Über die Voraussage des Eka-Siliciums und die Entdeckung des Germaniums
Dmitri I. Mendeleev (1834–1907) hat die Existenz mehrerer damals unbekannter Elemente erfolgreich vorhergesagt – darunter Gallium, Scandium und Germanium. Diese Elemente wurden teilweise noch zu seinen Lebzeiten entdeckt, was zu einer Überbewertung seines Beitrags bei der Aufstellung des Periodensystems führte. Auch Lothar Meyer (1830–1895) hatte Lücken im Periodensystem markiert, hielt sich aber im Gegensatz zu Mendeleev bei der Vorhersage konkreter Eigenschaften zurück. Oft wird angenommen, dass Mendeleevs Vorhersagen gezielte Suchaktionen nach diesen Elementen auslösten. Tatsächlich gab es jedoch keine speziell auf die Suche nach den vorausgesagten Elementen ausgerichteten Forschungen. In diesem Vortrag wird insbesondere der Entdeckungsprozess von Germanium beschrieben, auch im Vergleich zu Gallium und Scandium. Clemens Winkler (1838–1904), der das Germanium vor 140 Jahren entdeckte, interessierte sich in erster Linie für die Zusammensetzung des neuen Minerals Argyrodit, das in der Nähe von Freiberg gefunden wurde. Nach der Mitteilung über das Auffinden des neuen Elements akzeptierte Mendeleev es nicht als Eka-Silicium. Meyers und von Richters Briefe zeigen, dass sie den Zusammenhang zwischen Germanium und Eka-Silicium erkannten. Eine genaue Bestimmung des Atomgewichts von Germanium überzeugte Mendeleev schließlich. Später würdigte er Winkler als einen derjenigen, die das Periodensystem durch ihre Entdeckung bestätigt hatten.
CV
Gisela Boeck erhielt ihr Diplom in Chemie 1977 von der Universität Rostock. Von 1977 bis 1981 promovierte sie im Rahmen einer Aspirantur an den Universitäten Rostock und Leipzig. Von 1981 bis 2020 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Chemie der Universität Rostock. In dieser Zeit lehrte und forschte sie auf verschiedenen Gebieten der Chemie, so in der physikalischen und der organischen Chemie sowie in der Methodik des Chemieunterrichtes. Zu ihren weiteren wissenschaftlichen Aktivitäten gehörten die Initiierung des bundesweiten Netzwerkes „Chemie für Mediziner“, die Leitung des Arbeitskreises „Rostocker Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte“, die Tätigkeit als Beisitzende und Vorsitzende in der Fachgruppe „Geschichte der Chemie“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker sowie als Deputierte dieser Gesellschaft bei der Working Party on the History of Chemistry der European Association for Chemistry and Molecular Science. Während ihrer Tätigkeiten an der Universität Rostock und bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker hat Gisela Boeck eine Vielzahl von Vorträgen, Kolloquien und Tagungen organisiert. Sie war Mitglied verschiedener Prüfungs- und Berufungskommissionen. Für ihre ausgezeichnete Lehrtätigkeit erhielt sie mehrere Preise. Seit 2021 ist sie Visiting Professor an der Riga Technical University. Sie hat die Ergebnisse ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit in weit mehr als 100 Publikationen in Lehrbüchern und Fachzeitschriften veröffentlicht. Wesentliche Gebiete ihrer Publikationstätigkeit betrafen die Bereiche Quantenchemie, Chemie in der Schule und im Medizinstudium sowie Wissenschaftsgeschichte.
Gisela Boeck (MLS)
Über die Voraussage des Eka-Siliciums und die Entdeckung des Germaniums
Dmitri I. Mendeleev (1834–1907) hat die Existenz mehrerer damals unbekannter Elemente erfolgreich vorhergesagt – darunter Gallium, Scandium und Germanium. Diese Elemente wurden teilweise noch zu seinen Lebzeiten entdeckt, was zu einer Überbewertung seines Beitrags bei der Aufstellung des Periodensystems führte. Auch Lothar Meyer (1830–1895) hatte Lücken im Periodensystem markiert, hielt sich aber im Gegensatz zu Mendeleev bei der Vorhersage konkreter Eigenschaften zurück. Oft wird angenommen, dass Mendeleevs Vorhersagen gezielte Suchaktionen nach diesen Elementen auslösten. Tatsächlich gab es jedoch keine speziell auf die Suche nach den vorausgesagten Elementen ausgerichteten Forschungen. In diesem Vortrag wird insbesondere der Entdeckungsprozess von Germanium beschrieben, auch im Vergleich zu Gallium und Scandium. Clemens Winkler (1838–1904), der das Germanium vor 140 Jahren entdeckte, interessierte sich in erster Linie für die Zusammensetzung des neuen Minerals Argyrodit, das in der Nähe von Freiberg gefunden wurde. Nach der Mitteilung über das Auffinden des neuen Elements akzeptierte Mendeleev es nicht als Eka-Silicium. Meyers und von Richters Briefe zeigen, dass sie den Zusammenhang zwischen Germanium und Eka-Silicium erkannten. Eine genaue Bestimmung des Atomgewichts von Germanium überzeugte Mendeleev schließlich. Später würdigte er Winkler als einen derjenigen, die das Periodensystem durch ihre Entdeckung bestätigt hatten.
CV
Gisela Boeck erhielt ihr Diplom in Chemie 1977 von der Universität Rostock. Von 1977 bis 1981 promovierte sie im Rahmen einer Aspirantur an den Universitäten Rostock und Leipzig. Von 1981 bis 2020 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Chemie der Universität Rostock. In dieser Zeit lehrte und forschte sie auf verschiedenen Gebieten der Chemie, so in der physikalischen und der organischen Chemie sowie in der Methodik des Chemieunterrichtes. Zu ihren weiteren wissenschaftlichen Aktivitäten gehörten die Initiierung des bundesweiten Netzwerkes „Chemie für Mediziner“, die Leitung des Arbeitskreises „Rostocker Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte“, die Tätigkeit als Beisitzende und Vorsitzende in der Fachgruppe „Geschichte der Chemie“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker sowie als Deputierte dieser Gesellschaft bei der Working Party on the History of Chemistry der European Association for Chemistry and Molecular Science. Während ihrer Tätigkeiten an der Universität Rostock und bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker hat Gisela Boeck eine Vielzahl von Vorträgen, Kolloquien und Tagungen organisiert. Sie war Mitglied verschiedener Prüfungs- und Berufungskommissionen. Für ihre ausgezeichnete Lehrtätigkeit erhielt sie mehrere Preise. Seit 2021 ist sie Visiting Professor an der Riga Technical University. Sie hat die Ergebnisse ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit in weit mehr als 100 Publikationen in Lehrbüchern und Fachzeitschriften veröffentlicht. Wesentliche Gebiete ihrer Publikationstätigkeit betrafen die Bereiche Quantenchemie, Chemie in der Schule und im Medizinstudium sowie Wissenschaftsgeschichte.
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