Prof. Dr. Hans Neumann (MLS) Zwischen Dirigismus und Recht. Zu den juristischen Aspekten staatlichen Verwaltungshandelns in Mesopotamien im ausgehenden 3. und frühen 2. Jt. v. Chr.
Abstract:
Der Vortrag steht in Verbindung mit einem aktuellen mehrjährigen Forschungsvorhaben, in dem untersucht wird, in welchem Umfang und in welcher Weise das Königtum der sog. Ur III-Zeit (21. Jh. v. Chr.) im Rahmen seiner politischen und ökonomischen Machtausübung dirigistische Maßnahmen mit rechtlichen Regelungen und Verfahren verband (nicht zuletzt auch mit Blick auf Entwicklungen in der nachfolgenden altbabylonischen Zeit im frühen 2. Jt. v. Chr.). Da für die Durchsetzung des zentralen königlichen Herrschaftsanspruchs in Mesopotamien ein rekonstruiertes bzw. in Teilen neu geschaffenes Provinzialsystem die Grundlage bildete, geht es hier vornehmlich um die Anwendung juristischer Mittel im Kontext zentraler und lokaler Befehls- und Kommunikationsstrukturen insbesondere bei der Organisation und Kontrolle der ökonomischen Aktivitäten auf Provinzebene sowohl im internen Bereich einer integrierten Palast und Tempelwirtschaft als auch in Bezug auf die Nutzung ökonomischer Ressourcen außerhalb der staatlichen Wirtschaftseinheiten. Die nachweisbaren zentralen Maßnahmen und zentral wirksame ökonomische Regelungen werden zu den dirigistisch und juristisch basierten politischen und ökonomischen Verwaltungsaktivitäten der Provinzialadministrationen in Beziehung gesetzt. Dabei wird der gerade für die Ur III-Zeit immer wieder postulierte „despotische“ Charakter der mesopotamischen Königsherrschaft kritisch hinterfragt.
Vita des Referenten:
1971–1975 Studium der Orientalischen Archäologie und Philologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; 1975–1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsgruppenleiter am Bereich Alter Orient des Zentralinstituts für Alte Geschichte und Archäologie (bis 1990 der Akademie der Wissenschaften der DDR); 1980 Promotion; 1992–1993 gefördert im Rahmen des „Wissenschaftler-Integrations-Programms“ (WIP); 1994–1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Altorientalischen Seminar der FU Berlin; 1997–1998 Habil-Stipendiat (DFG); 1998 Habilitation an der FU Berlin; 1998–1999 wissenschaftlicher Angestellter am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients (Assyriologie) an der Universität Heidelberg (Assur-Projekt); 1999–2020 Professor (C4) für Altorientalische Philologie und Direktor des Instituts für Altorientalistik und Vorderasiatische Archäologie der Universität Münster; in dieser Zeit auch Lehre in Leiden, Amsterdam und Jerusalem; 2003–2009 Vorsitzender der Deutschen Orient-Gesellschaft (DOG).
Aktuelle Forschungsschwerpunkte: sumerische und akkadische Keilschrifttexte des alten Mesopotamien vornehmlich aus dem 3. und frühen 2. Jt. v. Chr.; Wirtschafts-, Rechts- und Sozialgeschichte des alten Vorderasien; Geschichte der Assyriologie/Altorientalistik in Deutschland im ausgehenden 19. und frühen 20. Jh. und in der DDR.
Plenum der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. im
Rathaus Friedrichshagen, Historischer Ratssaal, Bölschestr. 87, 12587 Berlin
Die Sitzung findet als Hybrid-Veranstaltung (Präsenz und online) statt. Der Zoom-Link ist folgender:
https://us06web.zoom.us/j/85712757022?pwd=bFp9mNhnIWaukr0rPPssxRNx9y0CUD.1
Meeting-ID 857 1275 7022
Kenncode 061396
Vortrag:
Prof. Dr. Hans Neumann (MLS)
Zwischen Dirigismus und Recht. Zu den juristischen Aspekten staatlichen Verwaltungshandelns in Mesopotamien im ausgehenden 3. und frühen 2. Jt. v. Chr.
Abstract:
Der Vortrag steht in Verbindung mit einem aktuellen mehrjährigen Forschungsvorhaben, in dem untersucht wird, in welchem Umfang und in welcher Weise das Königtum der sog. Ur III-Zeit (21. Jh. v. Chr.) im Rahmen seiner politischen und ökonomischen Machtausübung dirigistische Maßnahmen mit rechtlichen Regelungen und Verfahren verband (nicht zuletzt auch mit Blick auf Entwicklungen in der nachfolgenden altbabylonischen Zeit im frühen 2. Jt. v. Chr.). Da für die Durchsetzung des zentralen königlichen Herrschaftsanspruchs in Mesopotamien ein rekonstruiertes bzw. in Teilen neu geschaffenes Provinzialsystem die Grundlage bildete, geht es hier vornehmlich um die Anwendung juristischer Mittel im Kontext zentraler und lokaler Befehls- und Kommunikationsstrukturen insbesondere bei der Organisation und Kontrolle der ökonomischen Aktivitäten auf Provinzebene sowohl im internen Bereich einer integrierten Palast und Tempelwirtschaft als auch in Bezug auf die Nutzung ökonomischer Ressourcen außerhalb der staatlichen Wirtschaftseinheiten. Die nachweisbaren zentralen Maßnahmen und zentral wirksame ökonomische Regelungen werden zu den dirigistisch und juristisch basierten politischen und ökonomischen Verwaltungsaktivitäten der Provinzialadministrationen in Beziehung gesetzt. Dabei wird der gerade für die Ur III-Zeit immer wieder postulierte „despotische“ Charakter der mesopotamischen Königsherrschaft kritisch hinterfragt.
Vita des Referenten:
1971–1975 Studium der Orientalischen Archäologie und Philologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; 1975–1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Forschungsgruppenleiter am Bereich Alter Orient des Zentralinstituts für Alte Geschichte und Archäologie (bis 1990 der Akademie der Wissenschaften der DDR); 1980 Promotion; 1992–1993 gefördert im Rahmen des „Wissenschaftler-Integrations-Programms“ (WIP); 1994–1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Altorientalischen Seminar der FU Berlin; 1997–1998 Habil-Stipendiat (DFG); 1998 Habilitation an der FU Berlin; 1998–1999 wissenschaftlicher Angestellter am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients (Assyriologie) an der Universität Heidelberg (Assur-Projekt); 1999–2020 Professor (C4) für Altorientalische Philologie und Direktor des Instituts für Altorientalistik und Vorderasiatische Archäologie der Universität Münster; in dieser Zeit auch Lehre in Leiden, Amsterdam und Jerusalem; 2003–2009 Vorsitzender der Deutschen Orient-Gesellschaft (DOG).
Aktuelle Forschungsschwerpunkte: sumerische und akkadische Keilschrifttexte des alten Mesopotamien vornehmlich aus dem 3. und frühen 2. Jt. v. Chr.; Wirtschafts-, Rechts- und Sozialgeschichte des alten Vorderasien; Geschichte der Assyriologie/Altorientalistik in Deutschland im ausgehenden 19. und frühen 20. Jh. und in der DDR.
Details
Veranstaltungsort
Veranstalter