Zum interdisziplinären Gebrauch und Transfer von Begriffen am Beispiel der Ökonomie
Die Veranstaltung findet im hybriden Formst statt. Für den Erhalt der Zoom-Daten richten Sie bitte eine Mail an g.hassler@leibnizsozietaet.de
Abstract:
Der Vortrag thematisiert die disziplinäre Einordnung und die historische Entwicklung der Ökonomie/Ökonomik. Dabei wird auf die enge Beziehung zwischen den Wirtschafts- und den Sozial- sowie Rechtswissenschaften hingewiesen. Ein ökonomisches Denken gibt es, seitdem es Wirtschaft gibt, also seit der ersten Zeitenwende im Neolithikum. Dieses war jedoch vorwissenschaftlich und mythologisch geprägt. Im Mittelalter gewannen Philosophie und Theologie Einfluss auf das ökonomische Denken und Vokabular. Mit der zweiten Zeitenwende, der kopernikanischen, bildete sich im Verlaufe des 16./17. Jh. die kapitalistische Produktionsweise heraus. Mit ihr formte sich die Ökonomie erstmals als eigenständige Wissenschaftsdisziplin. Die ersten Ökonomen aber waren Kaufleute, also Praktiker des Geldverdienens. Methodik, Denkstil und Terminologie wurden aus anderen Disziplinen transferiert; die Mathematik wurde zur „Sprache“ der Ökonomie und die aus der Mythologie, Theologie und Metaphysik stammenden Paradigmen, Normative und Termini wurden eliminiert. Im 19./20. Jh. wurde die Ökonomie zur dominanten Disziplin. Mithin wurden ihre Logik, Methodik und Begrifflichkeit für Politik und Gesellschaft bestimmend. Dies hat Konsequenzen für die „große Erzählung“ der Zeitgeschichte, das Denken (auch anderer Disziplinen) und die Alltagssprache, wie sich an ausgewählten Beispielen belegen lässt.
Ulrich Busch studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Finanzökonomie, wurde 1976 zum Dr. oec. promoviert und habilitierte sich 1984 auf dem Gebiet der Finanzwissenschaft. 1987 wurde er zum ord. Dozenten für Politische Ökonomie berufen. Nach 1990 wirkte er aktiv an der Umstrukturierung der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität mit. Bis zum Eintritt in den Ruhestand war er als Dozent und Leiter wissenschaftlicher Projekte an der Humboldt-Universität, der Technischen Universität Berlin sowie an anderen Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie im privaten Bankwesen tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geldtheorie, Transformation sowie ökonomische Aspekte der deutschen Vereinigung.
Ulrich Busch (MLS)
Zum interdisziplinären Gebrauch und Transfer von Begriffen am Beispiel der Ökonomie
Die Veranstaltung findet im hybriden Formst statt. Für den Erhalt der Zoom-Daten richten Sie bitte eine Mail an g.hassler@leibnizsozietaet.de
Abstract:
Der Vortrag thematisiert die disziplinäre Einordnung und die historische Entwicklung der Ökonomie/Ökonomik. Dabei wird auf die enge Beziehung zwischen den Wirtschafts- und den Sozial- sowie Rechtswissenschaften hingewiesen. Ein ökonomisches Denken gibt es, seitdem es Wirtschaft gibt, also seit der ersten Zeitenwende im Neolithikum. Dieses war jedoch vorwissenschaftlich und mythologisch geprägt. Im Mittelalter gewannen Philosophie und Theologie Einfluss auf das ökonomische Denken und Vokabular. Mit der zweiten Zeitenwende, der kopernikanischen, bildete sich im Verlaufe des 16./17. Jh. die kapitalistische Produktionsweise heraus. Mit ihr formte sich die Ökonomie erstmals als eigenständige Wissenschaftsdisziplin. Die ersten Ökonomen aber waren Kaufleute, also Praktiker des Geldverdienens. Methodik, Denkstil und Terminologie wurden aus anderen Disziplinen transferiert; die Mathematik wurde zur „Sprache“ der Ökonomie und die aus der Mythologie, Theologie und Metaphysik stammenden Paradigmen, Normative und Termini wurden eliminiert. Im 19./20. Jh. wurde die Ökonomie zur dominanten Disziplin. Mithin wurden ihre Logik, Methodik und Begrifflichkeit für Politik und Gesellschaft bestimmend. Dies hat Konsequenzen für die „große Erzählung“ der Zeitgeschichte, das Denken (auch anderer Disziplinen) und die Alltagssprache, wie sich an ausgewählten Beispielen belegen lässt.
Ulrich Busch studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Finanzökonomie, wurde 1976 zum Dr. oec. promoviert und habilitierte sich 1984 auf dem Gebiet der Finanzwissenschaft. 1987 wurde er zum ord. Dozenten für Politische Ökonomie berufen. Nach 1990 wirkte er aktiv an der Umstrukturierung der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität mit. Bis zum Eintritt in den Ruhestand war er als Dozent und Leiter wissenschaftlicher Projekte an der Humboldt-Universität, der Technischen Universität Berlin sowie an anderen Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie im privaten Bankwesen tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geldtheorie, Transformation sowie ökonomische Aspekte der deutschen Vereinigung.
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