese Prinzipien leitend sind, bleibt Risikokommunikation ein emanzipatorisches Verfahren demokratischer Meinungsbildung, das Orientierung ermöglicht, ohne Entscheidungsspielräume zu schließen.

Jonas Schmidt-Chanasit beim Vortrag (Foto: Gerhard Pfaff)

Der Vortrag von Jonas Schmidt-Chanasit (MLS) mit dem Titel Ausblick: Klimawandel und vektorübertragene Infektionen schloss die Reihe der Präsentationen ab. Er zeigte auf, dass der Klimawandel die ökologische Dynamik vektorübertragener Infektionskrankheiten grundlegend verändert. Es ist evident, dass sich die Verbreitung, Dichte und saisonale Aktivität von Vektoren wie Stechmücken und Zecken unter dem Einfluss von steigenden Temperaturen, veränderten Niederschlagsmustern und zunehmenden Extremwetterereignissen verändern. In der Folge kommt es zu einer Verschiebung von Risikogebieten und Transmissionszeiträumen, auch in den gemäßigten Breiten Europas. Der Vortrag von Jonas Schmidt-Chanasit behandelte die komplexen Zusammenhänge zwischen klimatischen Faktoren, globaler Mobilität und lokalen ökologischen Bedingungen am Beispiel von West-Nil-Virus, Dengue- und Chikungunya-Virus. Deutschland ist längst kein „Nicht-Endemiegebiet“ mehr, wie die autochthone Übertragung des West-Nil-Virus belegt. Im Rahmen des Vortrags erfolgte eine Erörterung der Frage, welche Lehren aus der Pandemie des Coronavirus (SARS-CoV-2) für die Vorbereitung auf klimabedingte Gesundheitsrisiken abgeleitet werden können. Im Fokus standen robuste Surveillance-Systeme, integrierte One-Health-Ansätze, leistungsfähige Diagnostik sowie transparente Risikokommunikation. Nur durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Humanmedizin, Veterinärmedizin, Umweltwissenschaften, Politik und Öffentlichkeit kann eine nachhaltige Stärkung der Resilienz gegenüber zukünftigen Gesundheitskrisen erreicht werden.

Blick auf die Teilnehmenden der zweiten Podiumsdiskussion (v.l.n.r. Peter Wiedemann, Frauke Rostalski, Detlev Krüger, Jonas Schmidt-Chanasit) (Foto: Gerhard Pfaff)

Die zweite Podiumsdiskussion wurde erneut von Detlev Krüger geleitet. Gemeinsam mit Frauke Rostalski, Peter Wiedemann und Jonas Schmidt-Chanasit wurden die Vorträge des Nachmittags vertieft. Die Diskussion kreiste um die Frage, wie in Gesundheitskrisen zwischen notwendiger Vorsorge, Freiheitsrechten, gesellschaftlicher Polarisierung und wirksamer Risikokommunikation vermittelt werden kann. Aus dem Auditorium wurden insbesondere die Grenzen legitimer staatlicher Einflussnahme, die Rolle wissenschaftlicher Expertise in politischen Entscheidungsprozessen, der Umgang mit Unsicherheit sowie die Gefahr einer moralischen Verengung öffentlicher Debatten aufgegriffen. Deutlich wurde, dass Vertrauen nicht durch Vereinfachung oder Überwältigung entsteht, sondern durch Transparenz, Widerspruchsfähigkeit, offene Kontroverse und eine Kommunikation, die Bürgerinnen und Bürger als urteilsfähige Akteure ernst nimmt. Zugleich zeigte die Diskussion, dass naturwissenschaftliche Evidenz, rechtliche Maßstäbe und gesellschaftliche Akzeptanz in Krisen nicht getrennt voneinander behandelt werden können.

Das Schlusswort der Tagung hielt die Präsidentin der Leibniz-Sozietät, Gerda Haßler. Sie fasste die Ergebnisse der Veranstaltung zusammen und verwies auf das außerordentlich hohe Niveau der Vorträge und der Diskussionen. Sie konstatierte, dass die Tagung einen wichtigen Beitrag geleistet hat, um die Themen Aufarbeitung der Covid-19-Pandemie, Gesundheitsvorsorge, One-Health-Health-Concept, Einfluss des Klimawandels im Bereich von Pandemien, Grundrechtseingriffe, Risikobewertungen, realistische Risikowahrnehmung, vertrauenswürdige  Wissenschaftskommunikation und Krisenmanagement zu behandeln.

Es ist vorgesehen, die Vorträge in geeigneter Form zu publizieren

Gerhard Pfaff, Jonas Schmidt-Chanasit 

Fotos: Gerhard Pfaff