Leibniz-Tag 2013: Kurzbericht

Am 04. Juli 2013 fand im Bunsen-Saal der WISTA GmbH in Berlin-Adlershof der traditionelle

Leibniztag der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V.

 

statt, der in diesem Jahr dem 20. Jahrestag der Neukonstituierung der traditionsreichen Gelehrtengesellschaft als eingetragener Verein gewidmet war.

Bunsensaal (Ausschnitt);Foto: D.Linke

Bunsensaal (Ausschnitt);
Foto: D.Linke

Bericht G. Banse

Präsident G. Banse erstattet Bericht
(Foto: D. Linke)

Präsident Gerhard Banse konnte in seiner Eröffnungsansprache neben den in großer Zahl erschienenen Mitgliedern auch wieder zahlreiche Gäste und Freunde der Sozietät begrüßen.

Die auf der Geschäftssitzung der Sozietät am 16. Mai 2013 auf Vorschlag der Mitglieder der Sozietät in geheimer Wahl zugewählten Mitglieder erhielten ihre Urkunden und stellten sich mit kurzen Statements persönlich den Anwesenden vor. Den Mitgliedern und Nichtmitgliedern, deren Vorschläge für die Auszeichnung mit der Jablonski-Medaille, mit der Leibniz-Medaille sowie mit dem Kooperationspreis ebenfalls auf der Geschäftssitzung am 16. Mai 2013 bestätigt worden waren, wurden ihre Auszeichnungengleichermaßen in feierlicher Form übergeben (s. tagungsbegleitende Präsentation).

MLS H. Klenner erhält die Auszeichnung(Foto: D.Linke)

MLS H. Klenner erhält die Auszeichnung
(Foto: D.Linke)

Im Bericht des Präsidenten blickte er auf ein erfolgreiches Jahr seit dem Leibniztag 2012 zurück. Das wissenschaftliche Leben in der Sozietät hat in diesem Jahr weiter an Vielfalt und Qualität gewonnen. Die Mitglieder der Sozietät haben in zahlreichen wissenschaftlichen Wortmeldungen zu aktuellen und bedeutungsvollen Themen am öffentlichen Leben in der Gesellschaft teilgenommen. Besonders erfreut konnte festgestellt werden, dass sich mit diesen Aktivitäten, mit den zahlreichen schriftlichen Publikationen innerhalb und außerhalb der eigenen Printpublikationsreihen „Abhandlungen“, „Sitzungsberichte“, der Internetzeitschrift „Leibniz-Online“, spezieller Buchpublikationen und nicht zuletzt auch durch den neu gestalteten Internetauftritt die Öffentlichkeitswirksamkeit der Sozietät weiter gesteigert hat. Auch die Reihe „Leibniz intern“ wird nach einigen inhaltlichen und redaktionellen Änderungen mit der zum Leibniztag neu erschienenen LI Nr. 59-2013 fortgesetzt.

A. Jähne

Vizepräsident A. Jähne führt durch die Veranstaltung
(Foto: D. Linke)

Mit den folgenden Worten präsentierte der Präsident zum 20. Jahrestag eine Überraschung:
Durch zweckgebundene Spenden der Träger des Rapoport-Kooperationspreises 2012

–      Herrn Dipl.-Ing. Christian Muhr für die H. M. Heizkörper GmbH & Co. KG Dingelstädt sowie
–      Herrn Dr. Andreas Golbs für die Rawema Countertrade Handelsgesellschaft mbH Bautzen und seiner Partnerin in der Dr. Andreas Golbs & Petra Werner GbR Frau Petra Werner

wurde es möglich, ein dauerhaftes ‚Andenken‘ an das 20. Jahr des Bestehens der Leibniz-Sozietät zu schaffen: die Prägung einer Gedenkmedaille, des „Leibniz-Silberlings‘. Dank an die Spender.“  (s.a. Folie 17 in tagungsbegleitende Präsentation)

Ehrenpräsident H. Hörz bei der Festrede(Foto: D.Linke)

Ehrenpräsident H. Hörz bei der Festrede
(Foto: D.Linke)

In seinem Festvortrag widmete sich der Ehrenpräsident der Sozietät Herbert Hörz ausführlich der manchmal schwierigen, insgesamt aber sehr erfolgreichen Entwicklung der Sozietät von ihrer schweren Neugründung bis zur Gegenwart.

