Festakt zum 20-Jährigen Bestehen der „Stiftung der Freunde der Leibniz Sozietät“

Am 13.12.2016 wurde im Rahmen eines kleinen Festaktes das 20-jährige Bestehen der „Stiftung der Freunde der Leibniz Sozietät“ in der Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Wissenschaft gefeiert. Im Rahmen dieser Feierlichkeit drückten der Mitgründer der Stiftung und derzeitige Vorsitzende des Kuratoriums Herr Prof. Klinkmann, der derzeitige Präsident der Leibniz Sozietät Herr Prof. Banse und der Ehrenpräsident Herr Prof. Hörz ihre besten Glückwünsche im Rahmen von Grußworten aus.

Alle drei Redner betonten, durch welche schwierigen Zeiten die Leibniz-Sozietät Anfang der neunziger Jahre gehen musste und Herr Prof. Klinkmann hebt hervor, dass die Gründung der Stiftung, welche am 23.5.1996 stattfand, einen wichtigen Beitrag zum Fortbestehen der Leibniz-Sozietät geleistet hat. Herr Prof. Banse lobte besonders das Zeitzeugen Projekt, welches in den Jahren 2010 bis 2015 durchgeführt und durch die Stiftung unterstützt wurde. Außerdem erwähnte er positiv die von der Stiftung geförderte neue Internetseite, welche schnell und aktuell über Geschehnisse innerhalb der Leibniz Sozietät informiert.

Der Ehrenpräsident Herr Prof. Hörz ging im Besonderen auf die Zielstellung der Stiftung, nämlich die wissenschaftlichen Aktivitäten der Leibniz-Sozietät zu fördern und zu entwickeln, ein. Hierbei sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Stiftung und Leibniz Sozietät unablässig. Er wünschte der Stiftung, dass sie weiterhin an Fahrt aufnimmt und stärker in die Öffentlichkeit wirkt sowie neue Förderer akquiriert.

Nach den Grußworten wurde von Prof. Christa Luft ein äußerst interessanter Festvortrag zur aktuellen wirtschaftlichen Lage Deutschlands aus einer makroökonomischen Perspektive geboten.

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Frau Prof. Dr. Christa Luft (stehend) beim Festvortrag „Das deutsche Außenhandelsungleichgewicht – ein Kommentar aus makroökonomischer Perspektive“.            Weiter im Bild der Sekretar der Klasse SGW Prof. Dr. Hans-Otto Dill (li); die Geschäftsführer der Stiftung Dr. Peter Hübner und Dr. Benjamin Apelojg (re).

Im Anschluss an den Vortrag fand eine rege Diskussion statt. Insbesondere wurde darüber diskutiert warum der „neoliberale Mainstream“ trotz seiner problematischen Thesen, welche immer weniger empirische Unterstützung finden, die aktuelle wirtschaftspolitische Diskussion bestimmt. Der gelungene Festakt wurde mit einem kleinen Umtrunk beendet. Anschließend fanden die Mitgliederversammlung und die Wahl des neuen Kuratoriums statt.

In der Mitgliederversammlung wurden alle aktuellen internen Angelegenheiten einvernehmlich geregelt. Insbesondere wurde eine wichtige Satzungsänderung beschlossen. Im Rahmen der Neubesetzung des Kuratoriums erfolgte zunächst Dank und Anerkennung für die Mitglieder dieses Gremiums, die nicht mehr für eine weitere 3-jährige Wirkungsphase zur Verfügung stehen. In diesem Sinne wurden die Kollegen Lutz-Günther Fleischer, Heinz Kautzleben, Günter Mann und Günter von Sengbusch mit den besten Wünschen aus dem Kuratorium verabschiedet. Das neue Kuratorium umfasst nun folgende Mitglieder der Stiftung: Wolfgang Girnus, Horst Klinkmann, Norbert Langhoff, Christa Luft, Norbert Mertzsch, Wolfgang Schütt, Jörg Vienken und Herbert Wöltge. Herr Prof. Dr. Horst Klinkmann wurde von den Mitgliedern des Kuratoriums  sodann wieder zu dessen Vorsitzenden gewählt.

Der Präsident der Leibniz-Sozietät, Herr Prof. Banse, hat dem Kuratorium und seinem Vorsitzenden inzwischen zur Wahl mit herzlichen Wünschen gratuliert und dabei den Grundsatz der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und der Leibniz-Sozietät noch einmal unterstrichen.

Dr. Peter Hübner
Dr. Benjamin Apelojg

Fotos: D. Linke

Ein Gedanke zu „Festakt zum 20-Jährigen Bestehen der „Stiftung der Freunde der Leibniz Sozietät“

  1. Mail von Herbert Wöltge an Peter Hübner:
    Lieber Kollege Hübner,
    ich finde es großartig, dass wir wieder eine intakte Geschäftsführung der Stiftung haben. Die kürzliche Debatte über die Stiftung auf der Dezember–Jahrestagung hat mich angeregt, über die Frage nachzudenken, wie wir damals, in den frühern 90er Jahren, eigentlich auf die Stiftung gekommen sind. Nehmen Sie die folgenden Notizen als Reminiszenz an unsere Frühzeit vor mehr als zwanzig Jahren.
