Die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. trauert um ihr Mitglied, den Chemiker Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herbert W. Roesky, der am 5. Dezember 2026 verstorben ist

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herbert W. Roesky, MLS (1935-2025) (Foto: privat)

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herbert W. Roesky wurde am November 1935 in Laukischken (Ostpreußen) geboren. Über Jahrzehnte prägte er die anorganische und metallorganische Chemie in Deutschland und weltweit. 1963 promovierte er bei Oskar Glemser an der Georg-August-Universität Göttingen über Fluorierungsreaktionen unter hohem Druck. Nach einem Postdoc-Aufenthalt bei DuPont in den USA habilitierte er sich 1967 in Göttingen. 1971 wurde er zum Professor für Anorganische Chemie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main berufen. Von 1973 bis 1976 war er Direktor des dortigen Instituts für Anorganische Chemie. 1980 kehrte er an das Institut für Anorganische Chemie an die Universität Göttingen zurück. Von 1985 bis 1987 war er Dekan des Fachbereichs Chemie. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 wirkte er an der Universität Göttingen

Die Forschungsschwerpunkte von Herbert W. Roesky, auf denen er über viele Jahre mit hohem Engagement, wissenschaftlich begründeten Überzeugungen und außerordentlicher Kompetenz als Wissenschaftler wirkte, lagen auf den Gebieten der Fluorchemie, der Chemie der Hauptgruppenelemente und der metallorganischen Chemie. Internationale Anerkennung erwarb er sich vor allem mit seinen Forschungen auf dem Gebiet der Fluorverbindungen, der Schwefel-Stickstoff-Heterozyklen und der Metallophosphazene. Seine Arbeiten auf dem Übergangsgebiet zwischen klassischer anorganischer Koordinationschemie und metallorganischer Chemie fanden weit über die Grenzen Deutschlands hinaus breites Interesse und große Beachtung.

In seinem wissenschaftlichen Leben hat Herbert W. Roesky eine außergewöhnliche Ausstrahlung erlangt. Mehr als 1400 Publikationen in renommierten Fachzeitschriften sprechen für sich. In der international herausragenden Zeitschrift „Angewandte Chemie“ war er weltweit derjenige Autor mit den meisten Publikationen. Als Gastprofessor, Honorarprofessor und Gastwissenschaftler wirkte er an Universitäten und Instituten in den USA, in Japan, China und Indien. Von 2002 bis 2008 war er Präsident der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bis kurz vor seinem Ableben war er wissenschaftlich aktiv, führte Forschungsarbeiten durch, hielt Vorlesungen und publizierte unermüdlich.

Seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen erfuhren mit der Verleihung verschiedener Wissenschaftspreise und Ehrungen eine entsprechende Würdigung. Von den Preisen seien an dieser Stelle beispielhaft nur der „Award in Inorganic Chemistry“ von der American Chemical Society, der „Prix International Henri Moissan“, der „Grand Prix de la Fondation de la Maison de la Chimie“, der „Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis“, und der „Alfred-Stock-Gedächtnispreis“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker genannt. Herbert W. Roesky war Ehrenmitglied der Royal Society of Chemistry. Darüber hinaus gehörte er als Mitglied bedeutenden nationalen und internationalen Akademien an, darunter der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, der Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Seit 2003 war er Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin, in der er mehrmals vorgetragen hat.

Mit  Herbert W. Roesky verliert unsere Gelehrtengesellschaft einen geschätzten Kollegen, der in unterschiedlichen Gebieten der Chemie bedeutende wissenschaftliche Beiträge geleistet hat. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Gerhard Pfaff