Besuch bei der Mazedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste (MANU)

Besuch bei der Mazedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste (MANU), Skopje 14.-16. April 2013

Der jetzige, von Sonntagabend bis Dienstagnachmittag nur knapp zweitägige Besuch in Skopje durch drei Mitglieder der Leibniz-Sozietät, die Professoren Hans-Otto Dill, Dieter B. Herrmann und Dietmar Linke, war der dritte seit 2007. Damals war – anlässlich des 40. Jahrestages der Gründung der Mazedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste – ein Vertrag über die Zusammenarbeit zwischen MANU und der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V unterzeichnet worden. Im gleichen Jahr wurde Akademiemitglied Prof. Momir Polenaković zum Mitglied der Leibniz-Sozietät zugewählt.

Akademiepräsident Prof. Vlado Kambovski

Am 23. April 2010 hatte dann in Skopje die gemeinsame Konferenz „Wissenschaft und Kunst“ stattgefunden, deren Vorträge im vergangenen Jahr in einem durchgängig zweisprachig gehaltenen deutsch-mazedonischen Sammelband von 300 Seiten zusammengefasst wurden (s.a. Leibniz-Online, Nr. 11 2011). Als Koordinator des Übersetzer-Kollektivs trug Prof. Peter Rau von der Kliment-Ochridski-Universität Skopje wesentlich zum Gelingen des Buches bei. Referenten von deutscher Seite waren als Mitglieder der Leibniz-Sozietät die Professoren Hans-Otto Dill, Manfred Jähnichen und Günter von Sengbusch.

Skopje 2013_Empfang MANU
15.04.2013, Empfang im Präsidium der MANU, 2. von rechts Akademiepräsident Kambovski

Der jetzige Besuch diente zunächst der gemeinsamen Präsentation des Bandes vor den Mitgliedern der MANU und weiteren Interessenten. Nach der Eröffnung durch Akademiepräsident Prof. Vlado Kambowski sprachen M. Polenaković, H.-O. Dill und P. Rau zu den verschiedenen Facetten des Werkes, wobei H.-O. Dill drei zusammenhängende Themengruppen ausmachte, Wissenschaft versus Kunst, mazedonisch-deutsche Literaturkomparatistik sowie Sprache und Kultur in den deutsch-mazedonischen Beziehungen.Der anschließende Festvortrag des Altpräsidenten der Leibniz-Sozietät, Dieter B. Herrmann, zum Thema „Astronomen als Zeichner und Maler. Das Auge – Die Hand – Die Erkenntnis“ trug der Dualität der MANU als Akademie der Wissenschaften u n d Künste in eindrucksvoller Weise Rechnung.

Der Staatspräsident der Republik Mazedonien, Prof. Gjorge Ivanov, lud am Nachmittag zu einer Audienz in seinen Amtssitz ein. Er hatte 2010 in seinen Begrüßungsworten zur gemeinsamen Konferenz auf seine Verehrung für Leibniz in seiner Zeit als Universitätsprofessor verwiesen und – weit über eine Begrüßung hinausgehend – über das Aufkommen des Expressionismus ein Jahrhundert zuvor und über die Rolle von Kierkegaard und Husserl hierbei gesprochen. – Unseren jetzigen Vorschlag, im Herbst 2014 gemeinsam mit MANU in Berlin eine Konferenz auszurichten, zum Rahmenthema „100 Jahre Ausbruch des 1. Weltkrieges – Balkan und erster Weltkrieg in Geschichtsschreibung, Literatur und Erinnerungskultur“, fand er sofort sehr lohnend. Vom Balkan um 1900 als Interessensphäre der damaligen Imperien über dessen wechselvolle seitherige Geschichte kam er zu den Bestrebungen der heutigen Republik Mazedonien, alle Bewohner des Landes ohne religiöse oder anderweitige Vorbehalte zu integrieren, eine Atmosphäre der Toleranz zu schaffen, wie sie die in Skopje geborene Mutter Teresa zeitweise erlebt hatte.

Der zweite (leider nur halbe) Tag war der umfassenden Diskussion zwischen den Mitgliedern der Mazedonischen Akademie und den Vertretern der Leibniz-Sozietät vorbehalten, wobei neben Prof. Rau auch weitere prominente Wissenschaftler der Universität anwesend waren. Nach der gegenseitigen Vorstellung der Teilnehmer, ihrer Einrichtungen und Verbindungen, wurde das für 2014 vorgesehene Thema diskutiert und präzisiert. Über den Anlass „100 Jahre 1914“ hinausgehend, wurde angeregt, den Berliner Kongress 1878 und den Vertrag von Versailles 1919 als Markierungen für den zu behandelnden Zeitabschnitt zu wählen. Je fünf Beiträge der mazedonischen wie der deutschen Seite sollten in einer Eintags-Veranstaltung präsentiert werden.

Im Forschungszentrum für Gen- und Biotechnologie: v. l.: H.-O. Dill, M. Polenaković, D. B. Herrmann, P. Rau
Im Forschungszentrum für Gen- und Biotechnologie:
v. l.: H.-O. Dill, M. Polenaković, D. B. Herrmann, P. Rau

Sehr angenehm für die Delegation der Leibniz-Sozietät war die überaus herzliche Gastfreundschaft, vom Abholen am Flughafen bis zur Verabschiedung ebenda, das Willkommen durch die Akademieleitung vor der Plenarveranstaltung, die kreative Atmosphäre bei der Besichtigung des sehr gut ausgestatteten „Forschungszentrums für Gen- und Biotechnologie“ der MANU, nicht zu vergessen das stete Bemühen um unser leibliches Wohl. – Dem bei der Tagung im Herbst 2014 zu entsprechen, wird wahrlich keine leichte Aufgabe sein!Text und Fotos: Dietmar Linke