    Mit freundlichen Grüßen
    Herbert Wöltge
    Mail Ende.

    Wie wir auf die Stiftung gekommen sind
    Lieber Kollege Hübner, gestatten Sie mir eine Vorbemerkung
    Die ersten Jahre der Stiftung habe ich schon ausführlich beschrieben (in: Leibniz intern spezial, Die ersten Jahre. Bemerkungen zur frühen Geschichte der Leibnizsozietät. 15.12.2011, S.27). Dort wird das Anfangsgeschehen in ausreichendem Maße dargestellt. Aber einige Fragen sind offen geblieben, vor allem die oben gestellte, was uns überhaupt bewogen hatte, eine Stiftung zu gründen und welche Schwierigkeiten sich uns in den Weg stellten. Und in erster Linie dazu möchte ich mich äußern.
    Dieser Frage nachzugehen ist insofern nicht banal, als die heutigen Mitglieder der Sozietät davon wenig in Erinnerung haben dürften, denn nur eine geringe Zahl von ihnen hat diese Vorgänge miterlebt oder war gar in sie involviert. Die Schwierigkeiten der Anfänge der Stiftung und auch die der Sitzungsberichte sind ihnen vermutlich unbekannt geblieben.
    Und noch eine Bemerkung vorab: Meine Sicht auf die damalige Zeit ist die des Anfangsgeschäftsführers, der zugleich Mitinitiator und Vorbereiter der Stiftung und dann Sprecher der Gründungsmitglieder war. Da ich in dieser Zeit zugleich die Sitzungsberichte aus der Taufe gehoben, die Redaktionskommission gebildet und dann geleitet habe und Mitglied im Vorstand war, darf ich mir ein kompetentes Urteil zu beiden Themen zutrauen. Außerdem will ich darauf verweisen, dass ich als Wissenschaftsjournalist manche Dinge oft aus einem etwas anderen Blickwinkel gesehen habe als die meisten Gelehrten in der Sozietät, was auch zu gewissen Unterschieden und gelegentlich zu Differenzen zu so manchen zeitgenössischen Meinungen zur Stiftung und zur Sozietätsgeschichte geführt hat. Das bedürfte einer näheren Darstellung, wäre sicher auch spannend, soll hier aber nur erwähnt werden. Vielleicht werde ich mich später an anderer Stelle dazu noch äußern.
    *
    Entscheidend für das Aufkommen des Stiftungsgedankens war der finanzielle Druck, unter den die Leibnizsozietät seit Einrichtung der Sitzungsberichte geraten war. Eine Publikation der vorgetragenen Forschungsergebnisse gehörte zu den Grundlagen und Zielen, die die Sozietät als die unverzichtbaren Bedingungen ihrer Existenz definiert hatte. Schon im Statut von 1993 hieß es unter „Zweck des Vereins …- Publikation wissenschaftlicher Arbeitsergebnisse seiner Mitglieder“. Es war völlig klar, dass dies der Wunsch aller Mitglieder war. Kein ordentlicher Wissenschaftler konnte damit zufrieden sein, Erkenntnisse seines Faches im engen Kreis vorzutragen, ohne die Möglichkeit zu haben, sie später auch einer interessierten wissenschaftlichen Öffentlichkeit zu präsentieren, sie also zu publizieren. Aber die Publikation der Vorträge war auch das einzige Mittel, über das die Sozietät verfügte, um sich als Institution in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken und wissenschaftlich auf sich aufmerksam zu machen.
    Der Vorstand sah es als eine seiner wichtigsten Aufgaben an, diesen Wünschen Gestalt zu geben. Sieht man sich die Vorstandsprotokolle für 1993 bis 1998 an, so zeigt sich, dass vordergründig zwei Fragen ständig und als ständig ungelöst auftauchen: die Finanzen und die Sitzungsberichte als der Verursacher der meisten Finanzprobleme. Mit keinem anderen Thema hat sich der Vorstand über die Jahre hin so oft und –was die Finanzfragen betrifft – oft so ratlos befasst wie damit.
    Ich finde es aus heutiger Sicht notierenswert, dass sowohl Sitzungsberichte wie Stiftung sich nicht auf Anhieb etablieren konnten, sondern erst am Ende von mühsamen Suchprozessen entstanden. Das waren Vorgänge, die heute so gut wie vergessen sind. Sowohl für die Publikation, wie eben beschrieben, als auch für die Geldbeschaffung wurden zunächst andere Möglichkeiten sondiert.
    *
    Die Ausgangslage war ja klar: Alle waren dafür, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit zu publizieren aber niemand wusste zunächst, ob und wie das zu machen war. Das bisherige Publikationsumfeld war nicht mehr vorhanden, die logistische Einbindung in gewohnte Strukturen, zu denen auch die vertrauten Wissenschaftsverlage und andere Publikationsmöglichkeiten gehörten, war weggebrochen. Für das Problem gab es kein greifbares Hinterland mehr.
