Neue Buchpublikation von Ehrenpräsident Herbert Hörz

BuchtitelIm trafo-Verlag ist unter dem interessanten Titel

Ist Marxismus noch zeitgemäß?
Erfahrungen, Analysen, Standpunkte

eine neue Buchpublikation von Prof. Dr. Herbert Hörz, MLS erschienen.

Klappentext

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Bibliografische Angaben

Ein Gedanke zu „Neue Buchpublikation von Ehrenpräsident Herbert Hörz

  1. Der Autor beweist Mut, indem er einige historisch aufgelaufene Fragestellungen der Gesellschaft aus heutiger Sicht anpackt. Er liefert somit für eine notwendige Diskussion eine fundierte Basis, und es ist zu wünschen, dass diese Diskussion zustande kommt und überwiegend sachlich geführt wird. Aus meiner Sicht hierzu folgender Kommentar:

    Der Autor hat die anzustrebenden Gesellschaftsziele klar benannt (S. 26, 272 ff): „ … eine humane Gesellschaft als Assoziation freier Individuen mit sozialer Gerechtigkeit und ökologisch verträglichem Verhalten.“

    Zur Zielrealisierung sehe ich zwei grundsätzlich mögliche Wege (Strategien zur Zielerreichung):
    1. Revolutionärer Weg: gesellschaftlichen Reichtum (Gewinne) sozialisiert erwirtschaften und aneignen (mit zentraler Steuerung, ggf. zusätzlich mit dezentralen Steuerungskomponenten wie in der VR China). Bisherige Revolutionen der jüngeren Zeit sind aber vorwiegend in Verbindung mit kriegerischen Ereignissen erfolgt wie 1917 oder 1945 (Friedliche Revolution wie 1989/90 als Sonderfall).
    2. Evolutionärer Weg: gesellschaftlichen Reichtum (Gewinne) privat erwirtschaften mit hoher Produktivität, partiell sozialisiert aneignen über zentrale Steuerung (Gesetzgebungen wie Mindestlohn, Mindestrente, Mindestkindergeld, also Mindesteinkommen für alle; Ökoprodukte wie Bioprodukte, nachhaltige Produktion); dieser Weg wird von der jüngeren Generation favorisiert und vorangetrieben.

    Beide Wege sind theoretisch möglich, wobei für hochentwickelte Industriestaaten mit hoher Arbeitsproduktivität der evolutionäre Weg als chancenreicher erscheint und schrittweise greifbare Erfolge in naher Zukunft sichert.

    Zur Ursachendiskussion für die Implosion der realsozialistischen Staaten (S. 27 ff):
    – Machtmonopole (S. 28 und 30): Diese müssten an allen Stellen der Gesellschaft systematisch verhindert werden, nicht nur auf Parteiebene, sondern auch in der Wirtschaft (wirksames Kartellamt) und in den Infrastrukturen (Versorger aller Art, Verkehr …) sowie in gesellschaftlichen Einrichtungen.
    Unwiderrufliche Begrenzung von Amtszeiten der (Partei-) Führer wären ein erster wirksamer Schritt (wie beim USA-Präsidenten mit ein oder zwei Amtsperioden von 4 Jahren). Mit diesem Prinzip hätten verhindert oder mindestens begrenzt werden können: Stalinismus, Hitlerfaschismus, Adenauer-, Ulbricht-, Honecker-, Kohl- und Merkel-Ära.
    Aber in der Endkonsequenz ist die Verhinderung von Machtmonopolen wohl nur durch Pluralismus zu erreichen, der alle Ebenen wirksam durchdringen müsste.

    – Wissenschaftlich-technische Entwicklung (S. 33 Mitte): „Es fehlten Strategien für die spezifischen Wirkungen der Vorzüge, um die wissenschaftlich-technische Entwicklung als globale Herausforderung anzunehmen.“ Aber ‚annehmen‘ kann man nur etwas, was vorhanden ist. Die Kardinalfrage ist, wer schafft erstmalig das Anzunehmende? Also es geht um die erstmalige, aktive Gestaltung, um das innovative Vorantreiben, um die wirklichen globalen Neuerungen, die die wissenschaftlich-technische Entwicklung der Menschheit voranbringen. Im ‚Annehmen‘ verbirgt sich eine Strategie des permanenten Nachlaufs, die einen Nachlauf in der Entwicklung der Arbeitsproduktivität zur Folge hat, die aber nach Lenins ‚Großer Initiative‘ das entscheidende Fortschrittskriterium aller Gesellschaften ist. Und gerade dieser Nachlauf wurde durch die neuartigen Informationstechnologien potenziert, wie der zitierte Archie Brown dies in seinem Buch „Aufstieg und Fall des Kommunismus“ (aus dem Engl.) im Kapitel 29 „Was verursachte den Zusammenbruch des Kommunismus?“ ausführlich beschreibt (S. 782-802).

    Aus meiner Sicht wäre eine breitere Debatte in der Leibniz-Sozietät über das sehr anregende Buch von Herbert Hörz, das viele seiner Arbeitsergebnisse und auch Resultate seiner Frau Helga E. Hörz aus den letzten Jahrzehnten komprimiert sowie neu bewertet, äußerst wünschenswert.

    Werner Kriesel, MLS

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