 

 

G.Stecher

G. Stecher mit der Collage über Lise Meitner
(Foro: D. Linke)

In einem sehr interessanten kulturellen Beitrag zur Jahrestagung las Frau Gerta Stecher (http://gerta-stecher.de/) aus ihrer Collage

„Lise Meitner – eine ‚Amazone‘ der Atomwissenschaft“

und zeichnete den schweren Weg der großen jüdischen Wissenschaftlerin an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nach.

Die Unterlagen des Leibniz-Tages werden in einer der nächsten Ausgaben der „Sitzungsberichte“ publiziert; auf dieser Seite können bereits einige der Unterlagen und Ergebnisse eingesehen werden.

(Peter Knoll)

 

Ein Gedanke zu „Leibniz-Tag 2013: Kurzbericht

  1. Heinz Kautzleben,
    Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR (KM 1979, OM 1987)
    Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. (1993 Gründungsmitglied)
     

    Anmerkungen zum
    Festvortrag von Ehrenpräsident Herbert Hörz „Der schwierige Weg einer
    traditionsreichen Wissenschaftsakademie ins 21. Jahrhundert – 20 Jahre
    Leibniz-Sozietät“ am Leibniz-Tag der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu
    Berlin e.V. am 04.07.2013

     

    In einem beträchtlichen Teil seines Vortrages behandelt Herbert Hörz den
    Übergang von der „Akademie der Wissenschaften der DDR“ zur „Leibniz-Sozietät
    der Wissenschaften zu Berlin e.V.“. Was die „Akademie der Wissenschaften der
    DDR“ (nachfolgend kurz: AdW der DDR) war, wird durch ihr Statut eindeutig
    charakterisiert. Analoges gilt für die „Leibniz-Sozität der Wissenschaften zu
    Berlin e.V.“ (nachfolgend kurz: Leibniz-Sozietät). In welchem Sinne die
    Leibniz-Sozietät als „Wissenschaftsakademie“ bezeichnet werden kann, hatte er
    als ihr dama­liger Präsident in seinem Bericht in der Festsitzung zum
    Leibniz-Tag 2000 ausgeführt. Der Bericht ist veröffentlicht in den
    Sitzungsberichten der Leibniz-Sozität Band 37, 2000.
     
    Der Unterschied zwischen den beiden Institutionen, der für ihre rechtliche
    Stellung in Staat und Gesellschaft maßgebend ist, besteht darin, dass die
    AdW der DDR eine staatliche Ein­richtung war, ihr Statut nur infolge der
    Bestätigung durch die Regierung der DDR rechts­kräftig war. Die Wahlen neuer
    Mitglieder und des Präsidiums mussten durch die Regierung bestätigt werden.
    Im Gegensatz dazu ist die Leibniz-Sozietät eine Körperschaft des privaten
    Rechts, ihr Statut bedarf keiner speziellen Bestätigung durch irgendeine
    Regierung. Gewisse Einschrän­kungen im Statut und im Handeln ergeben sich
    infolge des Strebens, durch das Finanzamt als gemeinnützige Körperschaft
    anerkannt zu sein.
     
    Die AdW der DDR bestand aus der „Gelehrtengesellschaft der AdW der DDR“ und
    der „Gemeinschaft staatlicher Forschungseinrichtungen, die der AdW der DDR
    zugeordnet waren“ unter der gemeinsamen Leitung durch das Präsidium der AdW
    der DDR. Nur die AdW der DDR als Ganzes war eine selbständige juristische
    Person. Die „Gelehrtengesell­schaft der AdW der DDR“ war die Gemeinschaft
    der „Mitglieder der AdW der DDR“. Zugleich war sie die personelle Fortsetzung
    der Gelehrtengesellschaft ihrer Vorgängeraka­demie, der Deutschen Akademie der
    Wissenschaften zu Berlin (kurz: DAW), die wiederum die personelle Fortsetzung
    der Gelehrtengesellschaft der Vorgängerin der DAW, der Preußi­schen Akademie
    der Wissenschaften war, die wiederum personell die Brandenburgische
    Sozietät der Wissenschaften fortgesetzt hatte. Die Gelehrtengesellschaften der
    genannten Akademien bildeten – beginnend mit der Brandenburgischen Sozietät der
    Wissenschaften einschließlich der Gelehrtengesellschaft der AdW – eine
    kontinuierliche Folge, die zusam­mengefasst unter Hinweis auf ihren Stammvater
    Gottfried Wilhelm Leibniz als „Leibniz-Gelehrtengesellschaft begründet 1700 in
    Berlin“ bezeichnet werden kann.
     