    So war eine der ersten Fragen, mit denen sich der Vorstand befasste, zu eruieren welche Möglichkeiten sich für eine Publikation eröffneten. Nachdem sich Vorstandsmitglieder aber bei renommierten Wissenschaftsverlagen der Bundesrepublik umgehört hatten, mussten sie ernüchtert feststellen, dass ihr wissenschaftliches Ergebnis und ihr bis dahin geachteter Name nunmehr den Gesetzen des Marktes und der nationalen und internationalen Konkurrenz unterworfen waren. Konfrontiert mit dieser harten Realität, schmolz die Zuversicht, dass sich die Verlage darum reißen würden, ihre Vortragsmanuskripte zu publizieren. Und tatsächlich schlugen die Versuche fehl, dort die gewünschte Aufmerksamkeit zu finden. Weder Lang-Verlag noch de Gruyter oder Julius Springer-Verlag noch eine Reihe anderer befragter Wissenschaftsverlage zeigten Interesse, nicht einmal der ihnen noch vertraute und noch existierende Akademieverlag. Sie mussten sich sagen lassen, ihr Angebot wäre wirtschaftlich nicht interessant, böte keine ausreichenden Kaufanreize und sei wissenschaftlich ohne überzeugende Referenz. Allerdings könne man bei ausreichendem Eigenanteil an den Kosten dennoch darüber reden. Die Vokabel Druckkostenzuschuss hat damals Einzug in den zeitgenössischen Wortschatz der Vorstandsarbeit gehalten, als Ausdruck der neuen Wirklichkeit, in die wir hineingeworfen waren. Es half auch nicht, sich damit zu beschwichtigen, die Ablehnung sei nur auf die politische Stigmatisierung wegen der Herkunft aus der DDR-Akademie zurückzuführen – eine Vorstellung, die nur bedingt berechtigt war, die aber noch lange wirkte. Eher berechtigt war die Vermutung, dass die etablierte Wissenschaft im Westen aus Unkenntnis der DDR-Wissenschaft und aus Konkurrenzgründen daran kein Interesse haben konnte. Unser – zugegeben reichlich dilettantischer – Versuch, in den publikatorischen Netzwerken der altbundesdeutschen Wissenschaft für die Sozietät einen Platz zu finden, war nicht gelungen.
    So mussten wir andere Überlegungen anstellen. Wir haben damals im Vorstand im Herbst 1993 lange diskutiert und weitere Aktivitäten erwogen, etwa die Beantragung von Zuschüssen, sofern dem Verein die Gemeinnützigkeit zuerkannt würde, Verhandlung mit Banken und anderen möglichen Sponsoren. Es blieb beim bloßen Überlegen, und wir landeten letztendlich bei dem Gedanken, die Vorträge mit eigenen Kräften herauszugeben. Ich hatte ein Konzept vorbereitet, das vorsah, die Vortragstexte in einer Schriftenreihe zu veröffentlichen. Für die ebenfalls erwogene Gründung eines eigenen Verlages fehlten naturgemäß alle Voraussetzungen, aber eine Schriftenreihe in eigener Regie könnte gehen. Sie sollte kein billiger Manuskriptdruck sein, sondern eine seriöse Publikation und in ihrer äußeren Form an die bisherigen Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften der DDR anknüpfen, mit dem Akademielogo auf der Titelseite und dem Akademieblau als Signalfarbe.
    Den Vorstandsmitgliedern gefiel die Idee, doch sie zögerten. Es überwogen zunächst starke Bedenken, die nicht von der Hand zu weisen waren, sowohl Zweifel, ob die Vortragstätigkeit der Mitgliedschaft eine Schriftenreihe auf Dauer ausreichend tragen würde, als auch Bedenken finanzieller Art. Und schließlich Bedenken politischer und auch juristischer Art, da der Vorstand sich nicht sicher war, ob die Öffentlichkeit angesichts der politischen Entwicklung und der Stimmung im Lande diesen allzu deutlichen Rückgriff auf die Tradition der AdW der DDR tolerieren würde. Und wir waren auch nicht sicher, ob die Übernahme des Akademie-Logo juristisch unanfechtbar war, da einige Fragen der Rechte der neu konstituierten Berlin-Brandenburgischen Akademie noch offen oder uns nicht klar erkennbar waren. Es sollte kein Anlass gegeben werden, die Sozietät in eine unliebsame öffentliche Aufmerksamkeit zu bringen, immerhin waren wir Reste des politischen Systems der DDR, das gerade überall ausgemerzt wurde, und deshalb noch überaus verletzlich. Wir hatten es noch nicht geschafft, glaubhaft zu machen, dass wir nun ernsthaft und ausschließlich nur wissenschaftlich arbeiten wollten, fern von Politik und Obrigkeiten.
    Und so entschied sich der Vorstand erst nach längerer Erörterung im Januar 1994, einem inzwischen detaillierter ausgearbeiteten Exposé für die Publikationstätigkeit zu folgen und das Konzept dem Plenum vorzulegen. Wie zu erwarten war, stimmte das Plenum dem Vorhaben zu und beschloss auf seiner Märzsitzung 1994 die Herausgabe der Sitzungsberichte.
