Impressionen vom Wissenschaftlichen Kolloquium „Helmert-Turm“ am 17.02.2016 im GFZ in Potsdam

Impressionen vom Wissenschaftlichen Kolloquium „Helmert-Turm“ am 17.02.2016 im Deutschen GeoForschungsZentrum auf dem Telegraphenberg in Potsdam

Wer die große Zeit der Wissenschaft in Preußen spüren  und sehen möchte, was daraus geworden ist, dem ist zu empfehlen, den Wissenschaftsstandort Potsdam-Telegraphenberg zu besuchen. Eine spezielle Gelegenheit dazu bot das Wissenschaftliche Kolloquium, das das Helmhotz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ – gemeinsam mit dem Landesverein Berlin-Brandenburg des Deutschen Vereins für Vermessungswesen DVW e.V. und der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. am 17.02.2016 im Vortragssaal des GFZ auf dem Telegraphenberg veranstaltet hat. Das Kolloquium untersetzte die „Spenden-Ouvertüre“ am Vorabend, mit der das GFZ gemeinsam mit dem DVW-Landesverein die Aktion „Rettet den Helmert-Turm auf dem Telegraphenberg“ eröffnete.

Der Helmert-Turm gehört zu den noch bestehenden Hinterlassenschaften des Königlich Preußischen Geodätischen Institutes, die von diesem über das Zentralinstitut für Physik der Erde der Akademie der Wissenschaften der DDR (es bestand von 1969 bis 1991) an das GeoForschungsZentrum gelangt sind. Der Helmert-Turm wurde 1892/93 als Beobachtungsturm für Winkelmessungen für das damalige Königlich Preußische Geodätische Institut errichtet, das selbst 1870 in Berlin auf Initiative von Johann Jakob Baeyer gegründet worden war und ab 1891 auf Betreiben seines neuen Direktors Friedrich Robert Helmert in das Gelände der Königlichen Observatorien auf dem Telegraphenberg bei Potsdam verlegt wurde. Das Institut erhielt dort ein repräsentatives, aber zugleich äußerst funktionstüchtiges Hauptgebäude und für geodätische, astronomische und geophysikalische Beobachtungen mehrere Nebengebäude, von denen am auffälligsten der Beobachtungsturm für Winkelmessungen ist. Gegründet als Zentrum der internationalen Zusammenarbeit der Geodäten in Mitteleuropa, erlangte das Königlich Preußische Geodätische Institut unter der Leitung Helmerts Weltgeltung als hervorragend ausgestattetes, leistungsfähiges Forschungsinstitut für die wissenschaftliche Geodäsie und relevante Wissenschaftsgebiete und weiterhin (bis zum Ende des 1. Weltkrieges) Zentralbüro der Organisation für die „Internationale Erdmessung“. Eine solche Einrichtung konnte und wollte sich damals nur das Königreich Preußen im Deutschen Kaiserreich als dessen weitaus größter Bundesstaat leisten. Seine Gründung war das Ergebnis einer zielstrebigen Nutzung der Geodäsie für den Auf- und Ausbau des Königreiches Preußen durch die Hohenzollern-Dynastie, wobei eine kluge Arbeitsteilung und Kooperation von Forschung und Praxis durchgesetzt wurde. Das über das Ende des 1. Weltkrieges hinaus anhaltende große internationale Ansehen des Preußischen Geodätischen Institutes auf dem Potsdamer Telegraphenberg veranlasste das damalige Reichsamt für Landesaufnahme 1924 , den Beobachtungsturm des Institutes nach Helmert zu benennen und ihn zum Zentralpunkt des Reichstriangulationsnetzes zu erklären als Ersatz für den bisher gültigen Triangulationspunkt Rauenberg (im Berliner Bezirk Tempelhof), der 1910 der Kiesgewinnung zum Opfer gefallen war. Mit ähnlicher Begründung wurde nach dem 2. Weltkrieg der Helmert-Turm zum Rechenausgangspunkt für den Neuausgleich aller Triangulationsdaten verwendet, die während des Krieges in Europa durch die deutsche „Heeresvermessung“ gewonnen worden waren. Das Institut in Potsdam war hieran nicht beteiligt. Es lag in dem ab 1945 sowjetisch besetzten Teil von Deutschland und teilte dessen Entwicklung bis zum Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1990. Das Zentralinstitut für Physik der Erde nutzte den Helmert-Turm als nationalen Stützpunkt der DDR im experimentellen Netz für Satellitengeodäsie sowohl bei der Zusammenarbeit der Wissenschaftsakademien der sozialistischen Staaten wie auch weltweit im Rahmen des Committee of Space Research (COSPAR) und der International Association of Geodesy (IAG).

Die Leitung des Kolloquiums im GFZ am 17.02.2016 hatte Prof. Dr.-Ing. Harald Schuh übernommen, und zwar in mehrfacher Eigenschaft: als Direktor des fachlich zuständigen Departments im GFZ, als Mitglied der Leibniz-Sozietät und nicht zuletzt als Präsident der IAG – mit ihm ist zum ersten Mal wieder ein Mitglied der berühmten Berlin-Potsdamer Einrichtung Präsident dieser Organisation. Insgesamt wurden fünf Vorträge gehalten:
Zur Geschichte von Helmert-Turm und Geodätischem Institut – Prof. Dr. Heinz Kautzleben, Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. (ehemals Zentralinstitut für Physik der Erde der Akademie der Wissenschaften zu Berlin);
Astronomische Beobachtungen am Geodätischen Observatorium mit Helmert-Turm – Dr. Wolfgang Dick, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Frankfurt/Main; Wissenschaftlicher Diskurs zu Friedrich Robert Helmert – Prof. Dr.-Ing. Erik Grafarend, Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e.V. (Emeritus des Geodätischen Institutes der Universität Stuttgart);
Der Helmert-Turm Potsdam und seine Bedeutung für die europäischen Triangulationen – Dr.-Ing. Johannes Ihde, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie;
Die wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Helmert-Turm in den 1970er und 1980er Jahren – Dr. Ludwig Grunwaldt/Dr. Reinhart Neubert, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ.

Mehr Informationen zu den Vorträgen: DVW-LV1, (unter „Publikationen“)

Heinz Kautzleben, MLS

 

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