    In der AdW der DDR hatte die Gelehrtengesellschaft keinerlei Einfluss auf
    die der Akademie zugeordneten Forschungseinrichtungen, weder auf deren
    Gemeinschaft als Ganzes noch auf einzelne von ihnen. Die Ordentlichen und
    die Korrespon­dierenden Mitglieder der AdW der DDR kamen aus allen
    wissenschaftlichen Bereichen der DDR. Hinzu kamen die Auswärtigen Mitglieder
    der AdW der DDR, die streng genommen Ehrenmitglieder waren.
     
    Mit Inkrafttreten des Einigungsvertrages am 03.10.1990 wurden die
    Forschungsinstitute von der Gelehrtengesellschaft getrennt und entfielen
    zahlreiche Aufgaben der bisherigen AdW der DDR. Von der großen AdW
    der DDR übrig blieb lediglich die Gemeinschaft der Mitglieder der AdW der DDR,
    die Gelehrtengesellschaft, die jetzt als „Gelehrtensozietät der ehemaligen AdW
    der DDR“ bezeichnet wurde und über deren Fortführung landesrechtlich
    entschieden werden sollte.
     
    Nach Gründung der „Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften“
    (kurz: BBAW) durch Staatsvertrag zwischen den Ländern der BRD Berlin und
    Brandenburg im Mai 1992 teilte der Wissenschaftssenator des Bundeslandes
    Berlin jedem der annähernd vierhun­dert Mitglieder der ehemaligen AdW der DDR
    mit, dass landesrechtlich entschieden worden sei, die „Gelehrtensozietät
    der ehemaligen AdW der DDR“ in der bisherigen Gestalt nicht fortzuführen.
    Damit sei (mit Wirkung vom 07.07.21992) ihre „Mitgliedschaft in der früheren
    Gelehrtensozietät“ erloschen. Eine Überführung der Mitglieder der ehemaligen
    AdW der DDR in die BBAW sei nicht vorgesehen.
     
    Man muss das als rechtsverbindliche Entscheidung der Regierungen zur Kenntnis
    nehmen, die in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Beitritt der Länder der
    ehemaligen DDR für die Belange der ehemaligen AdW der DDR zuständig
    geworden waren. Die übergroße Mehrheit der Mitglieder der ehemaligen AdW der
    DDR hat die Mitteilung stillschweigend zur Kenntnis genommen. Anfechtungen vor
    Gericht wurden nicht erhoben.
     
    Man muss die Mitteilung aber auch als Antwort auf die Bemühungen der
    ehemaligen AdW der DDR um ein Fortbestehen in der Bundesrepublik Deutschland
    verstehen.
     
    In der Endzeit der DDR war in der AdW der DDR versucht worden, die Aufsicht
    über die Angelegenheiten der AdW der DDR durch die Regierung der DDR
    loszuwerden: durch die Ausarbeitung eines neuen Statuts für die Akademie und
    durch eine basisdemokratische Wahl der Leitungen der Akademie. Diese Versuche
    wurden auch durch die letzte Regierung der DDR noch zurückgewiesen.
    Der vorgelegte Entwurf eines neuen Statuts wurde abgelehnt. Das
    basisdemokratisch gewählte Präsidium wurde lediglich als geschäftsführend in der
    Funk­tion bestätigt. Die AdW der DDR blieb auch nach dem Inkrafttreten des
    Einigungsvertrages der nun zuständigen Regierung in Gänze unterstellt.
     