    *
    Damit begann das Abenteuer Sitzungsberichte, das Präsident Rapoport später, auf dem Leibniztag 1995, als „größten Erfolg und kühnstes Wagnis der Tätigkeit der Leibniz-Sozietät“ bezeichnete. Wie es mit den Sitzungsberichten weiter ging, will ich hier nicht ausführlich darstellen, da wir hier ja auf den Zusammenhang von Sitzungsberichten mit dem Stiftungsgedanken aus sind. Mehr dazu kann man in der schon genannten Spezial-Ausgabe von Leibniz intern finden Nur soviel soll hier erwähnt werden: Wir bildeten ein Redaktionskollegium, jede Klasse nominierte dafür zwei Vertreter – Helmut Steiner und Wolfgang Küttler für die Klasse Sozial- und Geisteswissenschaften und Karl Friedrich Alexander und Wolfgang Schirmer für die Klasse Naturwissenschaften. Der Vorstand übergab mir die redaktionelle Verantwortung und die Leitung des Kollegiums. Mit Hilfe einer kleinen Agentur und dem beim Kollegium vorhandenen redaktionellen Sachverstand gelang es uns, zum Jahresende 1994 den ersten Band der Sitzungsberichte herauszubringen. 1995 erschienen acht Bände, und bis 1998, dem Ende der Amtszeit von Präsident Rapoport, brachten wir es auf Band 27.
    Schwierigkeiten gab es zur Genüge, nur soviel: Bis 1998 mussten wir mehrfach den Verlag, die Layoutierung, den Druckhersteller, die technisch-buchbinderische Herstellung und den Vertrieb wechseln. Für mich war das Abenteuer und Beschäftigung genug, denn ich war zu dieser Zeit durchaus noch nicht dazu bereit, meinen journalistischen Beruf endgültig an den berühmten Nagel zu hängen, um die Sozietät zu meinem Haupttätigkeitfeld zu machen.
    Die größte Schwierigkeit für die Schriftenreihe ging von den Finanzen aus – nicht von der anfangs als unsicher angesehenen Verfügbarkeit von Vortragstexten, auch nicht von den Bedenken, der Entwicklung der Sozietät durch politische Auffälligkeit zu schaden. Bei den Vortragsmanuskripten sah es inzwischen gut aus, es gab ein ausreichendes Angebot an druckfähigen Manuskripten und sogar einen Rückstau an verwertbarem Material, immerhin hatten wir pro Jahr Vorträge aus zehn Plenarsitzungen und zwanzig Klassensitzungen zu bedenken, die genügend Material für die ersten Jahrgänge der Schriftenreihe bieten konnten.
    Auch die Befürchtungen, politisch angreifbar aufzufallen und dadurch Nachteile zu erleiden, waren weitgehend gegenstandslos. Die zu erwartenden Nachteile hatten uns längst erreicht, und das Dach des bundesdeutschen Vereinsrechts, unter das wir uns begeben hatten, bot eine gewisse Abschirmung gegen weitere Einwirkungen von außen. Eingriffe in unsere Personalpolitik und in unsere Vortragstätigkeit und –themen waren nicht mehr zu befürchten. Die für Wissenschaft zuständige Senatsverwaltung mit Senator Erhardt an der Spitze sah ihre Aufgabe aus Art.38(2)EV mit der Gründung der BBAW als erledigt an und hatte kein Interesse mehr an uns. Wir waren kein Objekt ihrer Dienstaufsichtspflicht mehr, waren für sie wissenschaftspolitisch bedeutungs- und einflusslos und kein ernsthafter politischer oder juristischer Gegner. Die Administration setzte auf ein allmähliches Dahinschwinden der Kräfte und Fähigkeiten infolge der Isolation von den wissenschaftlichen Netzwerken und letztlich auf das Erlöschen des Vereins aus Altersgründen. Die andere politische Ebene, die parlamentarische, die Fraktionen des Abgeordnetenhauses, hatte uns ohnehin seit den Beschlüssen von November 1990 aus den Augen verloren. Es gab nach 1993 jedenfalls mehrere Jahre, etwa bis zum Jubiläum im Jahre 2000, keine nennenswerten politischen Aktivitäten gegen die Sozietät. Und die etablierte Wissenschaft, die Science Community mit der gerade erst gegründeten BBAW an der Spitze, hatte sich längst auf die totale Isolierung und Ignorierung der Sozietät festgelegt, wie sie es auch mit anderen nach der Wende entstandenen Wissenschaftlervereinen hielt, denen das Stigma der Herkunft aus der DDR anhaftete.
    Der springende Punkt für das Unternehmen Sitzungsberichte waren – wie schon erwähnt – die Finanzen. Während die Vorträge eine Sache waren, die in der eigenen Verantwortung und im eigenen Vermögen lag, und während die wissenschaftspolitische Ausgrenzung die Arbeit zwar einengte, aber nicht unmöglich machte, waren die Kosten ein unverrückbarer existenzieller Faktor. Zwar konnten wir das ganze redaktionelle Geschehen ehrenamtlich gestalten – von der Planung über die Arbeit mit den Autoren bis zu abgabereifen Manuskripten -, doch für die technische Herstellung, für Layoutierung, Druck, Versand und Vertrieb fehlten der Sozietät materielle Voraussetzungen und professioneller Sachverstand. Es ging nicht ohne fremde Leistungen von außen. Und die waren nicht unentgeltlich zu haben. Die technischen Herstellungs- und die Vertriebskosten bauten sich als anscheinend unüberwindliches Hindernis vor der Schriftenreihe auf.
