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Künstliche Intelligenz zwischen Erkenntnisfortschritt und gesellschaftlicher Verantwortung: Chancen nutzen, Risiken verstehen
Künstliche Intelligenz verändert die Bedingungen wissenschaftlicher Erkenntnis und gesellschaftlicher Wertschöpfung in einer Tiefe, die an frühere technologische Zäsuren erinnert – vom Mikroskop bis zur Digitalisierung. Doch im Unterschied zu diesen Innovationen übernimmt KI selbst epistemische Funktionen: Sie erzeugt Texte, Prognosen und Bewertungen, die wie wissenschaftliche Aussagen erscheinen, aber anderen Bedingungen folgen. Damit verschiebt sich das Verhältnis von Wissen, Wahrheit und Autorität und eröffnet zugleich neue Möglichkeiten wissenschaftlicher Analyse.
Im Zentrum der Jahrestagung 2027 stehen die epistemischen Chancen und Risiken dieser Entwicklung. KI erweitert die Reichweite wissenschaftlicher Beobachtung, indem sie eine bislang unerreichte Geschwindigkeit und Präzision bei der Auswertung großer Datenmengen ermöglicht. Sie unterstützt die Modellierung komplexer Systeme, schafft neue Räume für Simulation und erlaubt es, historische Quellen, Daten und theoretische Modelle miteinander ins Gespräch zu bringen. Diese Potenziale eröffnen neue Formen interdisziplinärer Forschung und stärken evidenzbasierte Deliberation.
Gleichzeitig entstehen epistemische Gefahren: Unsicherheiten probabilistischer Verfahren, die fehlende Semantik statistischer Modelle und die Tendenz, algorithmische Muster als objektive Wahrheit zu missverstehen. Die Epistemisierung des Politischen – die Verschiebung politischer Konflikte in den Bereich vermeintlich technischer Entscheidungen – erhält durch KI eine neue Qualität, weil algorithmische Modelle selbst zu epistemischen Akteuren werden. Historisch informierte Wissenschaftsreflexion kann sichtbar machen, dass diese Entwicklung nicht nur technisch, sondern zutiefst politisch, ethisch und normativ ist. Besonders deutlich werden diese ethischen Herausforderungen beim Einsatz von KI in bewaffneten Konflikten, etwa im Krieg in der Ukraine, wo Fragen menschlicher Kontrolle, eindeutiger Verantwortungszurechnung und der Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen über Leben und Tod besondere Dringlichkeit gewinnen.
Darüber hinaus greift KI tief in die Struktur gesellschaftlicher Produktivkräfte ein. Sie steigert Effizienz und eröffnet neue Formen der Wertschöpfung, führt aber zugleich zu neuen Formen der Abhängigkeit, Entwertung und Verschiebung von Kompetenzen sowie zur Erosion menschlicher Qualifikationen. Diese Ambivalenz verlangt nach einer präzisen Analyse der Bedingungen, unter denen KI zur Stärkung – und nicht zur Schwächung – menschlicher Fähigkeiten und gesellschaftlicher Stabilität beiträgt.
Die Tagung richtet sich an KI‑Fachleute, Naturwissenschaftler, Ingenieure, Mediziner, Geistes und Sozialwissenschaftler sowie Philosophen, Ethiker und Rechtswissenschaftler. Gemeinsam sollen die Funktionsprinzipien moderner KI – statistisches Lernen, neuronale Netze, generative Modelle – ebenso diskutiert werden wie ihre epistemischen und ethischen Grenzen, ihre Auswirkungen auf demokratische Wissenskulturen und ihre Rolle in der Transformation der Produktivkräfte. Ziel ist es, Kriterien zu entwickeln, die Chancen der KI verantwortungsvoll zu nutzen, ihre Risiken präzise zu bestimmen und Wege zu einer wissenschaftlich wie gesellschaftlich tragfähigen Zukunft zu eröffnen.
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