    Nach dem Inkrafttreten des Einigungsvertrages hatte sich das
    geschäftsführende Präsidium darauf beschränkt, die Fortführung der
    „Gelehrtensozietät der AdW der DDR“ als in der Bundesrepublik Deutschland
    staatlich anerkannte Akademie der Wissenschaften zu erreichen und – nachdem
    sich das als aussichtslos herausgestellt hatte – wenigstens eine Überführung
    der Mitglieder der ehemaligen AdW der DDR in die beabsichtigte neue BBAW,
    selbst wenn dabei mehrere Mitglieder der ehemaligen AdW der DDR außen vor
    geblieben wären. Eine Umwandlung der „Gelehrtensozietät der ehemaligen DDR“ in
    eine Körperschaft des privaten Rechts – rechtzeitig vor der oben erwähnten
    landesrechtlichen Entscheidung durch die Bun­desländer Berlin und Brandenburg –
    war nicht angestrebt worden.
     
    Die Mitglieder der ehemaligen AdW der DDR, die ernsthaft an einer Fortführung
    der Gelehr­tengesellschaft der Akademie interessiert waren und sich aktiv dafür
    einsetzen wollten, waren nach dem Erhalt der Mitteilung des Senators Erhardt
    vom 07.07.1992 in einer sehr schwieri­gen Situation.
     
    Wir konnten von Glück reden, dass die beiden Landesparlamente nur entschieden
    hatten, die „Gelehrtensozietät der ehemaligen AdW der DDR“ in der
    bisherigen Gestalt nicht fortzufüh­ren.
    Von einer Auflösung der
    „Gelehrtengesellschaft der ehemaligen AdW der DDR“ war niemals die Rede. Wir
    konnten das als Hinweis nutzen, dass es keinen Einwand geben würde, die
    bisherige „Gelehrtensozietät der ehemaligen AdW der DDR“ in einer anderen
    Gestalt, als Körperschaft des privaten Rechts, fortzuführen. Aber auch als
    Hinweis, dass es keinen Ein­wand geben würde, wenn wir diese private
    Körperschaft als jüngsten Abschnitt der „Leibniz-Gelehrtengesellschaft begründet
    1700 in Berlin“ charakterisieren würden.
     
    Durch die landesrechtliche Entscheidung wurde ausgeschlossen, jede Art
    Fortführung der bis­herigen „Gelehrtensozietät der ehemaligen AdW der DDR“
    als eine Akademie der Wissen­schaften der Art zu bezeichnen, wie sie die
    neue BBAW und auch die anderen regionalen Akademien der Wissenschaften
    in Deutschland sind. Die Gründungsmitglieder des Vereins „Leibniz-Sozietät
    der Wissenschaften zu Berlin“ haben deshalb sehr bewusst vermieden,
    rechtlich ihren Verein als eine „Akademie der Wissenschaften“ und seine
    Mitglieder als „Akademiemitglieder“ zu bezeichnen.
     
    Es blieb noch die Frage, wie der Satz in der Mitteilung des Senators Erhardt
    vom 07.07.1992 „Mit der Beendigung der früheren Gelehrtensozietät ist auch
    Ihre Mitgliedschaft erloschen“ zu verstehen ist.
     
    Die Betonung in diesem Satz liegt auf dem Wort „frühere“. Mit „frühere
    Gelehrtensozietät“ meinte Senator Erhardt offensichtlich die
    „Gelehrtensozietät der ehemaligen AdW der DDR“, die in der bisherigen Gestalt
    nicht fortgeführt werden sollte. Und er meinte nur die Mitglied­schaft in
    dieser. Er sagt nichts über eine Mitgliedschaft in einer Fortführung der
    „Gelehrten­sozietät der ehemaligen AdW der DDR“ in Form einer Körperschaft des
    privaten Rechts.
     
    Wenn Senator Erhardt davon spricht, dass am 07.07.1992 „die Mitgliedschaft
    in der früheren Gelehrtensozietät erloschen“ sei, so kann er offensichtlich
    nur meinen, dass rechtlich gesehen die „Mitglied­schaft in der (ehemaligen)
    AdW der DDR“ an diesem Tage beendet wurde. Das muss akzeptiert werden.
     
    Unrichtig ist aber die Meinung, dass an diesem Tage die Zugehörigkeit zu
    der Gelehrten­gesellschaft beendet sei, die von 1972 bis 1992 ein
    eigenständiger Bestandteil der damaligen staatlich anerkannten und
    staatlich geförderten Akademie der Wissenschaften der DDR war und seit 1993 als
    Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. fortgeführt wird.
     
    29.07.2013

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