    Das haben wir durchaus schon am Beginn des Abenteuers gesehen. Schon der erste Entwurf des Konzepts der Sitzungsberichte enthielt auch vorläufige Überlegungen zu den Kosten dieses Unternehmens. Und hier war von Anfang an erkennbar, dass die bis dahin angedachten Einkünfte nicht ausreichen würden, die Schriftenreihe zu unterhalten, immerhin gab es die Vorstellung, dass die Plenar- und die Klassenvorträge in sechs bis acht Bänden pro Jahr publiziert werden sollten. Für die technische Herstellung waren zunächst pro Band etwa 2000 DM veranschlagt, eine Berechnung die bald nach oben korrigiert wurde, zwischenzeitlich bei 5000 DM landete und sich dann auf 3000 bis 4000 DM einpendelte. Redaktionelle, Vertriebs- und Werbekosten waren ebensowenig kalkuliert wie etwa eine branchenübliche Einführungskampagne für das neue Produkt, Verkaufserlöse hat niemand erwartet, da vorgesehen war, den Mitgliedern die Exemplare kostenlos zu überlassen.
    Alle Zeichen ließen befürchten, dass die Sozietät sich damit finanziell übernehmen könnte. Es bedurfte schon eines gewissen Wagemuts, dennoch an dem Projekt festzuhalten. Der Vorstand hatte allerdings kaum eine andere Wahl, wollte er nicht die Publikationsabsicht auf unbestimmte Zeit verschieben oder die Publikation als Vereinsziel gar aufgeben. Und so waren seine Vorstellungen, wie die Kosten aufzufangen wären, ebenso riskant wie unbestimmt. Der Vorstand ging davon aus, dass die Schriftenreihe nur zu sichern sei, wenn die Mitglieder sich durch Umlagen oder Spenden angemessen an den Kosten beteiligten und Sponsoren im In- und Ausland gewinnen würden und nach Kräften eine persönliche Werbung für die Reihe in Interessentenkreisen vornehmen würden. Präsident Rapoport gründete seine Hoffnung, wie er in seinem Leibniztag-Bericht 1994 formulierte, „auf die Opferbereitschaft unserer Mitglieder, Gäste und anderer Freunde, die uns helfen mögen, das Unternehmen über Wasser zu halten“.
    Das war der Geist, der schon aus dem Gründungsbeschluss des Plenums vom 17. März 1994 sprach. Dort hieß es lapidar: „Die bei der Herausgabe der Reihe entstehenden Kosten werden durch die Mitglieder und Ständigen Gäste der Sozietät getragen. Das Plenum sieht es als wichtige Aufgabe an, für diesen Zweck Spenden und Zuwendungen zu gewinnen.“ Das Protokoll des Plenums vermerkte dazu zusätzlich: „Der Präsident richtete unter Bezugnahme auf Beispiele akademischer Gelehrtengesellschaften, insbesondere der Royal Society, an die Mitglieder die dringende Bitte, dieses Vorhaben auch durch Zuwendungen bzw. die Gewinnung von Zuwendungsgebern zu unterstützen.“
    *
    In der Folgezeit gingen dann die Geldbeschaffungsüberlegungen tatsächlich auch in diese beiden Richtungen – einmal die stärkere Verpflichtung der Mitglieder, mit Beitrag und Spenden die nötigen Mittel für die Schriftenreihe zu beschaffen, zum zweiten mit dem Appell, externe Spender und Zuwendungsgeber zu verpflichten. Nach offiziellen Fördermitteln Ausschau zu halten, wurde damals abgelehnt, um sich – als eine Lehre aus der Vergangenheit – nicht erneut in obrigkeitliche Abhängigkeit zu begeben.
    Der Plan schien zunächst aufzugehen. Der Finanzbericht der Sozietät für das Jahr 1994 verzeichnete etwa 7500 DM Einnahmen aus Beiträgen der Mitglieder, Beitragshöhe damals 60 DM. Das konnte nicht ausreichen. So waren jene 56 Spenden für die Sitzungsberichte sehr willkommen, die rund 10.000 DM erbrachten. Eine gewisse Anschubfinanzierung für die Schriftenreihe aus Beiträgen und Zuwendungen der Mitglieder war damit gesichert, der eindringliche Appell des Präsidenten war erfolgreich. Befürchtet wurde allerdings, dass dieses Anfangsergebnis sich nur schwer wiederholen ließe, zumal der Finanzbericht auch darauf hinwies, dass die Herstellungskosten eines Heftes der Sitzungsberichte „nach momentaner Erfahrung finanzielle Mittel in Höhe von etwa 4.000,00 DM“ erfordere, also deutlich über den Vorabrechnungen lag und demzufolge keine Garantie für ein kontinuierliche Finanzierung boten. Der Vorstand reagierte darauf mit dem Vorschlag an das Plenum, den Mitgliedsbeitrag auf 100 DM aufzustocken, allerdings erst nach langer Diskussion Mitte 1995 und als absehbar war, dass die Spendenbereitschaft der Mitglieder die Differenz nicht schließen konnte.
    Die Gewinnung von externen Zuwendungsgebern gestaltete sich weit schwieriger. Waren die Mitglieder noch bereit, aus der eigenen Tasche zu spenden, so lag es den wenigsten, andere um Zuwendungen zu bitten. Tingeln von Tür zu Tür, um Geld einzuwerben, war ihre Sache nicht und nicht in ihrem Erfahrungshorizont verankert. Und, am Rande bemerkt, das mögen sie auch bis heute nicht sehr. Rapoport, lebenserfahren genug durch seine langjährige Tätigkeit im europäischen Ausland und in den USA, sah dieses Hindernis durchaus, weshalb er schon 1994 auf dem Leibniztag eindringlich an die Mitglieder appellierte, in dieser Sache jede akademische Scheu beiseite zu lassen: „Die Fähigkeit, auch etwas aggressiv auf Unterstützung zu drängen, ist eine in den USA durchaus übliche Sitte, die wir übernehmen sollten. Viele Religionsgemeinschaften stehen explizit auf dem Standpunkt, dass Bettelei für eine gute Sache eine gute Tat sei. Ich bitte darum, dass sich niemand bei der Initiative, für unsere Sitzungsberichte Geld zu beschaffen, zurückhält, um unserem Vorhaben zwar keine sorgenfreie, aber gedeihliche Zukunft zu sichern.“
    Über diesen Punkt könnte man noch eine ganze Menge sagen, weil er uns viele Jahre begleitet hat. Berücksichtigen muss man allerdings, dass hier von den Mitgliedern der frühen 90er Jahre die Rede ist, die noch allesamt Akademiemitglieder waren und eine andere Sozialisation und andere Hintergrunderfahrungen hatten als die meisten heutigen Mitglieder, und in denen die Empfindungen über erlittenes Wende-Unrecht noch frisch waren. Ihnen waren bisher nur ganz andere Wege der Finanzierung geläufig. Sie hatten Finanzierungsfragen von Instituten und Einrichtungen auf andere Weise erlebt, sofern sie in Leitungsaufgaben zu diesem Gegenstand involviert waren, meist in zähem Kampf in den Gremien um Planvorhaben, Stellenpläne, Geräteausstattung und Investitionsmittel. Geldbeschaffung auf neue Weise war ein Arbeitsfeld, in dem sie die allergeringsten Erfahrungen aufzuweisen hatten und dem sie überwiegend mit uneingestandener Unsicherheit gegenüberstanden – wer wusste damals schon, wie und an wen man sich in der unbekannten neuen Wissenschafts- und Wirtschaftswelt wenden sollte, wo die Fördermittel zu finden und mit welchem Prozedere sie dann zu erlangen waren und mit wem man dabei konkurrierte. Hinzu kam, dass Geldbeschaffung wie auch die Maßnahmen zur Sicherstellung der Organisation der Arbeit in concreto unterschwellig als nicht zum Profil des Spitzenwissenschaftlers gehörend galten, es war somit nicht allein die Ungeübtheit, die sie davon abhielt, sondern auch ein intuitiver Argwohn, am eigenen Selbstbild Einbußen zu erleiden.
    Nachzuarbeiten hatten wir auch in einer anderen Frage. Mögliche Geldbeschaffer sahen sich vor die Frage gestellt, wie sie geneigten Sponsoren, die der Leibnizsozietät nicht kundig waren, erklären konnten, wofür sie eigentlich Geld geben sollten, wofür die Sitzungsberichte und die Leibnizsozietät eigentlich standen. Außer der mündlich vorzutragenden Botschaft des werbenden Mitglieds brauchte man ein für Outsider überzeugendes Dokument, das in Kurzform zu zeigen hätte, was die Leibnizsozietät war und wofür sie stand, wofür gespendete werden sollte und welche thematischen Leistungsangebote gemacht wurden.
    Überraschenderweise machte die Sache Schwierigkeiten, weil die Vorstandsmitglieder wenig Neigung zeigten, selbst Hand anzulegen an eine zeitgemäße Selbstdarstellung und sich als Sozietät neu zu definieren, vielleicht weil sich dahinter die damals offene Frage nach dem Sinn der wissenschaftlichen Arbeit der Sozietät und nach ihrer wissenschaftlichen Existenzberechtigung unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen verbarg. So hing jener Vorstandsbeschluss von März 1994 etwas in der Luft, der vorsah, ein werbewirksames Prospekt über die Sozietät herzustellen, das für verschiedene PR-Zwecke der Sozietät eingesetzt werden sollte. Ich war in der misslichen Lage, schon über einige halbfertige Materialien in dieser Richtung zu verfügen, da ich bereits etwas zur Information für Journalisten gebraucht hatte, die mit ähnlichen Fragen an uns herangetreten waren. Für den Vorstand lag es nahe, mir die Erarbeitung eines ersten Entwurfs anzutragen. Die Sache zog sich hin, der monatliche Abstand der Vorstandssitzungen und dann die Sommerpause ließen nur ein schleppendes Abstimmungstempo zu. Im Juni lag ein Text zur Debatte vor, der dann vom Vorstand begutachtet und im Herbst bestätigt wurde. Er wurde die erste Beschreibung und Charakteristik der Leibnizsozietät nach ihrer Gründung. Die Vorarbeiten dazu gaben übrigens den Anstoß zu der dann einsetzenden Debatte über den Standort der Sozietät und ihre Zukunftsvorstellungen. Sie führte zur Bildung der sogenannten Spinnergruppe, die neben Aussagen über die gegenwärtige Situation Vorschläge für neue Wege machten sollte. Aber die Gruppe Zukunft ist hier nicht unser Thema.
    Wir haben dann auf dieser Grundlage in Eile verschiedene Materialien hergestellt, die als Handmaterial für Werber eingesetzt werden konnten und die wir zwei Jahre später auch in Englisch produzierten.
    *
    Damit sind wir schon mitten im Vorfeld der Stiftungsgründung. Der Gedanke einer Stiftung tauchte in den Protokollen des Vorstands erstmals im Oktober 1994 auf. Zu diesem Zeitpunkt, war der Vorstand erneut dabei, nach Wegen zu suchen, der bedrohlichen Finanzmisere dauerhaft abzuhelfen. Zwar nicht zum ersten Mal, aber jetzt mit dem Druck der fehlenden Mittel für die Sitzungsberichte im Nacken, erörterte er eingehend, wie man die materiell-organisatorische Basis für die weitere Arbeit stabilisieren konnte. Ergebnis des Meinungsaustausches waren drei Vorhaben: zunächst die Bildung der schon genannten Gruppe Zukunft, die Wege vorschlagen sollte, wie inhaltlich und organisatorisch weiterzuarbeiten sei, dann die Bildung einer Arbeitsgruppe Sponsoring, die die lahmende Mitteleinwerbung beleben sollte, und drittens schließlich die weitere Verfolgung des Vorschlags, eine Stiftung zu gründen. Von einer Stiftung versprach sich der Vorstand ein günstigeres Resultat bei der Geldbeschaffung als durch bloßes Abwarten auf spontane Werbeaktivitäten von Mitgliedern. Sie sollte besser und dauerhafter in der Lage sein, den Finanzhaushalt der Sozietät zu stabilisieren. Und, als mögliche angenehme Nebenwirkung: Man konnte hoffen, dass sie den Mitgliedern den für sie unangenehmen Part des Tingelns von Tür zu Tür abnehmen würden.
    Die Bildung der Sponsoring-Gruppe verzögerte sich allerdings, sie kam erst zustande, nachdem der Finanzbericht des Schatzmeisters Mitte 1995 für die Monate April bis Juli festgestellt hatte: „Die Sozietät ist finanziell am Ende, wenn nicht sofort Sponsormittel eingebracht werden“ . Die dann endlich, ein Jahr nach der ersten Erwägung, im Herbst 1995 gebildete Gruppe war in ihrer Arbeit glücklos, sie blieb letztlich ohne vorzeigbare Ergebnisse.
    Eine Stiftung schien besser geeignet, der Finanzmisere dauerhaft abzuhelfen. Sie sollte sowohl einen Kreis von Freunden der Leibniz-Sozietät vereinen als auch neue Spender gewinnen. Mit dem Gedanken einer Stiftung nahm der Vorstand eine Anregung von Horst Klinkmann aus dem Frühjahr 1994 auf, der darauf verwies, dass man mit einer Stiftung auch auf Sponsoren zugehen könnte, die nicht direkt für die politisch noch obsolete Leibnizsozietät spenden wollten, aber ihrem Anliegen dennoch freundlich und vielleicht spendebereit gegenüber standen. Rapoport hatte die Anregung aufgegriffen und einen Satzungs-Rohentwurf bei Rechtsanwalt Peter Schulenburg bestellt, der vorher Mitarbeiter in der Rechtsstelle der Akademie unter Richard Klar war und der die Satzung der Leibnizsozietät 1992 ausgearbeitet hatte. Sein Entwurf der Stiftungssatzung, der zur Sitzung vorlag, spielte in der Folge aber keine Rolle, da Rapoport und Engelberg inzwischen mit der ihnen bekannten Rechtsanwaltkanzlei Diestel/Göhring/Hübscher Verbindung aufgenommen hatten, bei der sie größere Erfahrung in Vereins- und Stiftungsfragen vermuteten.
    Trotz der offensichtlichen Dringlichkeit des Problems kam die Stiftung nicht so richtig in die Spur. Die Vorarbeiten zogen sich fast ein Jahr hin. Eine Zeitlang drehte sich die Diskussion um die Frage, einen repräsentativen Vorsitzenden zu finden und ein prestigeträchtiges Kuratorium zu bilden. Im Gespräch war zunächst Klinkmann als Vorsitzender, dann aber Peter-Michael Diestel, der letzte Innenminister der DDR-Regierung. Nachdem Diestel sich bereits im April 1995 bereit erklärt hatte, den Vorsitz zu übernehmen, arbeitete Rechtsanwalt Hübscher aus seiner Kanzlei den Entwurf der Satzung und eine Treuhandvereinbarung aus, die das Verhältnis der Stiftung zur Leibnizsozietät regeln sollte. Die Entwürfe wurden im Vorstand diskutiert, im November 1995 beschlossen und anschließend in den Sitzungsberichten abgedruckt.
    Es dauerte aber noch mehrere Monate, bis die Gründung zustande kam. Verärgert schrieb die Kanzlei im März 1996, ihr Büro hätte alle vereinbarten Aufgaben erledigt, die Sozietät jedoch noch nicht. Gemeint war, sie sollte vor allem Vertreter aus der Wissenschaft für die Stiftung benennen und einen Geschäftsführer finden. Am 11.April 1996 befasste sich der Vorstand erneut mit der Stiftung und wollte nun an Klinkmann herantreten und ihn um Mitarbeit bitten. Hübscher und ich legten dann auf eigene Faust einen Gründungstermin fest, den 23. Mai im Anschluss an den Plenarvortrag. Der Vorstand akzeptierte.
    Und so kam es dann auch. Die zwölf Gründungsmitglieder konstituierten sich an diesem Tag als Interims-Kuratorium der Stiftung, das zunächst die Arbeitsfähigkeit der Stiftung sichern sollte, und wählten mich zum Vorsitzenden. Ich hatte somit die Verantwortung für die Geschäftsführung am Halse, die meine Zeit für die Sitzungsberichte reichlich auffraß weil sich zunächst kein Mitglied für die Aufgabe als Geschäftsführer bereit fand. Es gab viel zu tun, um die Sache in Gang zu bringen. Mein Schwerpunkt war damals, Kontakte zu Organisationen und Institutionen herzustellen, die in der Lage waren, auf potente Geldgeber hinzuweisen und uns dort einzuführen, etwa zur Gottlieb-Daimler- und Carl-Benz-Stiftung in Stuttgart, zur Körber-Stiftung in Hamburg oder zur Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg und später auch zum Bundesverband Deutscher Stiftungen.
    Als Geschäftsführer und Interims-Vorsitzender hielt ich es bis Januar 1997 aus, als für die Personalie Geschäftsführer eine Lösung gefunden war. Heinz Kautzleben hatte sich bereiterklärt, diese Aufgabe zu übernehmen, wofür ich ihm noch heute dankbar bin.
    Einen kleinen Nachschlag hat diese Geschichte noch, die ich hier vortragen wollte. Ein satzungskonformes Kuratorium hatten wir erst einige Zeit später. Die Nominierung von Diestel als Kuratoriumsvorsitzender hatte sich inzwischen aus anderen Gründen zerschlagen, die Rechtsanwälte-Sozietät Diestel/Göhring/Hübscher gab es ab 1.4.1997 nur noch als Kanzlei Göhring. Erst die 1. Jahresversammlung des Fördererkreises im Juni 1997, dem zu diesem Zeitpunkt 30 Mitglieder angehörten, bestätigte die Zusammensetzung des Kuratoriums, das dann seinerseits im September 1997 aus seiner Mitte Horst Klinkmann zum Vorsitzenden und Joachim Göhring zum Stellvertreter wählte.
    Ein Fazit möchte ich nicht ziehen. Wiederholen möchte ich, dass die Sozietät in beiden Geschäftsfeldern keine definierten Anfangpositionen hatte und Suchphasen durchleben musste, um sich zu behaupten und um zu wissen, was zu tun ist. Übersehen kann ich auch nicht, dass der Vorstand in seiner Arbeitsweise zu oft langsam und bedächtig und nicht energisch genug vorgegangen ist. Die Spinnergruppe, mit Laitko (Leiter), Mocek, Eichhorn, Bernhardt, Küttler, Lange (freier Wissenschaftsjournalist) und Wöltge eine Gruppe jüngerer Mitglieder, hat sich in ihrem Abschlussdokument vom April 1995 dazu vorsichtig geäußert und die Etablierung eines Geschäftsführers der Sozietät dringend vorgeschlagen, der „ein ergiebiges Sponsoring“ organisiert. Und weiter: “In seiner derzeitigen Zusammensetzung ist der Vorstand mit diesem Fragenkreis, der sehr aufwendig ist und spezifisches Geschick voraussetzt, bei weitem überfordert.“ Und den Geschäftsführer haben wir viele Jahre noch erfolglos gesucht, eigentlich bis heute. Das wiederum ist hier nicht mein Thema.
    Aber festzuhalten ist, dass die Stiftung die Sitzungsberichte damals über den Berg gebracht und sie finanziell gerettet hat. Sie hat auch ihre Mittel in diesen Jahren allein und ausschließlich für die Finanzierung der Schriftenreihe eingesetzt. Die Probleme, vor denen Sitzungsberichte und Stiftung später standen, haben sich gewandelt waren dann anderer Natur. Ich habe hier nur über meine Zeit als Geschäftsführer berichtet. Wie es weiterging, müssten dann andere aufschreiben, die damals Verantwortung trugen oder die Sache miterlebt haben.

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